Natürliche Pigmente für Kaseinfarben

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Natürliche Pigmente für Kaseinfarben

Natürliche Pigmente für Kaseinfarben können zum großen Teil selbst aus regionalen Materialien hergestellt werden. Besonders geeignet sind mineralische Erdpigmente aus Lehm, Ton und Eisenoxiden sowie Lackpigmente aus Pflanzen. Diese Pigmente sind lichtecht, ungiftig und harmonieren hervorragend mit dem alkalischen Kaseinbindemittel.

Mineralische Pigmente aus Lehm, Ton und Eisenoxiden

Lehm, Ton und ockerhaltige Erden liefern seit der Steinzeit die stabilsten Pigmente für Kaseinfarben. Sie enthalten natürliche Eisenoxide und andere Mineralien und sind extrem haltbar.

Vorteile:

  • Hohe Licht- und Alkalibeständigkeit (ideal für Kasein)
  • Gute Deckkraft
  • Kostenlos oder sehr günstig vor Ort zu finden

Farbtöne:

  • Gelb/Beige → Gelber Lehm oder Gelber Ocker
  • Rot/Braun → Roter Ton, Roter Ocker, gebrannter Ocker
  • Braun → Umbra oder brauner Lehm
  • Grau/Schwarz → Manganhaltiger Ton oder dunkle Erden

Herstellung aus Lehm oder Ton

  1. Frischen Lehm oder Ton sammeln (aus Baugruben, Flussufern oder Gärten).
  2. Grobe Steine und Wurzeln entfernen, die Erde trocknen lassen.
  3. Fein mahlen (mit Mörser, Steinplatte oder alter Kaffeemühle).
  4. Optional schlämmen: Erde in Wasser aufschwemmen, grobe Teile absinken lassen, feine Trübe abgießen und trocknen. Das ergibt besonders feines Pigment.
  5. Das getrocknete Pulver direkt in den Kaseinleim einrühren.

Tipp: Manche Lehme werden beim Trocknen oder leichten Erhitzen („brennen“) farbintensiver (z. B. gelber Lehm wird rötlicher).

Pflanzen als Pigmentquelle (Lackpigmente)

Pflanzen liefern schöne, aber meist transparentere Farben. Direkte Pflanzenauszüge sind oft nicht alkalibeständig genug für Kaseinfarbe. Besser sind Lackpigmente, bei denen der Farbstoff mit Alaun auf ein unlösliches Trägermaterial gefällt wird.

Geeignete Pflanzen:

  • Gelb/Grün → Goldrute, Kamille, unreife Kreuzdornbeeren, Zwiebelschalen
  • Rot/Pink → Krapp (Wurzel), Färberdistel, Avocadokerne, Rosenblüten
  • Blau/Violett → Waid (selten), Holunderbeeren (mit Zusatz)

Rezept: Lackpigment aus Pflanzen (z. B. Goldrute)

Zutaten (für einen kleinen Ansatz):

  • 100–200 g frisches oder getrocknetes Pflanzenmaterial (z. B. Goldrutenblüten)
  • Ca. 1–2 Liter Wasser
  • 2 Teelöffel Alaun (Kaliumaluminiumsulfat, aus der Apotheke) pro 100 ml Sud
  • 1–2 Teelöffel Natron (oder Soda) zum Neutralisieren
  • Optional: 1–2 EL Kreide, Kieselerde oder Milchzucker als Träger

Zubereitung:

  1. Pflanzenmaterial mit Wasser bedecken, über Nacht einweichen und ca. 1 Stunde leicht köcheln lassen. Sud abseihen.
  2. Sud etwas abkühlen lassen. Alaun einrühren und nochmals kurz erhitzen (nicht kochen).
  3. Mit Natronlösung neutralisieren (pH-Wert ca. 7–8). Das Pigment fällt als farbiger Niederschlag aus.
  4. Über Nacht stehen lassen, dann durch ein Tuch oder Kaffeefilter abfiltern.
  5. Rückstand waschen, auspressen und trocknen lassen. Danach fein mahlen.

Das fertige Lackpigment ist lichtechter als reiner Pflanzenextrakt und lässt sich gut in Kaseinfarbe einarbeiten.

Pigmente in Kaseinfarbe einmischen

Grundrezept für Kaseinleim (Bindemittel):

  • 5 Teile gut ausgepresster Magerquark
  • 1 Teil Sumpfkalk (gelöschter Kalk)

Zubereitung der Farbe:

  1. Kaseinleim anrühren (Quark und Kalk intensiv verrühren, bis eine zähe Masse entsteht).
  2. Pigmentpulver portionsweise einrühren (zuerst wenig, dann mehr). Für höhere Deckkraft kann man zusätzlich etwas Kreide oder Marmormehl zugeben.
  3. Mit Wasser auf streichfähige Konsistenz verdünnen.
  4. Optional: Ein paar Tropfen Wasserglas für mehr Wasserfestigkeit.

Verhältnis: Ca. 1 Teil Bindemittel auf 1–3 Teile Pigmentbrei (je nach gewünschter Deckkraft ausprobieren).

Tipps und Hinweise

  • Immer frisch anrühren – Kaseinfarbe hat begrenzte Haltbarkeit.
  • Pigmente vorher mit wenig Wasser zu einem Brei anrühren (bessere Verteilung).
  • Bei Pflanzenlackpigmenten zuerst testen, ob der Farbton im alkalischen Milieu stabil bleibt.
  • Für Außenanwendungen oder stark beanspruchte Flächen besser mineralische Erdpigmente verwenden.
  • Werkzeuge sofort mit Wasser reinigen.