Poröse Tontöpfe und Rohre für die Bewässerung im kleinen Maßstab
Inhaltsverzeichnis
- 1 Siehe auch:
- 2 Poröse Tontöpfe und Rohre für die Bewässerung im kleinen Maßstab
- 2.1 Kurzbeschreibung
- 2.2 Offizielle Fachbezeichnungen
- 2.3 Technische Beschreibung
- 2.4 Tonrohre
- 2.5 Ausmaß der Nutzung
- 2.6 Vorteile
- 2.7 Wirksamkeit der Technologie
- 2.8 Schwierigkeiten
- 2.9 Die Pflanzen, die man anbauen kann
- 2.10 Tontöpfe / Krüge und Salinität
- 2.11 Rentabilität der Krukbewässerung
- 2.12 DIY Tontöpfe aus dem Baumarkt – Eine kostengünstige Variante
- 2.13 Zusammenfassung – DIY vs. fertige Olla
- 2.14 Fertige Olla-Produkte aus dem Handel
- 2.15 Links und weiterführende Quellen
- 2.16 Bibliografie
Siehe auch:
Wasser ├─ Wie man einen Kaffee-Ton-Wasserfilter herstellt ├─ Wie man den sri-lankischen Tonwasserfilter herstellt ├─ Poröse Tontöpfe und Rohre für die Bewässerung im kleinen Maßstab → Taufalle aus Stein └─ Wasseraufbereitung durch Abkochen Howtopedia → How to Use the Porous Clay Pots and Pipes System └─ Howtopedia-deutsch → Poröse Tontöpfe und Rohre für die Bewässerung im kleinen Maßstab
Poröse Tontöpfe und Rohre für die Bewässerung im kleinen Maßstab
Poröse Tontöpfe und Rohre sind eine einfache und sehr wassersparende Methode der Bewässerung. Das Wasser wird direkt in die Wurzelzone der Pflanzen abgegeben, wodurch Verdunstungsverluste stark reduziert werden. Diese Technik wird seit Jahrhunderten in trockenen Regionen der Welt eingesetzt und eignet sich besonders gut für den Kleinanbau in semiariden und ariden Gebieten.
Kurzbeschreibung
- Problem: Hoher Wasserverbrauch und Wassermangel bei der Bewässerung von Gemüse und anderen Kulturen in trockenen Regionen
- Idee: Poröse Tontöpfe und Tonrohre sparen Wasser, indem sie es langsam und gezielt direkt an die Wurzeln der Pflanzen abgeben
- Schwierigkeitsgrad: Mittel bis hoch (hoher anfänglicher Arbeitsaufwand bei Herstellung und Installation)
- Preisklasse: Niedrig bis mittel (hauptsächlich Arbeitskosten, da Material lokal verfügbar ist)
- Benötigte Materialien: Unglasierter Ton, selbstgebrannte Tontöpfe oder Tonrohre
- Geografisches Gebiet: Besonders geeignet für trockene und semiaride Regionen mit weniger als 500 mm Jahresniederschlag
- Kompetenzen: Lokale Töpferkunst oder einfache Handwerkstechniken; kann von Gemeindebauern, insbesondere Frauen, erlernt werden
- Anzahl Personen: Abhängig von der Fläche (oft Gemeinschaftsarbeit)
- Dauer: Herstellung und Installation sind arbeitsintensiv
Offizielle Fachbezeichnungen
Das Bewässerungssystem mit porösen Tontöpfen und Tonrohren hat in der Fachwelt mehrere Bezeichnungen. Je nach Region und Fachrichtung werden unterschiedliche Begriffe verwendet.
