Collagen-Kleber - Leim: Unterschied zwischen den Versionen

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==Collagen-Kleber - Leim==
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[[Kategorie:Selbstversorgung]]
Um Collagen-Kleber herzustellen ,der sogar fester als 2K-Epoxy-Kleber sein soll, benötigt man Rohhaut. Rohhaut nennt man die ungegerbte Haut eines Tieres. Diese kann man man zum Beispiel beim Schlachter oder bei einem Jäger günstig oder gar umsonst bekommen, oder aber im Tierfachhandel in Form von den Kauknochen und -spielzeugen für Hunde, die nichts anderes als getrocknete Rohhaut sind. Eine getrocknetet Rohhaut muß vorher wieder in Wasser eingeweicht werden, das kann bis zu einigen Tagen dauern. Sollte man eine Rohhaut erstehen, an der die Haare noch dran sind, so sollte man die Haare vorher abschaben, man erspart sich damit später eine Menge Arbeit und Zeit.
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[[Kategorie:Content-Archäologie]]
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[[Kategorie:Autarkie]]
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[[Datei:Portable soup.jpg|rechts]]
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== Collagen-Kleber / Leim selbst herstellen (fester als 2K-Epoxy) ==
  
Die Haut sollte dann in kleine Stücke geschnitten werden, damit man das Collagen schneller und mit weniger Hitze aus der Haut extrahieren kann. Dann geht man wie folgt vor:
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Collagen-Kleber (historisch auch „Leim aus Rohhaut“, „Tierleim“ oder „Hide Glue“) ist einer der ältesten und stärksten natürlichen Klebstoffe der Welt. 
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Er wird aus Rohhaut (ungegerbte Tierhaut) gewonnen und ist in der Traditionellen Holzbearbeitung, beim Geigenbau, bei Restaurierungen und in der Archäologie bis heute unübertroffen – oft fester und haltbarer als moderner 2K-Epoxy-Kleber.
  
Die Hautstücke in einen großen Topf geben und mit Wasser auffüllen bis alles mit Wasser bedeckt ist.  
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'''Siehe:''' [[Portable Soup - Portable Suppe]], [[Collagen-Kleber - Leim]]
Die Wassertemperatur sollte etwa 60°C betragen und 80°C nicht überschreiten. Es sollte nicht kochen, sondern nur ziehen. Eine zu hohe Temperatur vermindert letztendlich die Klebkraft. Bei einer Umgebungstemperatur von 18°C oder darüber sollte es also leicht dampfen, ist es kälter, so dampft es natürlich stärker.  
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=== Woher bekommt man Rohhaut? ===
Diese Mixtur sollte so etwas 12 bis 24 Stunden bei dieser Temperatur ziehen, bis die Hautstücke aufgequollen und schmierig/schleimig das Collagen freigeben.  
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Dann die Flüssigkeit soweit herunterkühlen lassen, um Verbrühungen beim Weiterverarbeiten zu vermeiden.
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* Günstig oder umsonst beim Schlachter / Metzger (Rind-, Kalb-, Schweine- oder Wildhaut) 
Der Topfinhalt wird dann in ein Tuch gegeben und über einem Behäter gewrungen, um die wässrige Collagenlösing von den Hautstücken zu trennen. Diese können dann anschließend sofort wieder für einen weiteren Kochdurchgang verwendet werden.  
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* Bei Jägern (Wildhaut) 
Die Collagen-Lösung wird dann bei 60°C weitergekocht, bis sie eine sirupähnliche Konsistenz hat.  
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* Im Tierfachhandel als Kauknochen / Kaustangen / Spielzeug für Hunde (nichts anderes als getrocknete Rohhaut) 
Dann ist der Kleber fertig.  
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Collagen-Kleber ist wasserlöslich, was den Vorteil hat, daß er aus- bzw. abwaschbar ist. Wasserlöslichkeit ist aber nicht immer erwünscht. Dann muß man die Klebestelle mit Fett, Öl oder Firnislack aus Alkohol und Baumharz, bei kleinen Stellen auch nur mit Harz versiegeln.
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Tipp: Wenn Haare noch dran sind, vorher abschaben – das spart später sehr viel Arbeit.
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=== Material & Vorbereitung ===
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* Rohhaut (frisch oder getrocknet) 
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* Großer Topf 
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* Thermometer (wichtig!) 
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* Tuch zum Auswringen 
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* Behälter zum Auffangen 
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* Optional: Holzspatel zum Rühren 
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Getrocknete Rohhaut vorher 1–3 Tage in kaltem Wasser einweichen (bis sie weich und geschmeidig ist).
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=== Schritt-für-Schritt-Anleitung ===
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1. Rohhaut in kleine Stücke schneiden (ca. 5–10 cm) – je kleiner, desto schneller löst sich das Collagen.
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2. Stücke in großen Topf geben und mit Wasser auffüllen, bis alles bedeckt ist.
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3. Temperatur auf **60 °C** bringen und **nicht über 80 °C** gehen lassen! 
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  (Bei >80 °C zerstört man die Klebkraft – es soll nur ziehen, nicht kochen.)
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4. 12–24 Stunden ziehen lassen (bei 18 °C oder wärmer leicht dampfen, bei kühlerer Raumtemperatur stärker).
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  Die Haut wird schmierig/schleimig und gibt das Collagen ab.
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5. Abkühlen lassen (Verbrühungsgefahr!), dann alles in ein Tuch geben und kräftig auswringen.
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  Die Hautstücke können direkt für einen zweiten Durchgang wiederverwendet werden (2–3× möglich).
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6. Die Collagen-Lösung zurück in den Topf geben und bei **60 °C** weiter einkochen, bis sie **sirupähnlich** wird (dickflüssig, aber noch gießbar).
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7. Fertig! In saubere Gläser füllen und abkühlen lassen.
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  Nach dem Abkühlen wird er fest wie Leder/Gummi.
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=== Haltbarkeit & Lagerung ===
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* Kühl und trocken gelagert: Monate bis Jahre 
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* In Gläsern oder Blechdosen aufbewahren 
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* Bei Schimmel oder unangenehmem Geruch entsorgen
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=== Verwendung & Verarbeitung ===
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* Mit heißem Wasser (ca. 60–70 °C) wieder auflösen → streichfähiger Leim 
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* Auf Holz, Leder, Papier, Porzellan usw. – hält oft besser als synthetische Kleber 
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* **Wasserlöslich** → Vorteil: Fehler lassen sich auswaschen / korrigieren 
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* **Wasserfest machen** (optional): Nach dem Trocknen die Klebestelle mit Fett, Öl, Schellack, Baumharz-Firnis oder reinem Harz versiegeln
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=== Warum Collagen-Kleber so genial ist ===
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* Fester als viele 2K-Epoxy-Kleber (bei richtiger Verarbeitung) 
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* 100 % natürlich, ohne Chemie 
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* Aus Abfall (Rohhaut) gewonnen → Zero Waste 
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* Reparierbar & reversibel (im Gegensatz zu Epoxy) 
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* Traditionell im Möbelbau, Instrumentenbau und Restaurierung verwendet
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Perfekt für Autarkie: Keine Industrie, keine Plastiktuben, keine teuren Kleber aus dem Baumarkt – nur das, was man sowieso hat oder günstig bekommt.

