Watercone Konisches Solar-Destillationsgerät

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Watercone – Konisches Solar-Destillationsgerät (Solar Still)

Der Watercone (auch Watercone®) ist ein patentiertes, passives Solar-Destillationsgerät (Solar Still), das Brackwasser, Salzwasser oder verschmutztes Wasser durch reine Sonneneinstrahlung in destilliertes Trinkwasser umwandelt. Es wurde Anfang der 2000er Jahre entwickelt und gilt als eine der einfachsten und transportabelsten Lösungen für dezentrale Trinkwassergewinnung in wasserarmen Regionen, Katastrophengebieten, Booten oder autarken Off-Grid-Setups.

Das Gerät hat die Form eines transparenten, konischen Trichters, der an ein Verkehrshütchen erinnert, mit einem nach innen gekrempelten/gefalteten ringförmigen Sammelrand am unteren Ende, in dem das Kondenswasser aufgefangen wird.

Geschichte und Hintergrund des Erfinders

Der Erfinder ist der deutsche Industriedesigner Stephan Augustin (geboren um 1968, Stand 2026 ca. 58 Jahre alt). Augustin war hauptberuflich als Designer bei BMW tätig und beschäftigte sich in seiner Freizeit mit „ethischen Herausforderungen“ und einfachen Lösungen für globale Probleme.

Die Idee entstand Ende der 1990er Jahre während eines Urlaubs auf den Kanarischen Inseln. Augustin beobachtete dort die extreme Wasserknappheit, die hohen Kosten für Entsalzungsanlagen und die Abhängigkeit von teuren, energieintensiven Systemen. Er stellte sich die Frage, warum es keine einfache, dezentrale, stromlose und günstige Lösung für Einzelpersonen, Familien oder kleine Gruppen gibt.

Nach seiner Rückkehr nach München begann er in seiner Freizeit mit ersten Skizzen, thermodynamischen Berechnungen, Prototypen und Tests. Es dauerte mehrere Jahre intensiver Entwicklungsarbeit, bis der erste funktionsfähige Watercone entstand. Das Gerät wurde weltweit patentiert (Patentanmeldung ca. 2001–2002) und erstmals 2002/2003 öffentlich vorgestellt.

Augustin gründete später die Augustin Produktentwicklung und arbeitete mit Partnern wie Zeltec Engineering GmbH und ab 2008 mit MAGE Water Management GmbH zusammen, die Produktion und Vertrieb lizenzierten.

Das Design gewann mehrere renommierte internationale Preise, darunter:

  • iF Design Award (einer der weltweit wichtigsten Designpreise)
  • IDEA Award 2003 der Industrial Designers Society of America (IDSA)
  • Kyoto World Water Grand Prize (2009 in Istanbul)
  • National Energy Globe Award (2008 in Brüssel)

Das Gerät wurde in renommierten Sammlungen (z. B. MoMA New York) ausgestellt und in Medien wie GEO, Stern und internationalen Design-Magazinen als brillantes Beispiel für „back to basics“-Problemlösung gefeiert.

Offizielle Webseite

Die ursprüngliche und bis heute referenzierte Webseite ist:

Stand März 2026 ist die Seite jedoch nur noch teilweise aktiv oder archiviert (oft nur Produkt- und Kontaktseiten erreichbar). Für aktuelle Informationen, Preise oder Verfügbarkeit wird empfohlen, den Erfinder oder Lizenznehmer direkt zu kontaktieren:

  • E-Mail: stephan@augustin.net
  • oder MAGE Water Management GmbH (Lizenznehmer seit 2008)

Aufbau & Funktionsweise

  • Material: Transparentes, UV-beständiges Polycarbonat (Makrolon), schwarz eingefärbte Bodenpfanne (aus recyceltem Material).
  • Maße: Ca. 80 cm Durchmesser unten, Höhe ca. 30 cm, sehr leicht und tragbar.
  • Funktionsprinzip:
 # Das Gerät über eine flache Pfütze Brack-/Salzwasser, feuchten Boden oder eine schwarze Pfanne stellen.
 # Sonne erwärmt das Wasser → Verdunstung.
 # Wasserdampf steigt auf und kondensiert an der kühleren Innenseite des Kegels.
 # Tropfen laufen an der Innenwand nach unten und sammeln sich im ringförmigen, nach innen gekrempelten Sammelrinnen am unteren Rand.
 # Zum Entleeren: Gerät umdrehen, Schraubverschluss an der Spitze öffnen → destilliertes Wasser ausgießen.

Kein Strom, keine beweglichen Teile, keine Membranen oder Filter, die gewechselt werden müssen.

Leistung

  • Durchschnittliche Ausbeute: 1–1,4 Liter pro Tag und Einheit (bei 8–10 Stunden direkter Sonne, 30–35 °C, brackigem Wasser).
  • Theoretische Basis: Verdunstungsrate von ca. 8–9 Litern/m²/Tag unter optimalen Bedingungen.
  • Effizienz: 40–60 % der eingestrahlten Solarenergie wird in Trinkwasser umgewandelt (höher als bei vielen flachen Solar Stills).

Vorteile

  • Extrem einfach, wartungsfrei und robust (Lebensdauer 3–5 Jahre, auch bei Trübung noch als Regenfänger nutzbar).
  • Leicht, stapelbar und transportabel (ideal für Rucksack, Boot, Notfallkit, Katastrophenhilfe).
  • Entfernt Salze, Bakterien, Viren, Schwermetalle und organische Schadstoffe durch reine Destillation.
  • Günstig in der Massenproduktion (geplante Stückpreise unter 20 €).
  • Keine Chemikalien oder Energie nötig.

Risiken & Nachteile

  • Niedrige Tagesausbeute → für eine Familie mehrere Einheiten nötig.
  • Nur bei direkter Sonne effektiv (Wolken, Nacht, Winter: fast null Ausbeute).
  • Destillat ist mineralarm → langfristig remineralisieren (z. B. Spur Meersalz, Mineralstein oder Mischung mit normalem Wasser).
  • Keine Massenproduktion / begrenzte Verfügbarkeit (Stand 2026 nur vereinzelt erhältlich).
  • Außenseite kann verschmutzen (Staub, Vogelkot) → Kondensat verunreinigen → regelmäßig abwischen.
  • Psychologischer Faktor: Reines Destillat schmeckt „flach“.

Wiederverwendung & Ergänzungen

  • Kombinierbar mit Grauwasser-Verdunstung (z. B. Grauwasser in flache Pfanne unter dem Cone stellen).
  • DIY-Nachbau möglich mit transparenter Folie, Polycarbonat-Platten oder 3D-Druck (Formen frei verfügbar in Foren).
  • Für höhere Ausbeute: Mehrere Cones nebeneinander oder größere konische/hemisphärische Varianten.

Quellen