| Fachbezeichnung | Sprache / Herkunft | Häufigkeit der Verwendung | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Pitcher Irrigation | Englisch (international) | Sehr hoch | Am weitesten verbreiteter wissenschaftlicher Begriff, besonders in der Entwicklungszusammenarbeit und Agrarforschung |
| Olla Irrigation | Spanisch / Englisch (Permakultur) | Sehr hoch | Besonders in der Permakultur-Szene und in Lateinamerika beliebt und weit verbreitet |
| Clay Pot Irrigation | Englisch | Hoch | Beschreibender Begriff, der das Material (poröser Ton) betont |
| Porous Clay Pot Irrigation | Englisch | Mittel bis hoch | Wissenschaftlich präzise Bezeichnung, häufig in technischen Publikationen |
| Krukbewässerung | Deutsch | Mittel | Deutsche Übersetzung von „Pitcher Irrigation“, wird in deutschsprachigen Autark- und Permakultur-Kreisen verwendet |
| Tontopfbewässerung / Tonkrugbewässerung | Deutsch | Mittel | Allgemein verständliche deutsche Bezeichnung |
| Subsurface Clay Pot Irrigation | Englisch | Mittel | Betont die unterirdische (subsurface) Anwendung |
„Poröse Tontöpfe und Rohre, international auch als Olla Irrigation oder Pitcher Irrigation bekannt, sind eine traditionelle und äußerst wassersparende Bewässerungsmethode.“
Dieser Abschnitt erklärt die verschiedenen Namen klar und gibt dem Leser Orientierung.
Technische Beschreibung
Die Bewässerung mit porösen Tontöpfen (auch **Krukbewässerung** oder **Olla-Bewässerung** genannt) ist eine kostengünstige Methode im kleinen Maßstab. Unglasierte Tontöpfe werden bis zum Hals in den Boden eingegraben. Wenn der Topf mit Wasser gefüllt wird, sickert das Wasser durch die natürlichen Poren in der Topfwand langsam seitlich in den umliegenden Boden und schafft so die feuchten Bedingungen, die für das Pflanzenwachstum notwendig sind. Die Töpfe werden nach Bedarf nachgefüllt und sorgen für eine kontinuierliche Wasserversorgung direkt in der Wurzelzone.
Diese Technik wird vor allem dort eingesetzt, wo:
- Wasser knapp oder teuer ist,
- Felder schwer zu ebnen sind (z. B. unebenes Gelände),
- das Wasser salzhaltig ist und bei herkömmlicher Oberflächenbewässerung normalerweise nicht genutzt werden könnte,
- in abgelegenen Gebieten, in denen frisches Gemüse teuer oder schwer zu bekommen ist.
Einer der größten Vorteile der Krukbewässerung ist ihre hohe Wassereffizienz. Im Vergleich zu Flut- oder Sprinklerbewässerung wird deutlich weniger Wasser benötigt, da das Wasser gezielt abgegeben wird und Tiefensickerungsverluste sowie Verdunstung stark reduziert sind. Auch im Vergleich zu Tropfbewässerung kann der Wasserverbrauch in manchen Fällen niedriger sein.
Tonrohre
Die Bewässerung mit Tonrohren funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Die Rohre werden aus porösem Ton gebrannt und zu Schläuchen von etwa 250 mm Länge mit einem Innendurchmesser von 75 mm verbunden. Die Rohre werden entlang der Beete in einem eingeebneten Graben Ende an Ende verlegt. Am Anfang des Systems wird ein 90-Grad-Winkelstück mit einem senkrechten Füllrohr angebracht. Der Graben wird dann mit Boden bis zu einer Tiefe von 100 bis 200 mm wieder aufgefüllt. Wasser wird durch das senkrechte Rohr eingefüllt und sickert durch die Poren oder die Verbindungsstellen langsam in die Wurzelzone.
Ausmaß der Nutzung
Die Verbreitung dieser Technik ist bisher noch relativ begrenzt, wahrscheinlich wegen des hohen anfänglichen Arbeitsaufwands bei der Herstellung und Installation. Versuche in den trockenen Gebieten von Chiredzi in Simbabwe haben jedoch gezeigt, dass die lokalen Gemeinschaften großes Interesse an dieser Methode haben.
Sobald die Systeme installiert sind, ist der Wartungsaufwand sehr gering. Der Betrieb ist einfach und kann von den Bauern selbst durchgeführt werden.
Vorteile
- Material für Tontöpfe und Tonrohre sowie die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten sind lokal und zu geringen Kosten verfügbar.
- Die Methode schafft eine gleichmäßig benetzte Zone in der Wurzelregion.
- Unkrautprobleme werden oft reduziert, da die Bodenoberfläche trocken bleibt und Unkraut meist flache Wurzelsysteme hat.
- Die Töpfe können direkt neben einzelnen Pflanzen platziert werden.
