Kolophonium: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AutarkWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
K (Schützte „Kolophonium“ ([Bearbeiten=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt) [Verschieben=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt)))
 
(2 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 2: Zeile 2:
 
[[Kategorie:Autarkie]]
 
[[Kategorie:Autarkie]]
 
[[Kategorie:Chemie]]
 
[[Kategorie:Chemie]]
 +
[[Datei:Kolophonium.jpg|400px|rechts]]
 
==Siehe auch:==
 
==Siehe auch:==
 +
'''Oberflächenveredelung'''
 +
├─ [[Rostumwandlung mit Gerbsäure]]
 +
├─ [[Eisen mit Essig brünieren]]
 +
├─ [[Eisenoberflächen bläuen]]
 +
├─ [[Oberflächenschutz für Holz aus Holzteer, Terpentin und Leinölfirnis]]
 +
├─ [[ Herstellung von Holzteer und Pech]]
 +
├─ [[Leinölfirnis]]
 +
├─ [[Terpentin – Herstellung]]
 +
├─ [[Kolophonium]]
 +
|  ├─ [[Pechkerzen herstellen]]
 +
|  ├─ [[Pechsalbe Kiefernharzsalbe]]
 +
|  └─ [[Harz sammeln im Wald]]
 +
└─ [[Natürliche Holz- und Metallveredelung aus Wald und Feld]]
  
 
== Kolophonium ==
 
== Kolophonium ==

Aktuelle Version vom 23. März 2026, 17:13 Uhr

Kolophonium.jpg

Siehe auch:

Oberflächenveredelung 
├─ Rostumwandlung mit Gerbsäure
├─ Eisen mit Essig brünieren
├─ Eisenoberflächen bläuen
├─ Oberflächenschutz für Holz aus Holzteer, Terpentin und Leinölfirnis
├─ Herstellung von Holzteer und Pech
├─ Leinölfirnis
├─ Terpentin – Herstellung
├─ Kolophonium
|  ├─ Pechkerzen herstellen
|  ├─ Pechsalbe Kiefernharzsalbe
|  └─ Harz sammeln im Wald
└─ Natürliche Holz- und Metallveredelung aus Wald und Feld

Kolophonium

Kolophonium (auch Geigenharz, Bogenharz, Rosin, Colophonium oder Resina colophonia) ist ein gelbes bis braun-schwarzes, sprödes, glasartiges Naturharz mit muscheligem Bruch und Glasglanz. Es entsteht als fester Rückstand bei der Destillation von Terpentinöl aus Nadelbaumharz (hauptsächlich Kiefer, Fichte, Lärche). Kolophonium besteht überwiegend aus Harzsäuren (Abietinsäure, Pimarsäure, Neoabietinsäure u. a.) und ist löslich in Alkohol, Ether, Benzin, Terpentin und vielen organischen Lösungsmitteln.

Es ist seit Jahrhunderten ein vielseitiger Rohstoff in Handwerk, Musik, Elektronik und Chemie – besonders in autarken und traditionellen Projekten geschätzt, da es aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird.

Geschichte

Der Name „Kolophonium“ leitet sich von der antiken Stadt Kolophon (heute in der Türkei) ab, einem frühen Zentrum für Harz- und Pechhandel. Bereits in der Antike wurde es für Pech, Räucherwerk, Medizin und Schiffsabdichtung genutzt. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Kolophonium in Pechereien ein zentraler Rohstoff für Schiffe (Teer/Pech-Mischungen), Lacke, Seifen und Salben. Im 19./20. Jahrhundert wurde die Produktion industrialisiert, heute stammt viel Kolophonium aus Tallöl (Nebenprodukt der Zellstoff- und Papierherstellung).

Herstellung und Gewinnung

Kolophonium ist der nicht-flüchtige Rückstand bei der Terpentinöl-Gewinnung.

