Imkerprinzipien: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 4. April 2026, 08:35 Uhr

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Siehe:

HowtopediaBeekeeping Principles
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Einleitung

Honig hat eine lange und bedeutende Geschichte in der menschlichen Ernährung. Seit Tausenden von Jahren plündern Honigjäger die Nester wilder Bienen, um an den kostbaren Honig und das Bienenwachs zu gelangen – eine Praxis, die bis heute weit verbreitet ist.

Die am weitesten verbreitete Honigbiene ist die Europäische Apis mellifera, die inzwischen weltweit eingeführt wurde. Das tropische Afrika besitzt eine einheimische Apis mellifera, die etwas kleiner ist als die europäische und eher dazu neigt, vom Wabenbau wegzufliegen und zu stechen. Sie verlassen ihre Nester auch eher, wenn sie gestört werden, und in manchen Regionen wandern die Völker saisonal.

In Asien gibt es drei Hauptarten tropischer Bienen: Apis cerana, Apis dorsata und Apis florea. Nur Apis cerana lässt sich in Beuten halten. Die einzelnen Waben der beiden anderen Arten werden von Honigjägern gesammelt.

In jedem Bienenvolk gibt es drei verschiedene Bienentypen: eine Königin, die Drohnen und die Arbeiterinnen. Die Aufgabe der Königin besteht darin, Eier zu legen – bis zu mehrere Hundert pro Tag. Aus diesen Larven entwickeln sich je nach Behandlung durch die Arbeiterinnen Drohnen, Arbeiterinnen oder neue Königinnen. Drohnen sind die einzigen männlichen Bienen im Stock. Ihre einzige Aufgabe ist die Paarung mit einer jungfräulichen Königin außerhalb des Stocks. Nach der Paarung sterben sie. Sie haben keinen Stachel, sammeln keinen Pollen, können kein Wachs produzieren und werden bei Nahrungsknappheit aus dem Stock vertrieben.

Die ausschließlich weiblichen Arbeiterinnen machen etwa 98 % des Volkes aus und erledigen fast die gesamte Arbeit. Sie bringen Wasser, Pollen, Nektar und Propolis (Bienenkitt) in den Stock. Einige bewachen den Eingang, andere säubern, bauen Waben, pflegen die Brut und regulieren die Temperatur im Stock. Bei Kälte erzeugen sie durch Honigverzehr Wärme, bei Hitze kühlen sie den Stock durch Flügelfächeln. Ihre Beine sind mit Pollenkörbchen ausgestattet, und am Hinterleib befinden sich Drüsen zur Wachsproduktion. Arbeiterinnen haben einen Stachel, sterben aber meist nach dem Stechen.

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Abbildung 1: Ausrüstung und Schutzkleidung

Ein Bienennest besteht aus parallel angeordneten Waben aus Bienenwachs. Jede Wabe enthält Reihen sechseckiger Zellen, die Honig, Pollen oder sich entwickelnde Brut (Larven) enthalten. Damit die Bienen gedeihen und Honig produzieren können, benötigen sie ausreichend Nektar, Pollen und Wasser.

Die Waben sind gleichmäßig angeordnet und an der Decke des Nestes befestigt. Der Abstand zwischen den Wabenflächen wird als Bienenraum (bee space) bezeichnet. Er beträgt normalerweise 6 bis 9 mm und ist entscheidend für die optimalen Bedingungen im Nest. Dieser Raum ist gerade groß genug, dass die Bienen auf den Waben laufen und arbeiten können, ohne dass die optimale Nesttemperatur beeinträchtigt wird.

Bienenraum, Wabenabmessungen und Nestvolumen variieren je nach Rasse und Art der Honigbiene. Der Bienenraum ist ein entscheidender Faktor bei der Verwendung von Bienenausrüstung. Bienen lassen sich mit ungeeigneter Größe nicht effizient halten. Achtung! Die meisten handelsüblichen Geräte sind auf die Maße der europäischen Biene ausgelegt.