- Nach der Installation kann das System über mehrere Saisons genutzt werden.
Wirksamkeit der Technologie
Bei replizierten Versuchen wurde festgestellt, dass die Wassereinsparungen zwischen 11 % und 28 % des Wassers liegen, das bei traditioneller Bewässerung verwendet wird. In manchen Fällen ist die Einsparung noch höher, besonders bei salzhaltigem Wasser oder sehr trockenen Bedingungen.
Schwierigkeiten
Der anfängliche Arbeitsaufwand für die Herstellung der Töpfe und Rohre sowie für die Installation ist sehr hoch. Die Verwendung von Tontöpfen kann arbeitsintensiver sein als herkömmliche Bewässerungsmethoden. Außerdem kann es schwierig sein, ausreichend Wasser für Pflanzen mit sehr hohem Wasserbedarf bereitzustellen. Die Porosität der Töpfe nimmt mit der Zeit ab, sodass sie in regelmäßigen Abständen ersetzt werden müssen. Die Lebensdauer der Töpfe wird stark verkürzt, wenn trübes Wasser mit hohem Schlamm- und Tonanteil verwendet wird, da sich der Schlamm in den Poren absetzt und diese versiegelt.
Hinweis: Die Trübung und der Salzgehalt des Wassers können durch den Einsatz eines einfachen Sandfilters deutlich reduziert werden.
Die Pflanzen, die man anbauen kann
Es gibt eine Vielzahl von Pflanzen, die von der Krukbewässerung profitieren. Aufrechte Gemüsepflanzen benötigen in der Regel einen 7–10-Liter-Tontopf, wobei 3–6 Pflanzen um einen Topf herum wachsen können. Für kriechende oder rankende Pflanzen (z. B. Melonen, Kürbisse, Tomaten) kann die Topfgröße etwas kleiner sein und die Töpfe weiter auseinander platziert werden.
Forscher am Central Soil Salinity Research Institute (CSSRI) in Karnal, Indien, fanden heraus, dass die profitabelsten Pflanzen für die Krukbewässerung in dieser Region in folgender Reihenfolge waren: Tomate > Flaschenkürbis > Bittermelone > Wassermelone > Blumenkohl**.
Die Honigmelone erwies sich als unrentabel. Bäume benötigen größere oder mehrere Töpfe pro Baum, abhängig von Abstand und Art.
Tontöpfe / Krüge und Salinität
Forschungen des CSSRI zeigen, dass salzhaltiges Wasser bei der Krukbewässerung besser vertragen wird als bei Oberflächenbewässerung. Salz sammelt sich hauptsächlich an der Bodenoberfläche an, während der Salzgehalt in der Wurzelzone günstiger bleibt. Wassermelone und Honigmelone vertrugen Salinitätswerte bis 12 dS/m. Eine Tomatenernte erzielte fast 29 t/ha bei 12 dS/m mit 5000 Krügen pro Hektar.
Rentabilität der Krukbewässerung
Die Rentabilität muss den hohen anfänglichen Arbeitsaufwand für Herstellung, Einbau und Befüllen der Töpfe berücksichtigen. In Regionen mit Wasserknappheit oder hohen Wasserkosten ist die Methode jedoch oft sehr vorteilhaft. Die Technik kann die Anbausaison verlängern und ermöglicht den Gemüseanbau auch in sehr trockenen Gebieten.
DIY Tontöpfe aus dem Baumarkt – Eine kostengünstige Variante
Viele Menschen möchten die Olla-Bewässerung ausprobieren, ohne teure spezielle Tontöpfe zu kaufen. Eine beliebte und günstige Möglichkeit ist der Einsatz von unglasierten Terrakotta-Töpfen aus dem Baumarkt (oft als „Blumentöpfe aus Ton“ oder „Terrakotta-Übertopf“ angeboten).
Vorteile dieser Methode
- Sehr günstig (oft 3–8 € pro Topf)
- Überall leicht erhältlich
- Schnell umsetzbar
- Gute Porosität bei qualitativ hochwertigen Terrakotta-Töpfen
Wichtige Hinweise und Risiken
1. Schwermetalle (besonders Blei)
Viele günstige Terrakotta-Töpfe aus dem Baumarkt (vor allem importierte aus Asien) können **Blei und andere Schwermetalle** enthalten. Diese können sich im Laufe der Zeit aus dem Ton lösen und in den Boden sowie in die Pflanzen gelangen – besonders bei saurem Boden oder langjähriger Nutzung.
