Collagen-Kleber - Leim: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | Er wird aus Rohhaut (ungegerbte Tierhaut) gewonnen und ist in der Traditionellen Holzbearbeitung, beim Geigenbau, bei Restaurierungen und in der Archäologie bis heute unübertroffen – oft fester und haltbarer als moderner 2K-Epoxy-Kleber. | ||
| − | + | === Woher bekommt man Rohhaut? === | |
| − | + | * Günstig oder umsonst beim Schlachter / Metzger (Rind-, Kalb-, Schweine- oder Wildhaut) | |
| − | + | * Bei Jägern (Wildhaut) | |
| − | + | * Im Tierfachhandel als Kauknochen / Kaustangen / Spielzeug für Hunde (nichts anderes als getrocknete Rohhaut) | |
| − | + | Tipp: Wenn Haare noch dran sind, vorher abschaben – das spart später sehr viel Arbeit. | |
| − | + | === Material & Vorbereitung === | |
| − | + | * Rohhaut (frisch oder getrocknet) | |
| + | * Großer Topf | ||
| + | * Thermometer (wichtig!) | ||
| + | * Tuch zum Auswringen | ||
| + | * Behälter zum Auffangen | ||
| + | * Optional: Holzspatel zum Rühren | ||
| − | + | Getrocknete Rohhaut vorher 1–3 Tage in kaltem Wasser einweichen (bis sie weich und geschmeidig ist). | |
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| − | + | === Schritt-für-Schritt-Anleitung === | |
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| − | Collagen | + | 1. Rohhaut in kleine Stücke schneiden (ca. 5–10 cm) – je kleiner, desto schneller löst sich das Collagen. |
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| + | 2. Stücke in großen Topf geben und mit Wasser auffüllen, bis alles bedeckt ist. | ||
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| + | 3. Temperatur auf **60 °C** bringen und **nicht über 80 °C** gehen lassen! | ||
| + | (Bei >80 °C zerstört man die Klebkraft – es soll nur ziehen, nicht kochen.) | ||
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| + | 4. 12–24 Stunden ziehen lassen (bei 18 °C oder wärmer leicht dampfen, bei kühlerer Raumtemperatur stärker). | ||
| + | Die Haut wird schmierig/schleimig und gibt das Collagen ab. | ||
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| + | 5. Abkühlen lassen (Verbrühungsgefahr!), dann alles in ein Tuch geben und kräftig auswringen. | ||
| + | Die Hautstücke können direkt für einen zweiten Durchgang wiederverwendet werden (2–3× möglich). | ||
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| + | 6. Die Collagen-Lösung zurück in den Topf geben und bei **60 °C** weiter einkochen, bis sie **sirupähnlich** wird (dickflüssig, aber noch gießbar). | ||
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| + | 7. Fertig! In saubere Gläser füllen und abkühlen lassen. | ||
| + | Nach dem Abkühlen wird er fest wie Leder/Gummi. | ||
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| + | === Haltbarkeit & Lagerung === | ||
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| + | * Kühl und trocken gelagert: Monate bis Jahre | ||
| + | * In Gläsern oder Blechdosen aufbewahren | ||
| + | * Bei Schimmel oder unangenehmem Geruch entsorgen | ||
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| + | === Verwendung & Verarbeitung === | ||
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| + | * Mit heißem Wasser (ca. 60–70 °C) wieder auflösen → streichfähiger Leim | ||
| + | * Auf Holz, Leder, Papier, Porzellan usw. – hält oft besser als synthetische Kleber | ||
| + | * **Wasserlöslich** → Vorteil: Fehler lassen sich auswaschen / korrigieren | ||
| + | * **Wasserfest machen** (optional): Nach dem Trocknen die Klebestelle mit Fett, Öl, Schellack, Baumharz-Firnis oder reinem Harz versiegeln | ||
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| + | === Warum Collagen-Kleber so genial ist === | ||
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| + | * Fester als viele 2K-Epoxy-Kleber (bei richtiger Verarbeitung) | ||
| + | * 100 % natürlich, ohne Chemie | ||
| + | * Aus Abfall (Rohhaut) gewonnen → Zero Waste | ||
| + | * Reparierbar & reversibel (im Gegensatz zu Epoxy) | ||
| + | * Traditionell im Möbelbau, Instrumentenbau und Restaurierung verwendet | ||
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| + | Perfekt für Autarkie: Keine Industrie, keine Plastiktuben, keine teuren Kleber aus dem Baumarkt – nur das, was man sowieso hat oder günstig bekommt. | ||
Version vom 7. Februar 2026, 09:29 Uhr
Inhaltsverzeichnis
Collagen-Kleber / Leim selbst herstellen (fester als 2K-Epoxy)
Collagen-Kleber (historisch auch „Leim aus Rohhaut“, „Tierleim“ oder „Hide Glue“) ist einer der ältesten und stärksten natürlichen Klebstoffe der Welt. Er wird aus Rohhaut (ungegerbte Tierhaut) gewonnen und ist in der Traditionellen Holzbearbeitung, beim Geigenbau, bei Restaurierungen und in der Archäologie bis heute unübertroffen – oft fester und haltbarer als moderner 2K-Epoxy-Kleber.
