Digitale Autarkie mit Syncthing: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 19. September 2026, 12:52 Uhr

Syncthing.png

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   └─ Syncthing als Cloud-Ersatz  Digitale Autarkie mit Syncthing

Digitale Autarkie mit Syncthing

Syncthing ist eine quelloffene, dezentrale Software zur Dateisynchronisation, die ohne zentrale Cloud-Server auskommt. Sie ermöglicht den sicheren Datenaustausch nach dem Peer-to-Peer-Prinzip (Punkt-zu-Punkt) unter vollständiger Beibehaltung der eigenen Datenhoheit.

Wer hat diese Software geschrieben?

Das Kernprojekt von Syncthing wurde ursprünglich von dem schwedischen Entwickler Jakob Borg im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Die Android-App "Syncthing-Fork" (oft fälschlicherweise als "Syncthing-Frog" bezeichnet) wurde maßgeblich von dem Entwickler Catfriend1 aus Deutschland als erweiterter Ableger der offiziellen App konzipiert, um smarte Bedingungen wie Akku- und WLAN-Schonung auf Smartphones besser kontrollieren zu können.

Warum wird diese Software von der Community gepflegt?

Syncthing ist ein reines Gemeinschaftsprojekt (Open Source) unter der Mozilla Public License. Da der ursprüngliche Entwickler der Android-Fork die Pflege abgegeben hat, wird das Projekt heute von der Entwickler-Community (aktiv unter anderem über das researchxxl-Repository auf GitHub) weitergeführt. Die Motivation der Community liegt darin, ein freies, werbefreies und von Großkonzernen unabhängiges Werkzeug für digitale Privatsphäre und Datensicherheit am Leben zu erhalten.

Für welche Betriebssysteme ist diese Software verfügbar?

Syncthing ist extrem plattformübergreifend einsetzbar:

  • Desktop: Linux (Ubuntu, Debian, Fedora etc.), Windows, macOS.
  • Mobil & Embedded: Android (via Syncthing-Fork), Android TV, sowie für NAS-Systeme (Synology, TrueNAS) und Einplatzencomputer (Raspberry Pi).
  • Hinweis: Für Apple iOS (iPhone/iPad) gibt es aufgrund restriktiver Systemgrenzen keine offizielle App, jedoch kompatible Drittanbieter-Lösungen (wie *Möbius Sync*).

Woher bekomme ich dieses Programm?

Um die Sicherheit zu garantieren und manipulierte Software auszuschließen, sollte das Programm nur aus vertrauenswürdigen Quellen geladen werden:

  • Android: Über den datenschutzfreundlichen Open-Source-Store F-Droid oder direkt über die GitHub-Release-Seiten des Community-Projekts.
  • Windows/macOS/Linux: Direkt über die offizielle Webseite syncthing.net oder den Paketmanager der jeweiligen Linux-Distribution.

Kurzanleitung zur Installation auf verschiedenen Betriebssystemen

Android (Syncthing-Fork)

  1. App über F-Droid installieren.
  2. Beim ersten Start die Berechtigung Sämtliche Dateien verwalten gewähren.
  3. Wichtig: In den Android-Einstellungen unter "Apps" -> "Syncthing-Fork" -> "Akku" die Optimierung abschalten und auf Unbeschränkt setzen, da Android den Hintergrunddienst sonst im Standby rigoros beendet.

Linux (Ubuntu / Debian)

Öffne das Terminal und installiere Syncthing über den Paketmanager:

sudo apt update && sudo apt install syncthing

Damit das Programm automatisch im Hintergrund startet, sobald der Rechner läuft, aktiviere den Systemdienst (systemd):

systemctl --user enable syncthing.service && systemctl --user start syncthing.service

Die Verwaltung erfolgt danach einfach im Browser über die Adresse: `http://localhost:8384`

Windows

Am einfachsten nutzt man das Paket SyncTrayzor. Es bündelt das Syncthing-Kernprogramm mit einer sauberen Windows-Oberfläche und nistet sich unten rechts in der Taskleiste ein. Es startet automatisch mit Windows und erfordert keine Terminal-Arbeit.

Bekannt machen der Geräte untereinander

Aus Sicherheitsgründen arbeiten die Geräte nach dem Zero-Trust-Prinzip. Sie müssen sich erst explizit kryptografisch im Netzwerk ausweisen, um miteinander zu sprechen:

  1. Jedes Gerät besitzt eine lange, eindeutige Geräte-ID sowie einen QR-Code.
  2. Auf Gerät A wählt man "Gerät hinzufügen" und scannt den QR-Code von Gerät B (oder tippt die ID manuell ein).
  3. Auf Gerät B erscheint nach wenigen Sekunden eine Sicherheitsmeldung. Diese muss bestätigt werden. Erst jetzt steht die abhörsichere, mit TLS 1.3 verschlüsselte Verbindung zwischen den beiden Nodes.

Auswahl und Einrichten des Quellordners

Ein Ordner wird auf dem ersten Gerät (Gerät A) innerhalb der App oder der Weboberfläche erstellt:

  1. Klicke auf Ordner hinzufügen.
  2. Wähle den lokalen Pfad auf dem Speicher aus (z. B. den Obsidian-Tresor unter `/Documents/Obsidian`).
  3. Vergebe einen lesbaren Namen (z. B. "Mein Obsidian Tresor").

Verwendung der Ordner-ID

Beim Erstellen generiert Syncthing eine weltweit eindeutige Ordner-ID (entweder eine zufällige Zeichenfolge oder einen selbst gewählten Namen).

  • Die goldene Regel: Weist man verschiedenen Ordnern auf unterschiedlichen Geräten die exakt gleiche Ordner-ID zu, so werden sie für "Sync" logisch zu einem einzigen Ordner verschmolzen.
  • Wenn Gerät A den Ordner mit der ID `mein-tresor-2026` für Gerät B freigibt, muss Gerät B diese ID beim Akzeptieren übernehmen. So weiß das System präzise, welche Datenströme zusammengehören, selbst wenn die Ordner auf den Geräten unterschiedliche Pfadnamen haben.

Das mechatronische Y-Stück: Der unveränderliche Backup-Ordner

Man kann den Datenstrom auf dem Zielgerät (z. B. dem Ubuntu-Laptop) wie ein Y-Stück an einer Wasserleitung aufteilen, um Synchronisation und absolute Datensicherheit gleichzeitig zu erhalten. Dazu legt man auf dem Laptop zwei separate Ziel-Verzeichnisse an, die beide dieselbe Ordner-ID abgreifen:

  1. Der Arbeitsordner: Typ "Senden und Empfangen". Er spiegelt die Handys zu 100 %. Löschst du auf dem Handy ein Bild, verschwindet es auch hier. Perfekt zum Arbeiten.
  2. Der unzerstörbare Tresor (Backup-Ordner): Typ Nur Empfangen (Receive Only). Zusätzlich setzt man in den erweiterten Ordnereinstellungen das Häkchen bei Löschungen ignorieren (Ignore Delete).
    • Funktion: Dieser Ordner saugt stumpf alle neuen Daten auf. Kommt vom Handy der Befehl, ein Bild zu löschen, riegelt das mechanische Rückschlagventil ab. Der Laptop ignoriert den Löschbefehl stur und die Datei bleibt im Backup-Tresor für immer gesichert.