Regenwasserablauf ernten – Weg zu verbessertem Lebensunterhalt

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Regenwasser ernten – Weg zu verbessertem Lebensunterhalt

Übersetzt: Howtopedia, How to Harvest Run Off Rainwater / Regenwasserablauf ernten – Weg zu verbessertem Lebensunterhalt

Übersicht

  • Problem: Landwirtschaft in trockenen Gebieten scheitert oft an fehlendem Wasser zur richtigen Zeit.
  • Idee: Sammeln von Oberflächenabfluss (Run-off) während der Regenzeit in unterirdischen Ziegeltanks zur Bewässerung in Trockenperioden.
  • Schwierigkeit: Mittel – erfordert Bauarbeiten, aber mit einfachen Materialien machbar.
  • Preisspanne: Ca. 80–150 € (je nach Größe und Lohnkosten; in Sri Lanka ca. 16.000 LKR = ~80 € im Jahr 2000, heute höher).
  • Benötigte Materialien: Ziegel, Zement, Sand, Kies, Wasserfest-Zement, ggf. Dachmaterial für Abdeckung.
  • Geografische Gebiete: Trockene oder saisonal trockene Regionen mit mindestens 1000–1500 mm Jahresniederschlag (wie Sri Lanka, Teile Afrikas, Südeuropas).
  • Benötigte Fähigkeiten: Grundkenntnisse im Maurerhandwerk (Betonmischen, Mauern).
  • Anzahl Personen: 2–4 Personen (inkl. Hilfskräfte).
  • Bauzeit: 7–12 Tage (inkl. Trocknungszeiten).

Einleitung

Obwohl Landwirtschaft ein zentraler Bestandteil des Lebensunterhalts in ländlichen Gemeinschaften weltweit ist, scheitern viele Kleinbauern in wasserarmen Regionen oft, weil zur richtigen Zeit nicht genug Wasser verfügbar ist.

Dieser Technische Leitfaden stellt eine bewährte Methode des Run-off-Regenwassersammelns vor, die ressourcenarme Haushalte effektiv nutzen können, um Trockenperioden zu überbrücken. Die Technik wurde über Jahrzehnte von Institutionen, Experten und betroffenen Gemeinschaften entwickelt und ist besonders in Trockengebieten erfolgreich.

Regenwasser für die Landwirtschaft

Regenfeldbau ist in Trockengebieten nichts Neues. Als Gegenmaßnahme zur Unvorhersehbarkeit des Regens haben Gemeinschaften verschiedene Praktiken für „wasserarme Landwirtschaft“ entwickelt. Regenwasserspeicherung ist eine davon.

In Sri Lanka reichen die ersten Spuren von Regenwassernutzung mindestens 2500 Jahre zurück. Heute ist sie in vielen asiatischen Ländern weit verbreitet, besonders dort, wo Regen nur saisonal fällt oder in Trockenperioden ausbleibt. In Sri Lanka regnet es nur während vier Monaten im Jahr (März–April und Oktober–November), während die restlichen acht Monate sehr trocken sind. Regenwasserspeicherung ermöglicht es, Wasser aus der Regenzeit für die Trockenzeit zu nutzen.

Beispiel: In Suriyawewa (Hambantota-Distrikt) fällt der Großteil des Regens in diesen vier Monaten (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Regenmuster in Suriyawewa – Hambantota-Distrikt

Zitat des alten Königs Parakramabahu des Großen (1153–1186 n. Chr.): „Nicht ein einziger Regentropfen darf ins Meer fließen, ohne für das Wohl der Menschen genutzt zu werden.“

Die alten Sri-Lanker bauten riesige Kaskaden-Systeme mit Tanks (siehe Tabelle 1). Die Tanks in diesem Leitfaden sind jedoch haushaltsklein (ca. 10.000 Liter), ausreichend für 0,1–0,2 Hektar und 35–40 mehrjährige Pflanzen wie Jackfrucht, Kokos, Granatapfel, Orange und Mango.

Was ist Regenwasserspeicherung? Das Sammeln, Kontrollieren und Nutzen von Regenwasser direkt am Ort oder in unmittelbarer Nähe des Niederschlags.

Run-off-Regenwasserspeicherung Hierbei wird das abfließende Oberflächenwasser während des Regens in einen unterirdischen Ziegeltank geleitet. Der Tank wird aus Ziegeln gebaut und innen mit Zement beschichtet. Wichtig: Verdunstung minimieren und effiziente Bewässerungstechniken nutzen. Die Methode ist einfach umzusetzen, bewährt und bei richtiger Anwendung sehr profitabel.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Standortwahl für den Tank

  • Beobachte die Richtung des Oberflächenabflusses bei Regen.
  • Der Tank muss nicht unbedingt im tiefsten Punkt liegen – bei starken, saisonalen Regenfällen füllt sich ein 12.000-Liter-Tank leicht.
  • Nicht zu nah an großen Bäumen bauen (Wurzeln können Risse verursachen).
  • Nahe am zu bewässernden Bereich (für einfache Bewässerung).
  • Nicht zu nah am Haus/Wegen (Sicherheitsrisiko für Kinder/Tiere – Zaun drumherum empfohlen).
  • Öffnung in Richtung des natürlichen Wasserflusses (damit Schlammfilter richtig funktionieren).
  • Starke Strömungen vermeiden (kann Tank beschädigen oder wegspülen).
  • Natürlichen Fluss nicht stark behindern (sonst Bodenerosion möglich).

