Stickstoff aus Kompost und Urin
Inhaltsverzeichnis
Stickstoff für den Boden
Stickstoff N ist der Motor für Blattwachstum. Ohne Stickstoff kümmern Pflanzen. In der Natur kommt er hauptsächlich durch Verrottung und tierische Ausscheidungen zurück in den Kreislauf.
1. Stickstoff aus Kompost
Kompost liefert Stickstoff langsam und bodenschonend. Entscheidend ist das C/N-Verhältnis.
1. Grünmaterial = Stickstoff: Rasenschnitt, Küchenabfälle, frische Pflanzenreste, Mist.
2. Braunmaterial = Kohlenstoff: Stroh, Laub, Holzhäcksel, Pappe.
3. Regel: Mischungsverhältnis ca. 2 Teile Braun zu 1 Teil Grün. Zu viel Grün → stinkt nach Ammoniak. Zu viel Braun → Rotte dauert ewig.
Fertiger Kompost enthält 0,5–2% Stickstoff. Wirkt über Monate. Ideal als Grundversorgung.
2. Stickstoff aus Urin
Frischer Urin enthält Harnstoff, der im Boden schnell zu Ammonium und Nitrat umgebaut wird. Das ist sofort verfügbarer Stickstoff.
Anwendung:
1. Verdünnung: 1 Teil Urin auf 10 Teile Wasser für Starkzehrer wie Tomaten, Kürbis, Kohl.
2. Dosierung: Max. 1 Liter verdünnte Lösung pro m² und Woche. Mehr verbrennt die Wurzeln.
3. Nicht auf Blattwerk: Immer in den Boden gießen, nicht auf essbare Pflanzenteile.
Ertrag: Ein Erwachsener scheidet pro Jahr Stickstoff für ca. 300–400 m² Gemüsebeet aus. Kostenloser Dünger.
Gefahr!
Urin nur von gesunden Menschen verwenden. Keine Anwendung bei Einnahme von Medikamenten oder bei Erkrankungen. Bei Wurzelgemüse und Salat 4 Wochen vor Ernte stoppen. Nicht unverdünnt ausbringen. Geruch bedeutet Stickstoffverlust. Sofort einarbeiten oder mit Mulch abdecken.}}
3. Historisch: Die Salpeterplantage
Vor der Erfindung des Kunstdüngers um 1910 war Salpeter KNO₃ die einzige Quelle für konzentrierten Stickstoff. Er wurde für Dünger und Schwarzpulver gebraucht.
Prinzip der Salpeterplantage: Man nutzte die natürliche Nitrifikation. Bakterien wandeln Ammoniak aus Fäulnisprozessen mit Sauerstoff langsam zu Nitrat um. Das geschah auf großen, geschützten Haufen aus Erde, Mist, Stroh und Bauschutt. Die Haufen wurden regelmäßig mit Jauche und Urin begossen und vor Regen geschützt.
Nach 1–3 Jahren hatte sich im Material Kalisalpeter angereichert. Dieser wurde mit Wasser ausgelaugt. Die Salpeterplantage war ein anrüchiger, aber wichtiger Beruf bis ins 19. Jahrhundert. Der Salpetersieder hatte oft das Recht, Ställe und Aborte nach salpeterhaltiger Erde zu durchsuchen.
Warum wir das erwähnen: Die Plantage zeigt, wie abhängig Gesellschaften vom natürlichen Stickstoffkreislauf waren. Sie erklärt auch, warum Stallmist und Abortanlagen früher strategische Rohstoffe waren.
Die technische Durchführung, Auslaugung und Reinigung von Salpeter wird in diesem Wiki nicht beschrieben.
4. Jauche als Alternative
Pflanzenjauche aus Brennnesseln oder Beinwell ist die geruchsarme, legale Alternative für den Hausgarten. Ansatz: 1 kg frische Brennnesseln auf 10 L Wasser, 2 Wochen gären lassen, abseihen. Anwendung: 1:10 verdünnt gießen. Liefert Stickstoff und Kieselsäure. Stärkt Pflanzen.