Bimsstein

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Bimsstein

Bimsstein ist ein poröses vulkanisches Gestein, das durch schnelle Abkühlung gasreicher Lava entsteht. Aufgrund seiner rauen, aber relativ weichen Struktur wird er seit der Antike als Schleif-, Polier- und Reinigungsmittel verwendet. In der Haushaltschemie gilt er als das stärkste mechanische Reinigungsmittel.

Eigenschaften

Bimsstein besteht hauptsächlich aus Silikaten und enthält zahlreiche Lufteinschlüsse. Dadurch ist er so leicht, dass er auf Wasser schwimmt. Seine Mohshärte liegt bei etwa 6, was ihn härter als Glas, aber weicher als Quarz macht. Diese Eigenschaft ermöglicht es, Verkrustungen und Ablagerungen abzutragen, ohne die meisten glasierten Keramik- oder Metalloberflächen zu zerkratzen. Er ist chemisch inert, löst sich nicht in Wasser oder Laugen und wirkt rein abrasiv.

Historische Verwendung

Die Verwendung von Bimsstein ist seit der römischen Antike belegt. Plinius der Ältere erwähnt ihn in seiner Naturalis historia als Mittel zum Glätten von Pergament und zur Körperpflege. In Pompeji wurden Bimssteine in Badehäusern gefunden, wo sie zur Hornhautentfernung an den Füßen dienten.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Bimsstein ein wichtiges Handelsgut aus dem Mittelmeerraum, insbesondere von den Liparischen Inseln. Er wurde von Wundärzten zum Glätten von Knochen nach Amputationen, von Schreibern zum Radieren und von Hausfrauen zum Scheuern von Holztischen und Metallkesseln verwendet.

Anwendungen im Haushalt

Bereich Anwendung Hinweis
Bad & WC Entfernen von Urinstein, Kalkrändern Stein anfeuchten, sanft reiben. Nur auf Keramik, nicht auf Kunststoff oder Emaille.
Küche Eingebranntes in Backofen & Grillrost Wirkt stärker als Waschsoda. Vorher einweichen.
Textil Fusseln und Pilling entfernen Vorsichtig über Wolle/Pullover streichen. Ersetzt Fusselrasierer.
Körperpflege Hornhautentfernung Nach dem Baden anwenden. Nicht bei Diabetes oder verletzter Haut.
Garten Reinigung von Tontöpfen, Werkzeug Entfernt Moos und Rost durch Reibung.

Abgrenzung zu chemischen Reinigern

Bimsstein wirkt ausschließlich mechanisch durch Reibung, im Gegensatz zu Waschsoda oder Natron, die chemisch lösen. Er ist daher ideal, wenn Laugen versagen oder Material nicht nass werden darf.

Mittel Wirkungsweise Geeignet für Nicht geeignet für
Bimsstein Abrasiv, trägt ab Keramik, Stein, Gusseisen Glas, Kunststoff, Emaille, lackierte Flächen
Waschsoda Chemisch, löst Fett Textilien, Metall, Fliesen Aluminium, Wolle, Seide
Natron Mild chemisch + mild abrasiv Gerüche, Backen, Zähne Starke Verkrustungen

Sicherheitshinweise

Bimsstein ist ungiftig, der Abrieb kann jedoch Staub erzeugen. Bei trockener Anwendung Staubmaske tragen. Vor der Anwendung an unauffälliger Stelle testen, da empfindliche Oberflächen wie Acrylglas, Hochglanz-Armaturen oder beschichtete Pfannen zerkratzt werden können. Niemals auf Haut mit Druck anwenden – es handelt sich um Gestein, nicht um einen Peelingschwamm.

Moderne Formen

Neben dem klassischen Naturstein ist Bimsstein heute auch als Pulver in Scheuermilch oder als gepresster Reinigungsblock mit Griff erhältlich. Synthetische Bimssteine aus recyceltem Glas haben eine kontrolliertere Körnung.

Literatur

  • Plinius der Ältere: Naturalis historia, Buch XXXVI
  • Agricola, Georgius: De re metallica, 1556
  • Forbes, R. J.: Studies in Ancient Technology, Band 5, 1966