Tank bauen

  • Fläche freimachen und planieren (für genaue Messungen).
  • Runde Form wählen (hält höheren Druck besser aus).
  • Wasserbedarf berechnen:
 a) Regenmuster der Region (bei ganzjährigem Regen reicht 4.000–5.000 l; bei 6-monatiger Trockenheit möglichst groß).  
 b) Zu bewässernde Fläche.  
 c) Budget.  
  • Maximale Tiefe: 1,75 m (leichter zu reinigen, weniger Druck auf Wände).

Tabelle 2: Kapazität nach Tankradius (ca.-Werte)

Kapazität (Liter) Radius (Meter)
5000 0,9
6000 1,0
7000 1,125
8000 1,2
9000 1,275
10000 1,35
11000 1,425
12000 1,5
  • Radius mit Seil und Pflock markieren → Kreis zeichnen.
  • Innerhalb des Kreises aushub (mit leichtem Gefälle von außen nach innen ca. 30 cm).
Abbildung 2: Radius messen
Abbildung 3: Baugrube
Abbildung 4: Querschnitt des Tanks
  • Boden mit 10 cm Betonplatte (Mischung Sand:Zement:Schotter 2:1:4) versiegeln.
  • Wände hochmauern: 1 Fuß (ca. 30 cm) hoch mit Ziegeln (Format 5×10×23 cm), Mörtel Zement:Sand 1:4.
  • Einlass auf Bodenniveau halten (nicht höher als Gelände).
  • Einlassseite verstärken: Betonplatte 0,75 m × 1 m für stabilen Zugang.
  • Schlammfilter: V-förmige Ziegelbunde bauen (siehe Bilder).
  • Überlauf (Spill) gegenüber dem Einlass: 22 cm breit, 1,25 cm höher als Einlass.
Abbildung 5: Wände auf Betonboden
Abbildung 6: Einlass messen
Abbildung 7: Betonbasis für Einlass
Abbildung 8: Filterbunde vor Verputz
Abbildung 9: Fertiger Einlass nach Verputz
Abbildung 10: Überlauf
Abbildung 11: Tank vor Verputz
  • Gesamten Tank innen und außen verputzen (außen ca. 15 cm über Boden).
  • Freiraum um Tank mit Sand fest verfüllen (für spätere Reparaturen zugänglich).
Abbildung 12: Verputzen des Tanks
  • Haltbarkeit bei guter Pflege: ca. 15 Jahre.

Betrieb & Wartung

  • Bei Leerung: Schlamm und Ablagerungen entfernen, Tank gründlich reinigen.
  • Abdeckung (Strohdach + Zaun) gegen Verdunstung und Unfälle.
  • Keine Wasserpflanzen zulassen (erhöhen Verdunstung).
  • Fische (z. B. Tilapia) einsetzen gegen Mückenlarven.
Abbildung 13: Wasser sammelt sich im Tank
Abbildung 14: Fertiger Tank
Abbildung 15: Abdeckung und Zaun

Effiziente Bewässerung – Pitcher Irrigation

Ein sehr sparsamer Low-Cost-Methode: Unglasierte Tonkrüge (6–10 Liter) vergraben, Wasser sickert langsam durch poröse Wände direkt zu den Wurzeln. Spart >90 % Wasser gegenüber Oberflächenbewässerung, höhere Erträge. Anzahl der Krüge je nach Pflanzdichte.

Abbildung 16: Pflanze mit Pitcher-Bewässerung
Abbildung 17: Zitrusbaum im Hausgarten

Kostenabschätzung für 10.000-Liter-Tank (ca.-Werte, Sri Lanka 2000, heute höher)

Position Einheitspreis Menge Gesamt (LKR)
Zement 6,50 Rs/kg 600 kg 3.900
Wasserfest-Zement 80 Rs/kg 0,5 kg 40
Ziegel 1,50 Rs 1.600 2.400
Sand 1.600 Rs/m³ 1 m³ 1.600
Kies 3.200 Rs/m³ 0,25 m³ 800
Transport ca. 1.500
Maurerlohn 350 Rs/Tag 7 Tage 2.450
Hilfsarbeiter 275 Rs/Tag 12 Tage 3.300
Gesamt ca. 15.990 LKR (~80 € damals)

Quellen & Weiterführendes

  • Micro irrigation – Practical Action Technical Brief
  • Small-scale irrigation – Peter Stern, ITDG Publishing 1994
  • Rainwater Harvesting – Pacey & Cullis, ITDG Publishing 1986
  • Wisdom of traditional collection of rainwater for domestic use – Ariyabandu, Lanka Rain Water Harvesting Forum 1998
  • Water Harvesting Manual – Critchley & Siegert, FAO 1992

Praktische Adressen Practical Action South Asia, Colombo, Sri Lanka Practical Action UK: Schumacher Centre, Bourton on Dunsmore, Rugby CV23 9QZ, UK Web: https://practicalaction.org

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