Wie man Beleuchtung in ländlichen Gebieten bereitstellt – Grundsätze
Inhaltsverzeichnis
- 1 Siehe:
- 2 Kurzbeschreibung
- 3 Beleuchtung im ländlichen Raum – Technische Kurzinformation
- 4 Einleitung
- 5 Was ist Licht?
- 6 Methoden der Lichterzeugung
- 7 Elektrische Beleuchtung in netzfernen Gebieten
- 8 Stromquellen zum Laden der Batterien
- 9 Zusammenfassung und Kostenbeispiel
- 10 Quellen und weiterführende Literatur
- 11 Nützliche Adressen
Siehe:
Howtopedia → How to Provide Lighting in Rural Areas-Principles
└─ Howtopedia-deutsch → Wie man Beleuchtung in ländlichen Gebieten bereitstellt – Grundsätze
Kurzbeschreibung
- Problem: Schlechte oder fehlende Beleuchtung nach Sonnenuntergang in ländlichen Gebieten
- Idee: Verbesserte und bezahlbare Beleuchtung für Haushalte ohne Netzanschluss
- Schwierigkeitsgrad: Mittel
- Preisklasse: Mittel bis hoch (je nach Technologie)
- Benötigte Materialien: Lampen, Batterien, Ladekabel, ggf. Solarmodule oder Windgenerator
- Geografisches Gebiet: Ländliche und abgelegene Regionen ohne Stromnetz
- Benötigte Kompetenzen: Grundkenntnisse in Elektrotechnik, Batteriepflege
- Anzahl Personen: 1–2 Personen (für Installation)
- Dauer: Installation meist 1–2 Tage
Beleuchtung im ländlichen Raum – Technische Kurzinformation
Einleitung
In Industrieländern und vielen städtischen Gebieten der Entwicklungsländer wird Beleuchtung als selbstverständlich angesehen. Etwa die Hälfte der Menschheit – über 2,5 Milliarden Menschen – lebt jedoch nach Sonnenuntergang weitgehend ohne ausreichendes Licht, da sie keinen Zugang zum öffentlichen Stromnetz hat.
In ländlichen Regionen der Entwicklungsländer wird Beleuchtung meist durch Kerzen oder Petroleumlampen bereitgestellt. Als tragbare Lichtquelle dienen oft Taschenlampen mit teuren Wegwerf-Batterien.
Was ist Licht?
Licht ist elektromagnetische Strahlung. Das menschliche Auge nimmt einen Teil dieses Spektrums als Farben wahr (Regenbogen). Weißes Licht entsteht durch Mischung aller Farben. Mehr Energie ist im blauen/violetten Bereich vorhanden als im roten. Deshalb benötigt „weißes“ Licht in der Regel mehr Energie als rötliches oder orangefarbenes Licht.
Die Lichtstärke wird in **Candela** (Kerzenstärke) angegeben, die Lichtmenge in **Lumen**. Je höher der Lumen-Wert, desto heller ist die Lampe.
Methoden der Lichterzeugung
Es gibt zwei grundlegende physikalische Prinzipien:
- **Glühlicht (incandescent)**: Eine Substanz wird stark erhitzt (z. B. Kerzenflamme oder Glühfaden in der Glühbirne).
- **Fluoreszenz (fluorescent)**: Atome oder Moleküle werden angeregt und geben „kaltes“ Licht ab (z. B. Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen).
Glühlampen erzeugen viel Wärme und sind daher relativ ineffizient. Leuchtstofflampen sind deutlich effizienter.