Bienen benötigen Nahrung und Wasser. In Trockenperioden muss der Imker möglicherweise nachfüttern. Grundsätzlich sollte man mit den vor Ort vorhandenen Bienen, Techniken und Geräten beginnen, da diese bereits an die lokalen Bedingungen angepasst sind.

Ausrüstung

Die meisten Geräte für die Imkerei im kleinen Maßstab können auf Dorfebene hergestellt werden. Es kann sinnvoll sein, grundlegende Ausrüstung zu importieren, um sie als Prototyp für lokale Handwerker zu nutzen. Für größere Betriebe werden einige Spezialgeräte wie Honigablaufhähne, Filtergewebe und Messgeräte zur Honigqualitätsbestimmung benötigt.

Rauchgerät (Smoker) Der Imker verwendet einen Smoker, um kühlen Rauch zu erzeugen und die Bienen zu beruhigen. Er besteht aus einer Brennkammer mit glimmendem Brennmaterial (z. B. getrockneter Kuhdung, Sackleinen oder Pappe) und einem Blasebalg. Vor dem Öffnen der Beute wird etwas Rauch am Eingang abgegeben. Die Bienen werden sanft mit Rauch bewegt.

Schutzkleidung Ausreichende Schutzkleidung gibt Anfängern Sicherheit. Erfahrene Imker empfinden zu viel Schutzkleidung jedoch oft als hinderlich, da sie das sanfte Arbeiten erschwert und sehr warm ist. Tragen Sie beim Umgang mit Bienen immer weiße oder helle Kleidung – Bienen stechen dunkle Kleidung deutlich häufiger. Besonders wichtig ist der Schutz von Gesicht, Augen und Mund. Ein breitkrempiger Hut mit Schleier reicht oft aus. Alle Kleidungsstücke müssen stichfest sein und an den Übergängen bienendicht abschließen. Gummibänder verhindern, dass Bienen in Hosenbeine oder Ärmel kriechen. Manche Imker schützen die Hände, indem sie Plastiktüten über die Hände ziehen und mit Gummibändern am Handgelenk befestigen.

Beutenwerkzeug (Hive Tool) Das Beutenwerkzeug ist ein praktisches Metallstück zum Auseinanderhebeln von Beutenteilen, Abkratzen von Wachsresten, Lösen von Rähmchen usw. Es kann aus Flachstahl hergestellt werden. Oft werden auch Schraubendreher verwendet. Ein altes Messer kann notfalls genutzt werden, ist aber meist zu biegsam und bietet zu wenig Hebelwirkung.

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Abbildung 2: Kenia-Top-Bar-Beute

Diese Beute eignet sich gut für afrikanische Bienen, muss aber für asiatische oder europäische Bienen möglicherweise angepasst werden. Geeignet ist jedes Holz, das sonnen- und regenbeständig ist und sich nicht verzieht. (Zeichnung aus Beekeeping for Beginners (1989) mit freundlicher Genehmigung von GRATIS)

Die 27 Oberleisten müssen ohne Spalte oder Lücken passen.

Bienenkästen (Beuten)

Eine Beute ist jeder Behälter, der Honigbienen zum Nisten zur Verfügung gestellt wird. Ziel ist es, die Bienen dazu zu bringen, ihr Nest so zu bauen, dass der Imker es leicht pflegen und nutzen kann.

Traditionelle Beuten Sie werden aus lokal verfügbaren Materialien hergestellt: ausgehöhlte Baumstämme, zu Zylindern geformte Rinde, Tontöpfe, geflochtenes Gras oder Schilf. Sie dienen dazu, Bienen an einem für den Imker zugänglichen Ort zum Nisten zu bewegen.

Die Bienen bauen ihr Nest im Inneren des Behälters, genauso wie in einer natürlichen Höhlung. Der Imker erntet schließlich Honig und Wachs. Je nach Geschick des Imkers können dabei Bienen getötet werden. Wird das Volk zerstört, bleibt die Beute eine Zeit lang leer. Bei ausreichend vielen Bienenvölkern in der Umgebung kann ein Schwarm die leere Beute beziehen.

Traditionelle Imker besitzen oft 200 Beuten und rechnen damit, dass nur ein Teil davon gleichzeitig belegt ist.

