SALZSÄURE
Inhaltsverzeichnis
Säuren
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SALZSÄURE – DIE MÄCHTIGSTE SÄURE IM HAUSHALT
Salzsäure HCl ist gelöstes Chlorwasserstoffgas in Wasser. Eine der stärksten Säuren überhaupt. Frisst Kalk, Rost und Fleisch.
Wie wird Salzsäure industriell hergestellt?
Heute gibt es 3 Hauptwege. 90% kommen aus Weg 1:
1. Direktsynthese – Verbrennung von Chlor und Wasserstoff
Das Hauptverfahren seit 1900:
H₂ + Cl₂ → 2 HCl
1. Chlor und Wasserstoff fallen als Nebenprodukte bei der Chloralkali-Elektrolyse an. Kochsalzlösung wird mit Strom zerlegt. 2. Verbrennung: H₂ und Cl₂ werden in einem Brenner gezündet. Blaue Flamme. Es entsteht reines Chlorwasserstoffgas HCl. 3. Absorption: Das HCl-Gas wird in Wasser eingeleitet. Löst sich extrem gut. Bei 20°C lösen sich 720g HCl in 1L Wasser. 4. Ergebnis: Technische Salzsäure mit 30-33% HCl. "Rauchende Salzsäure" über 37% raucht an Luft, weil HCl-Gas entweicht.
Vorteil: Sehr rein. Kaum Verunreinigungen.
2. Nebenprodukt bei Chlorierungen
Der größte Teil der Weltproduktion:
Bei der Herstellung von Kunststoffen, Lösemitteln, PVC entsteht HCl als Abfallprodukt.
Beispiel PVC: C₂H₄ + Cl₂ → C₂H₄Cl₂ → C₂H₃Cl + HCl Ethylen + Chlor → Vinylchlorid + Salzsäure
Vorteil: Billig. Entsorgt ein Abfallprodukt. Nachteil: Oft verunreinigt mit Organik. Muss gereinigt werden.
3. Sulfatverfahren – Die alte Methode
Historisch bis ~1950, heute kaum noch:
NaCl + H₂SO₄ → NaHSO₄ + HCl↑ Kochsalz + Schwefelsäure → Natriumhydrogensulfat + Chlorwasserstoffgas
Das Gas wurde in Wasser geleitet. "Salzgeist" nannte man das früher. Nachteil: Energieintensiv, korrosiv, veraltet.
Wie stark ist Salzsäure?
- Magensäure: 0,5% HCl. Verdaut dein Steak.
- Baumarkt: 20-25% HCl. "Salzsäure technisch". Entfernt Zementschleier, Urinstein.
- Labor: 37% HCl = "rauchende Salzsäure". Höchste handelsübliche Konzentration.
- pH-Wert: 10% HCl hat pH -1. Negativ, weil so stark.
Wofür verwendet man Salzsäure?
1. Kalk- und Rost-Killer
- Zementschleier: Nach dem Fliesenlegen. Löst Kalk sofort auf. 1:10 verdünnen.
- Urinstein, Kesselstein: In WCs, Wasserkochern. Stärkste Entkalker-Waffe.
- Rost: Wandelt Eisenoxid in Eisenchlorid um. Blankes Metall bleibt.
2. Industrie
- Stahlbeizen: Entfernt Zunder von Stahl vor dem Verzinken.
- pH-Regulierung: In Schwimmbädern, Abwasseranlagen.
- Lebensmittel: E507 als Säuerungsmittel. Gelatine-Herstellung.
3. Labor & Chemie
- Aufschluss: Löst Metalle, Mineralien für Analysen.
- Synthese: Ausgangsstoff für unzählige Chloride.
Was Salzsäure NICHT darf – Lebensgefahr
NIEMALS MIT CHLORBLEICHE MISCHEN!
HCl + NaClO → Cl₂↑ + H₂O + NaCl
Salzsäure + DanKlorix = Chlorgas. Gelbgrün, tödlich. 1 Atemzug kann Lungenödem auslösen.
Materialschäden:
- Zerstört: Marmor, Kalkstein, Beton, Emaille, Zink, Aluminium. Löst sich unter Schäumen auf.
- Metalle: Frisst unedle Metalle unter Wasserstoffbildung. Knallgas-Gefahr!
- Haut/Augen: Schwere Verätzungen. Bei >10% irreversibel.
Sicherheit
- Schutzbrille + Säurehandschuhe: Pflicht ab 5%. Spritzer machen blind.
- Immer Säure ins Wasser: Nie umgekehrt. "Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure." Spritzgefahr!
- Lüften: HCl-Dämpfe ätzen Lunge und Zähne.
- Lagerung: Kunststoffkanister, nie Metall. Dämpfe lassen alles rosten.
- Neutralisieren: Verschüttetes mit viel Natron oder Kalk abstreuen, nicht mit Wasser spülen.
Kurz gesagt: Salzsäure wird heute durch Verbrennung von H₂ und Cl₂ hergestellt. Nebenprodukt der PVC-Produktion. Stärkste Entkalker-Säure im Haushalt. Löst Kalk, rostet Metall, verätzt Haut. Nie mit Chlorbleiche mischen.
