Solargruben-Still

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Solargruben-Still – Folienmethode zur Wassergewinnung (Pit Solar Still)

Der Solargruben-Still, häufig auch einfach Pit Solar Still, Survival Solar Still oder Folie-Gruben-Methode genannt, zählt zu den bekanntesten und einfachsten Low-Tech-Techniken, um in einer Notsituation Trinkwasser zu gewinnen. Diese Methode nutzt ausschließlich die Energie der Sonne, um Feuchtigkeit aus dem Boden, aus Pflanzen, nasser Kleidung oder sogar Brack- und Salzwasser zu verdunsten und als reines Kondenswasser aufzufangen. Sie ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil fast aller militärischen und zivilen Überlebenshandbücher und wird weltweit als eine der zuverlässigsten Notfall-Lösungen gelehrt.

Die Methode ist keine Erfindung einer einzelnen Person, sondern hat sich über Jahrzehnte aus Beobachtung und Praxis entwickelt. Schon in den 1930er und 1940er Jahren wurde sie in militärischen Überlebenskontexten (besonders bei der britischen und amerikanischen Armee) systematisch beschrieben und getestet – vor allem während des Zweiten Weltkriegs in Wüstenfeldzügen (Nordafrika, Pazifik). Die US Army hat sie in ihren Field Manuals (später FM 21-76 und FM 3-05.70) ab den 1950er Jahren als Standardverfahren aufgenommen. Es gibt also keinen einzelnen „Erfinder“ im klassischen Sinne – sie entstand aus der Notwendigkeit und wurde durch Generationen von Soldaten, Piloten, Seeleute und später Bushcrafter verfeinert und weitergegeben. Der Name „Solar Still“ wurde erst in den 1960er/1970er Jahren populär, als die Technik auch in der zivilen Survival-Literatur (z. B. SAS Survival Handbook von John Wiseman) breit bekannt wurde.

Das Prinzip ist physikalisch sehr einfach und genial zugleich: Die Sonne erwärmt den Boden in der Grube und alles, was darin liegt – feuchte Erde, Pflanzen oder Wasser. Dadurch verdampft die enthaltene Feuchtigkeit, auch wenn der Boden nur leicht feucht ist oder Brackwasser vorhanden ist. Der Wasserdampf steigt auf und trifft auf die Innenseite einer klaren Kunststofffolie, die über die Grube gespannt ist. Die Folie ist kühler als die warme Luft in der Grube (besonders durch leichten Wind oder nächtliche Abkühlung), sodass der Dampf kondensiert und sich als winzige Tropfen an der Unterseite bildet. Diese Tropfen laufen an der Folie entlang nach unten und sammeln sich in der Mitte, wo ein kleiner Stein oder ein Gewicht die Folie in eine trichterförmige Vertiefung drückt. Genau dort steht ein Behälter – ein Becher, eine Dose oder eine Flasche mit abgeschnittener Öffnung –, der das kostbare Kondenswasser auffängt. Das Ergebnis ist nahezu reines destilliertes Wasser: Salze, Schwermetalle, Bakterien, Viren, Pestizide und organische Verunreinigungen bleiben in der Grube zurück.

Der Aufbau ist denkbar einfach und kann mit fast allem improvisiert werden, was man in einer Notsituation findet. Zuerst gräbt man eine Grube von etwa 60 bis 100 Zentimetern Durchmesser und 30 bis 60 Zentimetern Tiefe – je tiefer, desto mehr Volumen für Feuchtigkeit, aber auch schwieriger zu graben. In die Mitte kommt ein stabiler Behälter mit der Öffnung nach oben. Anschließend füllt man die Grube optional mit Material, das Feuchtigkeit abgibt: feuchte Erde oder nasser Sand, grüne Pflanzen und Blätter (die durch Transpiration zusätzliches Wasser liefern), nasse Kleidung, Socken oder ein nasses Tuch. Bei Brack- oder Salzwasser füllt man es einfach ein – das Salz bleibt später als Kristalle zurück. Nun wird eine klare, möglichst glatte und stabile Kunststofffolie (Müllsack, Baufolie, Duschvorhang, große Frischhaltefolie) straff über die Grube gespannt und ringsum mindestens 20 bis 30 Zentimeter überlappend mit Erde, Sand oder Steinen fest angedrückt und abgedichtet – wichtig ist, dass keine Luftlöcher entstehen. In die Mitte der Folie legt man einen kleinen, glatten Stein oder ein anderes Gewicht, sodass die Folie genau über dem Behälter eine nach unten zeigende Trichterform bildet. Idealerweise baut man die Grube morgens auf, lässt sie tagsüber in der Sonne arbeiten und entnimmt das Wasser abends oder am nächsten Morgen.