  1. Rohstoff: Frisches Baumharz (Balsam) von lebenden Nadelbäumen (vor allem Kiefern, Fichten, Tannen, Lärchen) oder Wurzelstöcke (Stubbenharz). Früher durch Anzapfen (Harzschürfen) in Pechereien gesammelt.
  2. Destillation: Das gereinigte Harz wird in Kesseln erhitzt (oft Wasserdampfdestillation bei >100 °C). Das flüchtige Terpentinöl und Wasser destillieren ab, während der feste Rückstand als Kolophonium zurückbleibt.
  * Ertrag: ca. 60–70 % der Ausgangsmasse bleibt als Kolophonium.
  * Industriell meist aus Tallöl (durch Säurebehandlung und Destillation).
  1. Sorten: Hellgelb bis dunkelbraun; je nach Baumart und Verarbeitung unterschiedlich hart, klebrig und farbig (z. B. „WW“ = Window Glass Grade, sehr hell; „B“ = dunkel).

Selbstherstellung aus frischem Kiefernharz + einfache Destille ist möglich, aber aufwändig, geruchsintensiv und brandgefährlich – für die meisten Zwecke lohnt sich der Kauf von Roh-Kolophonium (z. B. für Musiker oder Löten).

Anwendungen

Kolophonium ist extrem vielseitig – hier die wichtigsten traditionellen und praktischen Einsatzbereiche:

Oberflächenlack / Lackherstellung

  • Bindemittel und Härter in Naturfarben, Lacken und Polituren
  • Erhöht Härte, Glanz, Wetterbeständigkeit und Haftung von Öllacken
  • In traditionellen Rezepten mit Leinölfirnis, Terpentin oder Alkohol kombiniert (z. B. Geigenlack, Möbelpolituren, Schellack-Mischungen)
  • Als Zusatz in Bootslacken, Fußbodenlacken oder Schutzanstrichen

Musikinstrumente (Geigenharz / Bogenharz)

  • Wichtigste Anwendung: Auftragen auf Bogenhaare von Streichinstrumenten (Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass)
  • Erzeugt den Stick-Slip-Effekt: Haare greifen die Saite besser, ermöglichen Vibration und reinen, tragfähigen Ton – ohne Kolophonium rutscht der Bogen
  • Spezielle Qualitäten: Weicheres für Geige/Bratsche (hell, weniger klebrig), klebrigeres für Cello/Kontrabass; oft mit Metallen (Gold, Silber), Pflanzenölen oder Duftstoffen veredelt für besseren Klang und weniger Staub
  • Auftragsweise: Gespannten Bogen mehrmals langsam und gleichmäßig über das Kolophoniumstück streichen (nicht zu viel – vermeidet Pulverbildung und Kratzen)

Weichlöten (Zinn und Kupfer)

  • Als Flussmittel (Flux) beim Weichlöten (Elektronik, Kupferrohre, Schmuck, Bleiverglasung)
  • Harzsäuren wirken reduzierend: Entfernen Oxide von Kupfer, Zinn, Messing; verhindern Neubildung während des Lötens
  • Vorteile: Nicht korrosiv (im Gegensatz zu sauren Flussmitteln), schützt Lötstelle vor Oxidation, hinterlässt meist harmlosen, nicht leitenden Rückstand
  • Häufig in Lötdraht mit Kolophoniumseele (Rosin-core solder) oder als reine Kolophonium-Lösung (in Isopropanol/Alkohol gelöst) als Paste/Flux
  • Bei Lötarbeiten gute Belüftung: Erhitzte Dämpfe können reizen (Allergiepotenzial, Augen-/Atemwegsreizung)

Weitere Anwendungen:

  • Klebstoffe und Leime (z. B. in traditionellen Leimrezepten)
  • Seifen- und Papierherstellung (Leimung)
  • Räucherwerk und antiseptische Mittel (historisch)
  • Pharmazie/Kosmetik (Pflaster, Salben, Haarpomaden)
  • Chemische Industrie (Alkydharze, Esterharze, Emulgatoren)

Sicherheitshinweise

  • Kann allergische Hautreaktionen (Kontaktdermatitis) auslösen – besonders bei empfindlichen Personen
  • Dämpfe beim Erhitzen/Löten reizend für Augen, Atemwege und Haut → immer gut lüften oder Atemschutz tragen
  • Brandgefahr bei Destillation/Selbstherstellung (niedriger Flammpunkt)
  • Bei Musikinstrumenten: Zu viel Kolophonium → Staub auf Instrument und Saiten → Kratzen und Klangverlust