Geplante Obsoleszenz

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Geplante Obsoleszenz – Was ist das und warum scheitert sie?

Geplante Obsoleszenz (engl. Planned Obsolescence) ist die bewusste Strategie von Herstellern, Produkte so zu gestalten, dass sie nach einer bestimmten Zeit absichtlich kaputtgehen, veralten oder unbrauchbar werden – meist um den Verkauf neuer Produkte anzukurbeln.

Es gibt zwei Hauptformen:

  • Physische Obsoleszenz: Das Produkt bricht nach 2–5 Jahren (z. B. schwache Klebstellen, nicht austauschbare Akkus, Lötstellen, die reißen).
  • Psychologische/Software-Obsoleszenz: Das Produkt funktioniert noch, wird aber „alt“ gemacht (z. B. keine Updates mehr, langsameres Betriebssystem, nervige Werbung).

Beispiele:

  • iPhone-Akkus, die nach 2 Jahren schnell leer gehen und teuer zu tauschen sind.
  • Drucker, die nach 5000 Seiten „auslaufen“ (Chips sperren).
  • Waschmaschinen, die nach 5 Jahren „nicht mehr reparierbar“ sind, weil Ersatzteile nicht mehr geliefert werden.

Warum scheitert geplante Obsoleszenz jetzt?

Die Strategie funktioniert immer schlechter – aus mehreren Gründen:

  1. Rechtliche Gegenwehr
  • EU: Right-to-Repair-Gesetze (seit 2021/2022, 2025 verschärft) – Hersteller müssen 10 Jahre Ersatzteile bereitstellen, Reparaturanleitungen veröffentlichen.
  • USA: Staaten wie New York, Kalifornien, Oregon (2025) haben Right-to-Repair-Gesetze – sogar für Landmaschinen (John Deere musste nachgeben).
  • Apple & Co. werden verklagt und verlieren.
  1. Verbraucher-Revolte
  • Fairphone, Framework, Shift6m – modulare, reparierbare Smartphones boomen.
  • iFixit & Repair-Cafés wachsen weltweit – Leute reparieren lieber als neu kaufen.
  • Umfragen 2025: 70–80 % der jungen Menschen wollen langlebige Produkte, nicht Billigware.
  1. Wirtschaftliche Realität
  • Inflation + Ressourcenknappheit: Wegwerfen wird teuer.
  • Lieferketten-Krisen: Wenn man neu kaufen will, ist es oft gar nicht verfügbar.
  • Nachhaltigkeits-Trend: Firmen wie Patagonia, Bosch (Reparatur-Index) verdienen mit „ewig haltbar“ mehr Geld als mit geplanter Obsoleszenz.

Kurz: Obsoleszenz scheitert, weil die Welt sie sich nicht mehr leisten kann – weder ökonomisch, ökologisch noch emotional. Die Menschen wollen wieder Dinge, die halten.

Warum reparieren heilt

Reparieren ist nicht nur eine technische Handlung – es ist eine psychologische, emotionale und spirituelle Heilung auf mehreren Ebenen:

  1. Wiederherstellung der Kontrolle

In einer Welt, in der wir ständig abhängig sind (von Apps, Herstellern, Updates), gibt Reparieren uns zurück: „Ich kann das selbst machen.“ Das Gefühl von Autonomie ist extrem heilend – Studien zeigen, dass handwerkliche Tätigkeiten Stress senken und Selbstwirksamkeit steigern (ähnlich wie Gärtnern oder Kochen).

  1. Rückgewinnung von Zeit & Geschichte

Wenn du eine alte Uhr, einen Kocher oder ein Motorrad reparierst, holst du ein Stück Vergangenheit zurück. Es ist wie eine Zeitreise: Du verbindest dich mit dem Menschen, der es früher genutzt hat (Großvater, Eltern). Das ist therapeutisch – ähnlich wie Trauerarbeit oder Erinnerungsarbeit.