Woher bekommt man Rohhaut?
- Günstig oder umsonst beim Schlachter / Metzger (Rind-, Kalb-, Schweine- oder Wildhaut)
- Bei Jägern (Wildhaut)
- Im Tierfachhandel als Kauknochen / Kaustangen / Spielzeug für Hunde (nichts anderes als getrocknete Rohhaut)
Tipp: Wenn Haare noch dran sind, vorher abschaben – das spart später sehr viel Arbeit.
Material & Vorbereitung
- Rohhaut (frisch oder getrocknet)
- Großer Topf
- Thermometer (wichtig!)
- Tuch zum Auswringen
- Behälter zum Auffangen
- Optional: Holzspatel zum Rühren
Getrocknete Rohhaut vorher 1–3 Tage in kaltem Wasser einweichen (bis sie weich und geschmeidig ist).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Rohhaut in kleine Stücke schneiden (ca. 5–10 cm) – je kleiner, desto schneller löst sich das Collagen.
2. Stücke in großen Topf geben und mit Wasser auffüllen, bis alles bedeckt ist.
3. Temperatur auf **60 °C** bringen und **nicht über 80 °C** gehen lassen!
(Bei >80 °C zerstört man die Klebkraft – es soll nur ziehen, nicht kochen.)
4. 12–24 Stunden ziehen lassen (bei 18 °C oder wärmer leicht dampfen, bei kühlerer Raumtemperatur stärker).
Die Haut wird schmierig/schleimig und gibt das Collagen ab.
5. Abkühlen lassen (Verbrühungsgefahr!), dann alles in ein Tuch geben und kräftig auswringen.
Die Hautstücke können direkt für einen zweiten Durchgang wiederverwendet werden (2–3× möglich).
6. Die Collagen-Lösung zurück in den Topf geben und bei **60 °C** weiter einkochen, bis sie **sirupähnlich** wird (dickflüssig, aber noch gießbar).
7. Fertig! In saubere Gläser füllen und abkühlen lassen.
Nach dem Abkühlen wird er fest wie Leder/Gummi.
Haltbarkeit & Lagerung
- Kühl und trocken gelagert: Monate bis Jahre
- In Gläsern oder Blechdosen aufbewahren
- Bei Schimmel oder unangenehmem Geruch entsorgen
Verwendung & Verarbeitung
- Mit heißem Wasser (ca. 60–70 °C) wieder auflösen → streichfähiger Leim
- Auf Holz, Leder, Papier, Porzellan usw. – hält oft besser als synthetische Kleber
- **Wasserlöslich** → Vorteil: Fehler lassen sich auswaschen / korrigieren
- **Wasserfest machen** (optional): Nach dem Trocknen die Klebestelle mit Fett, Öl, Schellack, Baumharz-Firnis oder reinem Harz versiegeln
Warum Collagen-Kleber so genial ist
- Fester als viele 2K-Epoxy-Kleber (bei richtiger Verarbeitung)
- 100 % natürlich, ohne Chemie
- Aus Abfall (Rohhaut) gewonnen → Zero Waste
- Reparierbar & reversibel (im Gegensatz zu Epoxy)
- Traditionell im Möbelbau, Instrumentenbau und Restaurierung verwendet
Perfekt für Autarkie: Keine Industrie, keine Plastiktuben, keine teuren Kleber aus dem Baumarkt – nur das, was man sowieso hat oder günstig bekommt.