Knochenmehl und Asche: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AutarkWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
K (Schützte „Knochenmehl und Asche“ ([Bearbeiten=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt) [Verschieben=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt)))
 
Zeile 5: Zeile 5:
 
[[Datei:Der-Knochen-als-Rohstoff.png|600px|rechts|Der-Knochen-als-Rohstoff ]]
 
[[Datei:Der-Knochen-als-Rohstoff.png|600px|rechts|Der-Knochen-als-Rohstoff ]]
 
==Siehe auch:==
 
==Siehe auch:==
  [[Der Knochen als Rohstoff]]
+
  [[Der kleine Alchemist]]
  [[Knochen]]
+
├─ [[Der Knochen als Rohstoff]]
  [[Knochenleim]]
+
|  └─ [[Knochen]]
  [[Knochenkohle]]
+
  ├─ [[Knochenleim]]
  [[Holzkohle]]
+
  ├─ [[Knochenkohle]]
  [[Knochenmehl und Asche]]
+
|  └─ [[Holzkohle]]
  [[Phosphor]]
+
  |    └─ [[Vergleich Knochenkohle und Aktivkohle]]
 +
├─ [[Knochenmehl und Asche]]
 +
|  └─ [[Phosphor]]
 +
├─ [[Knochenfett und Öl]]
 +
└─ [[Werkstoff Knochen]]
 +
 
 
== Knochenmehl & Knochenasche – Dünger für den Bauern, Porzellan für die Kaiserin ==
 
== Knochenmehl & Knochenasche – Dünger für den Bauern, Porzellan für die Kaiserin ==
  

Aktuelle Version vom 26. April 2026, 09:10 Uhr

Der-Knochen-als-Rohstoff

Siehe auch:

Der kleine Alchemist
├─ Der Knochen als Rohstoff
|  └─ Knochen
├─ Knochenleim
├─ Knochenkohle
|  └─ Holzkohle
|     └─ Vergleich Knochenkohle und Aktivkohle
├─ Knochenmehl und Asche
|  └─ Phosphor
├─ Knochenfett und Öl
└─ Werkstoff Knochen

Knochenmehl & Knochenasche – Dünger für den Bauern, Porzellan für die Kaiserin

Was übrig bleibt, wenn Leim und Kohle raus sind: Das weiße Gold der Felder.

Was ist Knochenmehl? – Der Dünger der Industrialisierung

Nach dem Entleimen und Entfetten bleibt das Knochengerüst. Grob gemahlen = Knochenmehl. Fein gemahlen = Knochenschrot. Verbrannt = Knochenasche.

Hauptinhalt: 30% Phosphorsäure + 45% Kalk. Übersetzt: Futter für Pflanzen. Futter für Knochen.

Das Rezept – Vom Abfall zum Acker

Produkt Herstellung Verwendung 1900 Verwendung Heute
Entleimtes Knochenmehl Knochen kochen → Leim raus → Rest trocknen + mahlen Hauptdünger für Rüben, Kartoffeln, Getreide Bio-Dünger, Hundefutter-Zusatz
Dampf-Knochenmehl Knochen mit Dampf 4-6h unter Druck aufschließen Besser pflanzenverfügbar. Der "Turbo-Dünger" Kaum noch. Zu teuer
Knochenasche Entleimtes Mehl weiß glühen bis alle Kohle weg ist Porzellan, Glas, Knochenleim-Bindemittel Knochenporzellan, Spezialgläser

Warum das funktioniert – Justus von Liebig hatte Recht

Liebig 1840: Pflanzen brauchen NPK. N = Stickstoff. P = Phosphor. K = Kalium. Knochen liefert P + K + Kalk. Der Rest kommt aus Stallmist.

1 Tonne Knochenmehl = Dünger für 10 Morgen Acker.
1 Tonne Knochenmehl = 30% mehr Kartoffeln.
Darum sammelte jedes Dorf die Knochen. Kein Witz.

Was die Schautafel dazu sagt

Rechte Spur der Tafel von 1920:
Knochenmehl entleimt → Dünger
Knochenasche → Porzellan, Gläser

Fakt: Vor 1914 ging 80% aller deutschen Knochen in den Acker. Piesteritz bei Wittenberg machte daraus Superphosphat. Das war BASF-Stickstoff vor dem Stickstoff.

Knochenporzellan – Der Luxus-Trick

Englisches Bone China = 50% Knochenasche + 25% Kaolin + 25% Feldspat
Warum? Knochenasche macht Porzellan:

1. Weißer als weiß: Licht scheint durch. "Transluzent" 2. Härter: Klirrt hoch wenn du dran schnippst 3. Leichter: Dünnwandig trotz Stabilität

Merksatz: "Dein Oma-Kaffeeservice ist ein Kuh-Friedhof. Aber ein edler ;)"

Experiment: Der Phosphor-Nachweis

Vorsicht, nur Theorie für Erwachsene!
Knochenasche + Sand + Kohle im Reagenzglas glühen → es riecht nach Knoblauch.
Das ist Phosphor-Dampf. Giftig. Nicht nachmachen.
Aber: So entdeckte Hennig Brand 1669 den Phosphor. Aus Urin. Knochen ist sauberer.

Sicheres Experiment:
Knochenasche in Essig. Es schäumt. Das ist Kalk. Der gleiche wie in Eierschalen.

Die Kreislauf-Wirtschaft von 1920

1 Rind = 200 kg Knochen
→ 50 kg Leim → Bücher, Möbel
→ 100 kg Kohle → Zucker, Filter
→ 50 kg Mehl/Asche → Brot, Porzellan
= 0 kg Abfall. 100% Gewinn.

Heute: 50% der Knochen werden entsorgt. Verbrannt. Das ist die eigentliche Verschwendung.

Ein Feld ohne Knochenmehl = halbe Ernte.
Eine Tasse ohne Knochenasche = dicke Keramik.
Die Alchemisten seiner Zeit kannten den Trick: Erst Leim, dann Kohle, dann Asche.
In der Reihenfolge liegt der Gewinn.