Empfehlung:
- Verwende **nur Töpfe, die ausdrücklich als „lebensmittelecht“ oder „für Kräuter- / Gemüseanbau geeignet“** deklariert sind.
- Frage beim Händler nach oder kaufe Töpfe von vertrauenswürdigen europäischen Herstellern.
- Bei Unsicherheit: Die Töpfe vor der ersten Nutzung mehrmals mit klarem Wasser ausspülen und 1–2 Wochen mit Wasser füllen und das Wasser danach entsorgen (Auslaugen).
2. Bodenloch richtig verschließen
Damit das Wasser nicht oben herausläuft und verdunstet, muss der Topf gut verschlossen werden.
Praktische Methoden zum Verschließen:
- Einen passenden **Terrakotta-Untersetzer** oder einen zweiten kleineren Topf umgedreht als Deckel aufsetzen und mit Ton oder Silikon abdichten.
- Einen **Korken**, **Holzdeckel** oder **Bambusdeckel** verwenden und mit ungiftigem Silikon oder Lehm abdichten.
- Das Abflussloch kann auch mit Wachs (optimal Bienenwachs) versiegelt werden
- Übergroße Untersetzer als Deckel verwenden
3. Weitere praktische Tipps für den Selbstbau
- Wähle Töpfe ohne Glasur (unglasiert) – nur diese sind porös genug.
- Größe: Für Gemüse ideal sind 7–12 Liter Töpfe.
- Abstand: Bei aufrechten Pflanzen ca. 50–80 cm zwischen den Töpfen, bei Rankpflanzen etwas weiter.
- Tiefe: Den Topf so eingraben, dass nur der Rand (ca. 2–5 cm) aus dem Boden ragt.
- Wasserqualität: Möglichst klares Wasser verwenden, um ein Verstopfen der Poren zu vermeiden.
Zusammenfassung – DIY vs. fertige Olla
| Kriterium | DIY aus Baumarkt-Töpfen | Fertige Olla (z. B. Kopp) | |------------------------|----------------------------------|---------------------------------| | Preis pro Stück | 3–10 € | 12–20 € | | Verfügbarkeit | Sehr gut | Begrenzt | | Schwermetall-Risiko | Mittel bis hoch (prüfen!) | Meist niedriger | | Haltbarkeit | 2–5 Jahre (je nach Qualität) | 4–8 Jahre | | Arbeitsaufwand | Mittel (Beschaffen + Abdichten) | Gering | | Wassereffizienz | Gut bis sehr gut | Sehr gut |
Mein Rat:
Für den Einstieg sind Baumarkt-Terrakotta-Töpfe eine gute und günstige Möglichkeit – **aber nur**, wenn du sicherstellst, dass sie möglichst wenig Schwermetalle enthalten. Am sichersten sind Töpfe, die als „lebensmittelecht“ oder „für Kräuteranbau“ gekennzeichnet sind.
Fertige Olla-Produkte aus dem Handel
Es gibt inzwischen auch industriell hergestellte poröse Tontöpfe mit Deckel (z. B. 2,5-Liter-Bewässerungshilfen), die das Prinzip der traditionellen Olla aufnehmen. Diese sind praktisch und sparen Zeit beim Selbstbau, sind jedoch teurer als selbstgebrannte Tontöpfe.
Vorteile fertiger Modelle:
- Guter Deckel gegen Verdunstung und Verschmutzung
- Gleichmäßige Porosität
- Einfache Handhabung
Links und weiterführende Quellen
- http://www.unep.or.jp/ietc/publications/techpublications/TechPub-8a/clay.asp
- Clay Pot and Porous Capsule Irrigation (OAS)
- Indigenous low input clay pot sub-irrigation (SACCAR)
Bibliografie
- Mondal, R.C. et al.: Pitcher Irrigation, Central Soil Salinity Research Institute, Karnal, Indien
- Sourcebook of Alternative Technologies for Freshwater Augmentation in Africa
