Verwendung von Pigmenten: Unterschied zwischen den Versionen

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In der vor-modernen Medizin gab es keine klare Trennung zwischen Pigmenten, Kosmetika und Arzneimitteln. Viele Farbstoffe waren Metallsalze oder Mineralien und wurden aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften, ihrer Farbe nach der Signaturenlehre oder ihres hohen Preises als Heilmittel eingesetzt.
 
In der vor-modernen Medizin gab es keine klare Trennung zwischen Pigmenten, Kosmetika und Arzneimitteln. Viele Farbstoffe waren Metallsalze oder Mineralien und wurden aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften, ihrer Farbe nach der Signaturenlehre oder ihres hohen Preises als Heilmittel eingesetzt.
  
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Die Signaturenlehre und der Glaube „Teuer gleich wirksam“ verloren mit dem Aufkommen der wissenschaftlichen Pharmazie ihre Grundlage.
 
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Einige anorganische Pigmente sind aufgrund ihrer geringen Löslichkeit und chemischen Stabilität noch als Lebensmittel- und Arzneimittelzusatzstoffe zugelassen:
 
Einige anorganische Pigmente sind aufgrund ihrer geringen Löslichkeit und chemischen Stabilität noch als Lebensmittel- und Arzneimittelzusatzstoffe zugelassen:

Version vom 30. Mai 2026, 07:19 Uhr

Verwendung von Pigmenten in der damaligen Medizin

In der vor-modernen Medizin gab es keine klare Trennung zwischen Pigmenten, Kosmetika und Arzneimitteln. Viele Farbstoffe waren Metallsalze oder Mineralien und wurden aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften, ihrer Farbe nach der Signaturenlehre oder ihres hohen Preises als Heilmittel eingesetzt.

Damalige Verwendung

1. Zinnober – Quecksilbersulfid, rot

  • Anwendung: Äußerlich als Salbe gegen Syphilis, Ekzeme und Hautinfektionen. In der chinesischen und arabischen Medizin auch innerlich in sehr geringen Dosen als Tonikum.
  • Wirkung: Stark antiseptisch durch freigesetzte Quecksilberionen.
  • Problem: Hohe Toxizität führte zu Quecksilbervergiftungen.

2. Bleiweiß – Blei(II)-carbonat, weiß

  • Anwendung: Weit verbreitet im Römischen Reich und Mittelalter als Wundsalbe, gegen Hautausschlag und als Schönheitsmittel zur Hautaufhellung.
  • Wirkung: Adstringierend und austrocknend.
  • Problem: Systemische Bleivergiftung. Die Erkrankung von Malern war bekannt, der Zusammenhang wurde aber nicht verstanden.

3. Ocker – Eisenoxid, gelb/rot/braun

  • Anwendung: Im alten Ägypten, bei Griechen und Römern als Wundpulver, Blutstiller und Mittel gegen Durchfall.
  • Wirkung: Austrocknend, leicht desinfizierend und adstringierend.
  • Bewertung: Relativ sicher und wirksam. Abkömmlinge finden sich noch heute in Wundpudern.

4. Malachit – Kupfercarbonat, grün

  • Anwendung: Im alten Ägypten als Augenschminke und Augensalbe gegen bakterielle Infektionen.
  • Wirkung: Kupferionen wirken antimikrobiell.
  • Problem: Bei oraler Aufnahme toxisch.

5. Lapislazuli / Ultramarin – blau

  • Anwendung: Mittelalterliche Klostermedizin. Gemahlener Stein wurde gegen Melancholie, Gelbsucht und „schlechte Säfte“ verschrieben.
  • Wirkung: Hauptsächlich Placebo-Effekt durch den hohen Wert des Materials. Spurenelemente können eine geringe Wirkung gehabt haben.

6. Berliner Blau – Eisen(III)-hexacyanoferrat(II), blau

  • Anwendung: Ab dem 18. Jahrhundert als Antidot bei Vergiftungen mit Thallium und radioaktivem Cäsium.
  • Wirkung: Bildet unlösliche Komplexe im Darm, die ausgeschieden werden.
  • Bewertung: Bis heute als „Prussian Blue“ in der Notfallmedizin zugelassen.

Warum sie heute nicht mehr verwendet werden

Die meisten historischen Pigmente verschwanden aus der Medizin aus drei Gründen:

  1. Toxizität: Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Kupfer reichern sich im Körper an und verursachen chronische Vergiftungen.
  2. Undefinierte Zusammensetzung: Natürliche Mineralien enthalten Verunreinigungen. Dosierung und Wirkung waren nicht reproduzierbar.
  3. Entwicklung synthetischer Wirkstoffe: Ab dem 19. Jahrhundert konnten wirksame Substanzen isoliert, gereinigt und gezielt synthetisiert werden. Aspirin, Antibiotika und moderne Antiseptika sind sicherer und effektiver.

Die Signaturenlehre und der Glaube „Teuer gleich wirksam“ verloren mit dem Aufkommen der wissenschaftlichen Pharmazie ihre Grundlage.

Pigmente, die heute noch Verwendung finden

Einige anorganische Pigmente sind aufgrund ihrer geringen Löslichkeit und chemischen Stabilität noch als Lebensmittel- und Arzneimittelzusatzstoffe zugelassen:

Pigment Chemische Formel E-Nummer Verwendung
Titandioxid TiO₂ E171 Weißpigment in Tablettenüberzügen, Salben, Sonnencremes als physikalischer UV-Filter
Eisenoxid gelb FeO(OH) E172(i) Färbemittel für Tabletten, Kapseln, Kosmetika
Eisenoxid rot Fe₂O₃ E172(ii) Färbemittel für Tabletten, Kapseln, Kosmetika
Eisenoxid schwarz Fe₃O₄ E172(iii) Färbemittel für Tabletten, Kapseln, Kosmetika
Zinkoxid ZnO Hauptbestandteil von Zinksalben und Wundpudern, adstringierend und schwach antimikrobiell
Berliner Blau Fe₄[Fe(CN)₆]₃ E538 Antidot bei Thallium- und Cäsiumvergiftung, als Lebensmittelzusatzstoff nur in Salz zugelassen

Hinweis: Die moderne Verwendung beschränkt sich auf Pigmente, die im Körper nicht löslich sind und daher nicht resorbiert werden. Sie dienen primär als Färbemittel, UV-Schutz oder äußerliche Therapeutika. E171 Titandioxid ist seit 2022 in der EU als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr zugelassen, in Arzneimitteln aber weiterhin erlaubt.

Quellen

  • Kraft, Alexander: Berliner Blau. Vom frühneuzeitlichen Pigment zum modernen Hightech-Material. GNT-Verlag, 2017. ISBN 978-3-86225-118-6
  • Wentrup, Curt: The Gold-Maker of Animal Oil and Prussian Blue Fame – The Chemical and Medicinal Science Philosophy of Johann Conrad Dippel. The Chemical Record, 2025, 25(7), e202500043.
  • Cabinet Magazine: Colors / Prussian Blue. Online verfügbar: cabinetmagazine.org
  • Europäische Kommission: EU-Verordnung über Lebensmittelzusatzstoffe. Verordnung (EG) Nr. 1333/2008, Anhang II.
  • Römpp Lexikon Chemie: Stichwörter Pigmente, anorganische und Blutlaugensalz.