Wassergewinnung aus Nebel mit Nebelnetzen

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Wassergewinnung aus Nebel mit Nebelnetzen

Kurzbeschreibung

Die Wassergewinnung aus Nebel nutzt feinmaschige Netze, um Wassertröpfchen aus feuchter Luft (Nebel) zu kondensieren und zu sammeln. Diese Methode ist energiearm, wartungsarm und besonders für nebelreiche Regionen geeignet. Sie wird weltweit als robuste Low-Tech-Lösung für autarke Wasserversorgung eingesetzt.

Grundprinzip

Nebel besteht aus mikroskopisch kleinen Wassertröpfchen, die vom Wind transportiert werden. Trifft der Nebel auf ein senkrecht gespanntes Netz, bleiben die Tröpfchen an den Fasern haften, verbinden sich zu größeren Tropfen und laufen durch die Schwerkraft nach unten. Dort werden sie in einer Sammelrinne aufgefangen und in Behälter oder Tanks geleitet. Je rauer die Oberfläche des Netzes, desto höher ist die Wasserabscheidung.

Voraussetzungen

Für einen erfolgreichen Einsatz von Nebelnetzen sind folgende Bedingungen wichtig:

regelmäßiges Auftreten von Nebel oder Wolkenkontakt

leichte bis mittlere Windbewegung

freie Anströmung ohne Hindernisse vor dem Netz

günstige Topografie, z. B. Bergrücken, Hänge oder Küstenlagen

Geeignete Regionen

Nebelnetze funktionieren besonders gut in Küstenregionen mit kalten Meeresströmungen, in Gebirgs- und Hochlandlagen sowie in Passatwindzonen. Bekannte Praxisbeispiele existieren unter anderem in der Atacama-Wüste sowie in internationalen Projekten der Organisation FogQuest.

Ertrag

Der Wasserertrag hängt stark von Standort, Netztyp und Wetterbedingungen ab. Typische Werte sind:

durchschnittlich 5–15 Liter Wasser pro Quadratmeter Netzfläche und Tag

bei optimalen Bedingungen deutlich höhere Erträge

ein Netz mit 40 m² Fläche kann 200–600 Liter Wasser pro Tag liefern

Wasserqualität

Das aus Nebel gewonnene Wasser ist in der Regel sehr sauber, da es aus der Atmosphäre kondensiert. Dennoch können enthalten sein:

Staubpartikel

Mikroorganismen

Vogelkot oder Insekten bei ungünstiger Platzierung

Für Trinkwassernutzung wird empfohlen:

eine einfache Vorfiltration

bei Bedarf zusätzliche Aufbereitung, z. B. langsamer Sandfilter oder Pasteurisierung

DIY: Einfaches Nebelnetz selbst bauen

Material

Für ein einfaches Nebelnetz werden benötigt:

Raschel-Netz oder feinmaschiges Kunststoffnetz (Maschenweite 1–2 mm)

zwei stabile Holzpfosten oder Metallrohre

eine Querstrebe

UV-beständige Schnur oder Kabelbinder

eine Regenrinne oder ein halbiertes PVC-Rohr

ein Schlauch

ein Sammelbehälter (Kanister, Fass oder Tank)

Werkzeug wie Hammer, Schrauben und ggf. Bohrer

=Abmessungen (Beispiel)

Ein gutes Einsteigerformat ist:

Netzfläche: 2 m × 3 m (6 m²)

Unterkante des Netzes: 30–50 cm über dem Boden

Ausrichtung: senkrecht zur Hauptwindrichtung

Bauanleitung

Zuerst werden die Pfosten stabil im Boden verankert (mindestens 50–70 cm tief). Anschließend wird die Querstrebe montiert und das Netz straff zwischen den Pfosten befestigt. Die Unterkante des Netzes sollte leicht nach vorne geneigt sein. Direkt darunter wird die Regenrinne angebracht. An die Rinne wird ein Schlauch angeschlossen, der das Wasser in den Sammelbehälter leitet. Der Behälter sollte schattig stehen, um Algenbildung zu vermeiden.

Tipps zur Optimierung

Zwei Netze hintereinander mit 50–100 cm Abstand erhöhen den Ertrag.

Rauere Netze fangen mehr Wasser als glatte.

Regelmäßige Reinigung verbessert die Leistung.

UV-stabile Materialien verlängern die Lebensdauer.

Vorteile

kein Strombedarf

sehr geringer Wartungsaufwand

modular und skalierbar

ideal für autarke und resiliente Systeme

bewährte Technik mit jahrzehntelanger Praxiserfahrung

Grenzen

stark abhängig von lokalen Nebelbedingungen

kein kontinuierlicher Wasserfluss

Netze altern durch UV-Strahlung (typische Lebensdauer 5–10 Jahre)

Einbindung in autarke Systeme

Nebelnetze eignen sich hervorragend als ergänzende Wasserquelle in autarken Systemen. Sie können zur Bewässerung, zur Trinkwassergewinnung nach Aufbereitung oder als Redundanz in Off-Grid-Konzepten eingesetzt werden. Besonders effektiv sind sie in Kombination mit Regenwassersammlung, Zisternen und natürlichen Filtersystemen.

Weiterführende Hinweise

Die Wassergewinnung aus Nebel ist ein klassisches Beispiel für robuste Low-Tech-Lösungen, die mit minimalem Ressourceneinsatz einen hohen Nutzen bieten und sich gut an lokale Gegebenheiten anpassen lassen.