Die folgende Tabelle zeigt verschiedene Lichtquellen und ihre Leistungsfähigkeit:
| Lampentyp | Energiequelle | Lichtstärke (Lumen) | Wirkungsgrad (Lumen/Watt) |
| Kerze | Paraffinwachs | ca. 1 | 0,01 |
| Einfache Petroleumlampe (Docht) | Petroleum | 1–10 | 0,01–0,1 |
| Sturmlaterne (Docht) | Petroleum | 10–100 | 0,1–0,2 |
| Petroleumlampe mit Glühstrumpf | Petroleum | ca. 1000 | ca. 1 |
| Gaslampe mit Glühstrumpf | Butan/Propan | ca. 1000 | ca. 1 |
| Glühlampe 3 W | Strom | 10 | 3 |
| Glühlampe 40 W | Strom | 400 | 10 |
| Glühlampe 100 W | Strom | 1300 | 13 |
| Leuchtstofflampe 15 W | Strom | 600 | 40 |
| Leuchtstofflampe 30 W | Strom | 1500 | 50 |
Tabelle 1: Vergleich verschiedener Lichtquellen
- Wichtiger Hinweis:** Für den Nutzer ist nicht nur der Wirkungsgrad entscheidend, sondern vor allem die **Kosten pro Lumen**. Petroleum und Kerzen sind zwar billig in der Energie, aber sehr ineffizient, schmutzig, feuergefährlich und liefern oft schlechtes Licht.
Elektrische Beleuchtung in netzfernen Gebieten
Da elektrisches Licht „auf Knopfdruck“ verfügbar sein soll, ist eine **Batterie** als Speicher notwendig.
- Primärbatterien** (Wegwerf-Batterien) sind sehr teuer.
- Sekundärbatterien** (wiederaufladbar) sind deutlich kostengünstiger.
Die gängigsten Typen sind:
- **Blei-Säure-Batterien** (ähnlich Aut Batterien) – günstig, aber pflegeintensiv
- **Nickel-Cadmium-Batterien** – robuster, aber teurer und seltener
- Wichtige Regel:** Blei-Säure-Batterien sollten nie tiefer als auf ca. 50 % entladen werden, sonst verkürzt sich ihre Lebensdauer stark.
Stromquellen zum Laden der Batterien
Es gibt vier Hauptmöglichkeiten: 1. Batterie zur nächsten Steckdose bringen und laden 2. Kleiner Benzin-/Dieselmotor-Generator 3. **Solaranlage** (Photovoltaik) – am universellsten einsetzbar 4. **Kleiner Windgenerator**
- Solarbeleuchtung** ist in den meisten Regionen die praktischste Lösung, da sie wartungsarm ist und fast überall funktioniert. Moderne Solarlaternen sind besonders beliebt.
- Windgeneratoren** können in windreichen Gebieten (mittlere Windgeschwindigkeit > 4 m/s im schwächsten Monat) eine günstigere Alternative sein.

Abbildung 2: Practical Action Windgenerator zur Batterieladung © Practical Action
Zusammenfassung und Kostenbeispiel
Für eine 30-W-Leuchtstofflampe (entspricht in der Helligkeit etwa einer 100-W-Glühlampe), die 6 Stunden pro Nacht brennt:
- Lampe mit integriertem Inverter: ca. 10 €
- Kabel und Anschlüsse: ca. 10 €
- Batterie (12 V, ausreichend Kapazität): ca. 80 €
- Solaranlage (60–90 Wp): ca. 200–500 €
- oder Windgenerator (0,5–2 m² Rotorfläche): ca. 200–900 €
Die Anschaffungskosten sind höher als bei einer Petroleumlampe, aber die Betriebskosten sind extrem niedrig, das Licht ist deutlich besser und es besteht keine Feuergefahr.
Quellen und weiterführende Literatur
Dieser Howtopedia-Beitrag basiert auf dem Practical Action Technical Brief „Rural Lighting“.
Weiterführende Literatur:
- Rural Lighting: A Guide for Development Workers, ITDG Publishing, 1994
- Solar Photovoltaic Products: A Guide for Development Workers
Nützliche Adressen
Practical Action The Schumacher Centre for Technology & Development, Bourton on Dunsmore, RUGBY, CV23 9QZ, United Kingdom Tel.: +44 (0) 1926 634400 Fax: +44 (0) 1926 634401 E-Mail: practicalaction@practicalaction.org.uk Web: www.practicalaction.org