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Abbildung 3: Honigschleudern

Bewegbare Rähmchenbeuten Diese Beuten werden in industrialisierten Ländern und in einigen Ländern des Südens (z. B. Mexiko, Brasilien) eingesetzt, wo die Imkerei ein bedeutender Wirtschaftszweig ist. Ziel ist es, bei möglichst geringer Störung des Volkes die maximale Honigernte zu erzielen.

Die rechteckigen Holz- oder Kunststoffrähmchen bieten zwei große Vorteile:

  • Sie ermöglichen eine einfache Kontrolle und Bearbeitung der Völker.
  • Sie erlauben eine sehr effiziente Honigernte, da die Waben in den Rähmchen entleert und wieder in die Beute zurückgehängt werden können.

Rähmchenbeuten müssen präzise gebaut werden. Die Rähmchen befinden sich in Kästen, die übereinandergestapelt werden. Oft wird ein Königinnen-Absperrgitter verwendet, um die Brut in den unteren Kästen zu halten. Die oberen Kästen enthalten dann nur Honig.

Intermediate-Technology-Beuten (Top-Bar-Beuten) Diese Beuten verbinden die Vorteile von Rähmchenbeuten mit niedrigen Kosten und lokaler Herstellbarkeit. Die Beute besteht aus einem Behälter mit einer Reihe von Oberleisten (Top Bars), auf denen die Bienen ihre Waben bauen. Die Oberleisten ermöglichen es, einzelne Waben herauszunehmen.

Die Oberleisten müssen präzise gearbeitet sein, damit der Abstand der Waben dem natürlichen Bienenraum entspricht. Als grobe Richtwerte gelten:

  • Europäische Apis mellifera: 35 mm breite Leisten
  • Afrikanische Apis mellifera: 32 mm
  • Asiatische Apis cerana: 30 mm

Die beste Methode ist, den Abstand in einem wilden Nest der gleichen Bienenart zu messen.

Einstieg in die Imkerei Eine gute Methode, besonders in Afrika, ist das Ködern einer leeren Beute, um einen Schwarm anzulocken. Die Beute kann innen mit Bienenwachs oder Lavendel eingerieben oder mit etwas Zucker bzw. Maniokpulver versehen werden. Auch etwas Honig auf den Oberleisten wirkt anlockend.

Eine weitere Möglichkeit ist die Übernahme eines Wildvolkes. Die vorhandenen Waben werden vorsichtig an die Oberleisten gebunden – dabei müssen Brutwaben und Königin mit übertragen werden.

Der beste Einstieg ist jedoch die Unterstützung durch einen erfahrenen lokalen Imker.

Ernte von Honig und Bienenwachs

Honig wird am Ende der Blütezeit geerntet. Der Imker wählt Waben aus, die mit reifem Honig gefüllt und mit einer feinen weißen Wachsschicht verdeckelt sind. Waben mit Pollen oder Brut bleiben unberührt.

Ernte der Waben Die Ernte sollte abends oder frühmorgens erfolgen. Sanftes Vorgehen ist entscheidend.

  • Schutzkleidung anlegen
  • Smoker, Bürste oder Feder, Messer oder Beutenwerkzeug und einen rostfreien Behälter bereitlegen
  • Smoker anzünden und einige Minuten Rauch am Stock abgeben
  • Deckel öffnen
  • Oberleisten abklopfen, um volle Waben zu erkennen (sie klingen schwerer)
  • Erste Leiste vorsichtig entfernen
  • Rauch in den Spalt geben, um die Bienen zur anderen Seite zu treiben
  • Nur verdeckelte oder teilweise verdeckelte, schwere Waben entnehmen
  • Bienen mit Bürste oder Feder zurück in die Beute streichen
  • Wabe abschneiden und ca. 2 cm Rest für den Neubau stehen lassen
  • Brutwaben (dunkel, mit Pollen) unberührt lassen

Honiggewinnung Die Waben können als Scheibenhonig verkauft oder der Honig von den Waben getrennt werden. Beim Verarbeiten von Honig ist zu beachten, dass er hygroskopisch ist und Feuchtigkeit aufnimmt. Alle Geräte müssen daher absolut trocken sein.