Aktuelle Version vom 7. Februar 2026, 10:45 Uhr

Portable soup.jpg

Collagen-Kleber / Leim selbst herstellen (fester als 2K-Epoxy)

Collagen-Kleber (historisch auch „Leim aus Rohhaut“, „Tierleim“ oder „Hide Glue“) ist einer der ältesten und stärksten natürlichen Klebstoffe der Welt. Er wird aus Rohhaut (ungegerbte Tierhaut) gewonnen und ist in der Traditionellen Holzbearbeitung, beim Geigenbau, bei Restaurierungen und in der Archäologie bis heute unübertroffen – oft fester und haltbarer als moderner 2K-Epoxy-Kleber.

Siehe: Portable Soup - Portable Suppe, Collagen-Kleber - Leim

Woher bekommt man Rohhaut?

  • Günstig oder umsonst beim Schlachter / Metzger (Rind-, Kalb-, Schweine- oder Wildhaut)
  • Bei Jägern (Wildhaut)
  • Im Tierfachhandel als Kauknochen / Kaustangen / Spielzeug für Hunde (nichts anderes als getrocknete Rohhaut)

Tipp: Wenn Haare noch dran sind, vorher abschaben – das spart später sehr viel Arbeit.

Material & Vorbereitung

  • Rohhaut (frisch oder getrocknet)
  • Großer Topf
  • Thermometer (wichtig!)
  • Tuch zum Auswringen
  • Behälter zum Auffangen
  • Optional: Holzspatel zum Rühren

Getrocknete Rohhaut vorher 1–3 Tage in kaltem Wasser einweichen (bis sie weich und geschmeidig ist).

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Rohhaut in kleine Stücke schneiden (ca. 5–10 cm) – je kleiner, desto schneller löst sich das Collagen.

2. Stücke in großen Topf geben und mit Wasser auffüllen, bis alles bedeckt ist.

3. Temperatur auf **60 °C** bringen und **nicht über 80 °C** gehen lassen!

  (Bei >80 °C zerstört man die Klebkraft – es soll nur ziehen, nicht kochen.)

4. 12–24 Stunden ziehen lassen (bei 18 °C oder wärmer leicht dampfen, bei kühlerer Raumtemperatur stärker).

  Die Haut wird schmierig/schleimig und gibt das Collagen ab.

5. Abkühlen lassen (Verbrühungsgefahr!), dann alles in ein Tuch geben und kräftig auswringen.

  Die Hautstücke können direkt für einen zweiten Durchgang wiederverwendet werden (2–3× möglich).

6. Die Collagen-Lösung zurück in den Topf geben und bei **60 °C** weiter einkochen, bis sie **sirupähnlich** wird (dickflüssig, aber noch gießbar).

7. Fertig! In saubere Gläser füllen und abkühlen lassen.

  Nach dem Abkühlen wird er fest wie Leder/Gummi.

Haltbarkeit & Lagerung

  • Kühl und trocken gelagert: Monate bis Jahre
  • In Gläsern oder Blechdosen aufbewahren
  • Bei Schimmel oder unangenehmem Geruch entsorgen

Verwendung & Verarbeitung

  • Mit heißem Wasser (ca. 60–70 °C) wieder auflösen → streichfähiger Leim
  • Auf Holz, Leder, Papier, Porzellan usw. – hält oft besser als synthetische Kleber
  • **Wasserlöslich** → Vorteil: Fehler lassen sich auswaschen / korrigieren
  • **Wasserfest machen** (optional): Nach dem Trocknen die Klebestelle mit Fett, Öl, Schellack, Baumharz-Firnis oder reinem Harz versiegeln

Warum Collagen-Kleber so genial ist

  • Fester als viele 2K-Epoxy-Kleber (bei richtiger Verarbeitung)
  • 100 % natürlich, ohne Chemie
  • Aus Abfall (Rohhaut) gewonnen → Zero Waste
  • Reparierbar & reversibel (im Gegensatz zu Epoxy)
  • Traditionell im Möbelbau, Instrumentenbau und Restaurierung verwendet

Perfekt für Autarkie: Keine Industrie, keine Plastiktuben, keine teuren Kleber aus dem Baumarkt – nur das, was man sowieso hat oder günstig bekommt.