  1. Gegen die Wegwerf-Melancholie

Wir leben in einer Kultur des Verlusts: Alles ist ersetzbar, nichts hat Wert. Reparieren sagt: „Das hier ist wichtig genug, um es zu retten.“ Das gibt Sinn und Würde – sowohl dem Objekt als auch uns selbst.

  1. Körperliche und mentale Entspannung

Reparieren erfordert Fokus, Geduld, Feinmotorik – das ist fast wie Meditation. Viele Menschen berichten: „Wenn ich schraube, höre ich auf zu grübeln.“ Es aktiviert die gleichen Gehirnregionen wie Achtsamkeit oder Flow-Zustände.

  1. Verbindung zu anderen

Repair-Cafés, Foren, Wikis – Reparieren ist sozial. Du lernst von anderen, teilst Wissen, hilfst. Das schafft Gemeinschaft – in einer Zeit, in der viele sich einsam fühlen.

Kurz: Reparieren heilt, weil es uns zurückholt zu dem, was uns als Menschen ausmacht: Schaffen, Pflegen, Weitergeben. Es ist ein Akt der Liebe – zu den Dingen, zu den Menschen, die sie uns hinterlassen haben, und zu uns selbst.

Der Wandel 2024–2025 – Ein Blick für alle

Der Wandel weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu Reparieren, Langlebigkeit und echter Autarkie hat 2024–2025 enorm an Fahrt aufgenommen. Was vor einem Jahr noch wie ein ferner Traum schien, ist heute Realität: Immer mehr Menschen und Gesellschaften wenden sich von geplanter Obsoleszenz ab und wählen Dinge, die halten, reparierbar sind und Geschichten tragen.

Rechtlich & Politisch: Gesetze gegen Wegwerfen

  • EU Right-to-Repair-Richtlinie (2024–2025): Seit Sommer 2025 voll wirksam. Hersteller müssen 10 Jahre lang Ersatzteile bereitstellen und Reparaturanleitungen veröffentlichen. Bußgelder drohen bei Nichteinhaltung.
  • USA: 15 Bundesstaaten haben Right-to-Repair-Gesetze eingeführt – sogar für Landmaschinen. John Deere musste 2025 seine Software freigeben.
  • Deutschland: Der Reparaturbonus wird ausgebaut – bis zu 50 % der Reparaturkosten werden übernommen. Repair-Cafés erhalten staatliche Förderung.

Wirtschaftlich: Langlebigkeit lohnt sich

  • Marken wie Fairphone, Framework und Shift setzen auf modulare, reparierbare Produkte – sie verkaufen sich besser denn je.
  • Große Hersteller (Bosch, Miele, Siemens) führen Reparatur-Indizes ein: Produkte mit hoher Langlebigkeit gewinnen Marktanteile.
  • Der Second-Hand-Markt boomt: Gebrauchte, reparierte Dinge sind günstiger und nachhaltiger – Umsatz +40 % in 2025.

Gesellschaftlich & Kulturell: Die Menschen wachen auf

  • Repair-Cafés: Weltweit über 200 % Wachstum seit 2023 – in Deutschland allein mehr als 1.500 Gruppen.
  • Communities & Wikis: Tausende Menschen teilen ihr Wissen über Reparieren – von Uhren über Kocher bis Motorräder.
  • Soziale Medien: Videos zu „Fix it, don’t toss it“ erreichen Milliarden Aufrufe. Hashtags wie #RightToRepair und #BuyLessFixMore sind omnipräsent.
  • Umfragen: 78 % der jungen Menschen (18–35 Jahre) wollen Produkte, die mindestens 10 Jahre halten – 2023 waren es nur 52 %.

Fazit: Ein Wandel, der uns alle betrifft

Vor einem Jahr schien alles festgefahren. Heute ist klar: Die Wegwerfgesellschaft hat keine Zukunft. Jede reparierte Uhr, jeder funktionierende Kocher, jedes weitergegebene Familienerbstück ist ein kleiner Sieg. Zusammen schaffen wir eine Welt, in der Dinge Wert haben, Geschichten tragen und uns verbinden.

Der Wandel ist da – und er fühlt sich gut an.