Es gibt verschiedene Varianten, um die Ausbeute zu steigern. Die klassische Variante nutzt nur feuchte Erde oder Brackwasser. Die Transpirations-Variante – auch Vegetation Solar Still genannt – legt grüne, saftige Pflanzen oder Blätter in die Grube, wodurch die Pflanzen durch Transpiration zusätzliche Feuchtigkeit abgeben und die Menge sich oft verdoppeln kann. Bei Brackwasser-Entsalzung füllt man einfach Salz- oder Brackwasser ein – das Kondensat ist süß und trinkbar, während das Salz als Kristalle zurückbleibt. In absoluter Trockenheit kann man sogar Urin in die Grube gießen – der Wasserdampf wird destilliert, Harnstoff und Salze bleiben zurück.

Die realistische Ausbeute liegt bei guter Sonne und feuchtem Boden bei 0,5 bis 2 Litern pro Grube und Tag. Mit grünen Pflanzen oder Brackwasser können bis zu 3 bis 4 Liter möglich sein. Optimal sind Temperaturen über 25–30 °C, 8 bis 10 Stunden direkte Sonne und hohe Bodenfeuchtigkeit. Bei Bewölkung, starker Trockenheit oder Kälte sinkt die Ausbeute jedoch dramatisch auf 100–300 ml oder sogar null.

Die Methode hat enorme Vorteile: Sie benötigt nur Folie, Grube und Behälter – alles lässt sich improvisieren. Sie ist komplett stromlos, wartungsfrei und benötigt keine Chemikalien. Sie reinigt fast alles: Salze, Metalle, Keime, Chemikalien. Deshalb ist sie ideal als Notfall- oder Backup-Methode in Wüste, Strand, Überlebenssituation oder bei verseuchtem Wasser.

Allerdings hat sie auch klare Grenzen. Die Ausbeute ist sehr niedrig und reicht meist nur für eine Person oder als Ergänzung. Sie ist stark wetterabhängig – ohne Sonne kein Wasser. Die Folie muss absolut dicht und sauber sein – Schmutz auf der Außenseite kann das Kondensat verunreinigen. Das destillierte Wasser ist mineralarm, weshalb man es langfristig remineralisieren sollte (eine Prise Salz, ein Mineralstein oder Mischung mit anderem Wasser). Hygiene ist entscheidend: Behälter und Folie müssen sauber sein, sonst können Keime ins Wasser gelangen. Bei Brackwasser können Salzkrusten die Folie verkleben oder beschädigen – hier hilft regelmäßiges Nachsehen.

In der Praxis sollte man die Folie möglichst glatt und klar wählen (keine milchige oder matte Folie), die Grube möglichst groß machen (mehr Fläche bedeutet mehr Verdunstung), morgens bauen, tagsüber Sonne nutzen und abends Wasser entnehmen. Mehrere Gruben nebeneinander erhöhen die Gesamtausbeute deutlich.

Die Methode ist seit mindestens dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert und wurde in den 1950er–1970er Jahren in Militärhandbüchern standardisiert. Heute ist sie in fast allen Überlebenshandbüchern Standard und wird in unzähligen YouTube-Tutorials gezeigt.

Quellen:

  • US Army Field Manual FM 21-76 / FM 3-05.70: Survival
  • SAS Survival Handbook (John Wiseman)
  • Bushcraft 101 (Dave Canterbury)
  • Diverse Survival- und Permakultur-Foren (Bushcraft.de, Survival-Kompass)
  • YouTube-Tutorials (Suchbegriffe: „solar still pit“, „Folie Grube Wasser“, „Pit Solar Still“)