Traditionelle Methoden wie Auspressen oder Ausbrennen sind möglich, wobei das Ausbrennen vermieden werden sollte, da es Qualität und Geschmack mindert. Beim Auspressen per Hand muss der Honig durch immer feinere Siebe (zuletzt Mulltuch) gefiltert werden. Die Verarbeitung muss hygienisch erfolgen und der Honig vor Luftfeuchtigkeit geschützt werden.

Für größere Mengen eignen sich Radial- oder Tangentialschleudern. Top-Bar-Waben müssen in Tangentialschleudern meist zweimal (je Seite einmal) geschleudert werden.

Honig muss in luftdichten, geschmacksneutralen Behältern gelagert werden. Für den Verkauf empfiehlt sich ein Etikett mit Angaben zur Herkunft (z. B. Sonnenblumenhonig, Blütenhonig), Region, Gewicht und Name des Imkers.

Bienenwachsgewinnung Nach der Honigtrennung kann das Wachs schonend über warmem Wasser (nicht kochend!) geschmolzen und in Blöcke gegossen werden.

Eine gute Alternative ist ein Solarwachsschmelzer (Abbildung 4). Er besteht aus einem Holzkasten mit Metallblech, Auslauf und Glas- oder Plastikabdeckung. Restlicher Honig sinkt zu Boden und kann für die Küche oder Bierherstellung verwendet werden.

Bienenwachs verdirbt nicht und hat vielfältige Verwendungsmöglichkeiten (Kerzen, Batik, Lederschutz, Salben, Gussverfahren usw.). Es ist auch auf dem Weltmarkt gefragt.

Bienenstiche

Bienenstiche lassen sich durch Schutzkleidung weitgehend vermeiden. Wird man gestochen, sollte der Stachel sofort mit dem Fingernagel oder einem Messer abgeschabt (nicht herausgezogen) werden.

Weitere Tipps zur Vermeidung von Stichen:

  • Vor dem Arbeiten duschen und Gerüche entfernen
  • Keine Kosmetika oder Parfüm benutzen
  • Den Stock von der Seite oder hinter dem Flugloch nähern
  • Helle Kleidung tragen
  • Den Stock ruhig und ohne Erschütterungen bearbeiten
  • In der Trockenzeit Wasser bereitstellen
  • Keine Bienen zerquetschen (Alarmpheromon!)

Bei einer Bienengiftallergie sollte man keine Imkerei betreiben.

Krankheiten und Schädlinge

In den letzten Jahrzehnten haben sich Bienenkrankheiten weltweit stark ausgebreitet – vor allem durch den Transport von Völkern und gebrauchter Ausrüstung. Gebrauchte Imkerausrüstung sollte daher nicht importiert werden. Völker oder Königinnen dürfen nur nach fachlicher Prüfung der Risiken verbracht werden.

Häufige Schädlinge sind Wachsmotten, Ameisen und in Afrika Honigdachse. Es ist ratsam, sich mit erfahrenen lokalen Imkern über die jeweiligen Probleme und geeignete Abwehrmaßnahmen auszutauschen.

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Howtopedia-Beitrag basiert auf dem Technical Brief Beekeeping von Practical Action. Originaldokument: http://practicalaction.org/?id=technical_briefs_agriculture

  • How to Process HoneyHonig verarbeiten
  • Tools for Agriculture, 4. Auflage, ITDG Publishing, 1992
  • The Golden Insect von Stephen Adjare, ITDG Publishing, 1984
  • Beekeeping in the Tropics, Agrodok 32, Agromisa Foundation

Dieser Technical Brief wurde erstmals im Appropriate Technology Journal, Volume 20, Number 4, März 1994 veröffentlicht.

Nützliche Adressen

Practical Action The Schumacher Centre for Technology & Development, Bourton on Dunsmore, RUGBY, CV23 9QZ, United Kingdom. Tel.: +44 (0) 1926 634400 Fax: +44 (0) 1926 634401 E-Mail: practicalaction@practicalaction.org.uk Web: http://www.practicalaction.org

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