Tran, Licht aus der See
Inhaltsverzeichnis
alles ist Rohstoff
Der kleine Alchemist └─ Tran, Licht aus der See └─ Selbstgefertigte Öl & Talglichter
Tran und Tranfunzeln: Licht aus der See
Tran ist Öl aus Meerestieren, gewonnen durch Auskochen von Fischlebern, Walspeck oder Robbenspeck. Von der Steinzeit bis 1850 die wichtigste Lichtquelle Nordeuropas. Tranfunzel = einfache Lampe für Tran.
Geschichte: Das Öl der Küste
| Zeit | Rohstoff | Region |
|---|---|---|
| Steinzeit | Robben, Seehunde | Ostsee, Nordsee, Grönland |
| Wikinger | Dorschleber, Wal | Norwegen, Island |
| Mittelalter | Hering, Wal | Hanse, Baskenland |
| 1600-1850 | Grönlandwal, Pottwal | Walfang-Industrie, Sylt, Föhr |
Merke: Ohne Tran war der Winter dunkel. Talgkerzen waren Luxus. Tran brannte bei jedem Fischer.
Herstellung: Stinkend aber effektiv
1. Rohstoff: Dorschlebern, Walspeck, Robbenspeck. Je frischer, desto weniger Gestank. Alter Tran = Kotz-Garantie.
2. Auskochen / Auslassen: 1. Leber/Speck in Kesseln mit Wasser erhitzen. 2. Öl schwimmt oben, Wasser + Grieben unten. 3. Abschöpfen = Roh-Tran. Gelb-braun, trüb, riecht nach Fischhölle. 4. Reinigung: In Fässern Sonne aussetzen. Setzt sich ab. Oberes klares Öl = Lampen-Tran.
Ausbeute: 100kg Dorschleber = 50L Tran. 1 Wal = 10.000L.
3. Tranfunzel bauen: 1. Tonschale, Muschel oder ausgehöhlter Stein. 2. Docht aus Binsenmark, Hanf oder Stoffrest. 3. Tran rein, Docht anzünden. 4. Rußt, stinkt, flackert. Aber: 1L Tran = 200h Licht. 1 Kerze = 10h.
Warum vergessen?
1. Petroleum 1859: Sauberer, heller, billiger. Tran stirbt in 20 Jahren. 2. Walfangverbot: Rohstoff weg. 3. Gestank: Tranfunzeln stanken nach totem Fisch. Jeder war froh über Ersatz. 4. Romantik: Kerzen waren Kirche + Adel. Tran war Arme-Leute-Licht = nicht überliefert.
Der krasse Gedanke
Der Norden überlebte mit Fischöl-Licht. 16h Dunkelheit im Winter. Ohne Tran: Keine Netze flicken, keine Geschichten, keine Handarbeit. Depression + Hunger.
Tran war Hoffnung. Stinkende, rußige Hoffnung. Er machte die Polarnacht erträglich.
Inuit brennen heute noch Robbentran in Qulliq-Lampen. 4000 Jahre alte Technik. Funktioniert bei -40°C.
Merksatz
> Es stinkt, es rußt, es macht nicht schön,
> doch ohne Tran – kannst nachts nichts sehn.
> Die Kerze war dem Herrn sein Licht,
> der Tran dem Fischer seine Sicht.
Kurioses: Wieviel Licht gab ein Wal?
Rechenbeispiel „Timmi der Wal“ (Ja provokant um Klicks zu erzeugen, ich gebe es zu ;)
Ein ausgewachsener Grönlandwal lieferte ca. 20-40 Tonnen Speck. Daraus ließen sich etwa 14.000 Liter Tran gewinnen.
Bei einer sparsamen Tranfunzel mit 5ml Verbrauch pro Stunde ergibt das:
- 2.800.000 Stunden Licht
- Oder: 319 Jahre Dauerbeleuchtung für eine Fischerkate
- Oder: Ein Dorf mit 30 Häusern für 10 Winter
Kein Wunder sagten die Walfänger von Föhr bei Sichtung: „Da bläst er!“ – das war der Jackpot.
Anmerkung: Bitte keine Wale mehr jagen. Heute nehmen wir LED. LED ist sauberer, stinkt nicht und erzeugt besseres Licht.