Seifenkraut als Waschmittel: Unterschied zwischen den Versionen

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* Bühring, Ursel: ''Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde'', Haug Verlag 2009
 
* Bühring, Ursel: ''Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde'', Haug Verlag 2009
 
* Schweppe, Helmut: ''Handbuch der Naturfarbstoffe und Naturfärbungen'', ecomed 1993
 
* Schweppe, Helmut: ''Handbuch der Naturfarbstoffe und Naturfärbungen'', ecomed 1993
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==Bildquelle==
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https://de.wikipedia.org

Aktuelle Version vom 3. Mai 2026, 18:39 Uhr

Saponaria-officinalis-plant.jpg

Waschmittel

Der kleine Alchemist
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├─ [[Soda
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└─ Seifenkraut als Waschmittel

Seifenkraut als Waschmittel

Das Echte Seifenkraut (Saponaria officinalis) ist eine heimische Wild- und Heilpflanze aus der Familie der Nelkengewächse. Aufgrund des hohen Gehalts an Saponinen in Wurzel und Kraut wurde es seit der Antike als Waschmittel für Textilien verwendet. Der lateinische Artname officinalis kennzeichnet es als traditionelle Arznei- und Nutzpflanze.

Wirkungsweise

Alle Pflanzenteile, besonders die Wurzel (Radix Saponariae), enthalten 2–20 % Triterpensaponine. Diese Stoffe setzen die Oberflächenspannung von Wasser herab und wirken als natürliche Tenside. Sie lösen Schmutz und Fette von Fasern und erzeugen einen stabilen, feinporigen Schaum. Die Waschwirkung ist stark, dabei aber sehr faserschonend.

Wegen dieser Eigenschaften wird Seifenkraut bis heute in der Textilrestaurierung zum Reinigen historischer, empfindlicher Gewebe aus Wolle und Seide eingesetzt.

Herstellung von Seifenkraut-Waschmittel

Zutaten für eine Waschladung

  • 50 g getrocknete, geschnittene Seifenkrautwurzel oder
  • 100 g frisches Kraut mit Wurzelanteil
  • 1 Liter Wasser

Zubereitung

1. Auskochen: Die zerkleinerte Wurzel oder das Kraut mit kaltem Wasser ansetzen, zum Kochen bringen und 15 Minuten leicht köcheln lassen.

2. Abseihen: Den Sud durch ein feines Tuch oder Sieb abseihen. Die Pflanzenteile können kompostiert werden. Der fertige Sud hat eine gelbliche Farbe, riecht leicht süßlich und schäumt beim Schütteln stark.

3. Anwendung: Für eine Waschmaschinenladung werden ca. 200 ml des Suds verwendet. Er wird direkt zur Wäsche in die Trommel oder in die Waschmittelschublade gegeben. Die empfohlene Temperatur für Wolle und Seide beträgt 30 °C. Starkes Schleudern sollte vermieden werden.

Haltbarkeit und Lagerung

Der frische Sud ist im Kühlschrank 5–7 Tage haltbar. Zur Konservierung kann er portionsweise eingefroren werden. Die getrocknete Wurzel ist bei trockener, dunkler Lagerung mehrere Jahre haltbar.

Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
Sehr hohe Waschkraft bei gleichzeitig hoher Faserschonung Wildvorkommen sind regional geschützt, Sammeln nicht überall erlaubt
Ideal für Wolle, Seide und historische Textilien Geringere Wirkung bei starken Fett- und Eiweißflecken
Biologisch vollständig abbaubar Kein bleichender Effekt, daher für weiße Wäsche nur bedingt geeignet
Starke Schaumbildung auch in kaltem Wasser Sud kann bei empfindlichen Personen Schleimhäute reizen

Der Sud darf nicht innerlich angewendet werden, da Saponine in höherer Dosis die Schleimhäute reizen und zu Übelkeit führen können.

Historische Verwendung

Die Verwendung ist seit der römischen Antike belegt. Im Mittelalter kultivierten Klöster das Seifenkraut in eigenen Kräutergärten als „Waschwurz“ zur Reinigung der Ordenskleidung. Wegen der schonenden Wirkung war es bis ins 19. Jahrhundert das bevorzugte Waschmittel für hochwertige Woll- und Seidenstoffe. Mit der Einführung industrieller Seifen und Waschmittel geriet es in Vergessenheit.

Heute wird es in der Denkmalpflege und von Textilrestauratoren verwendet. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz reinigt damit beispielsweise Tapisserien.

Abgrenzung zur Rosskastanie

Im Vergleich zur Rosskastanie enthält Seifenkraut mehr Saponine und erzeugt stärkeren Schaum. Es ist dadurch waschaktiver, aber auch aufwendiger in der Beschaffung. Während Kastanien als „Not-Waschmittel“ in Kriegszeiten dienten, galt Seifenkraut als „Luxus-Waschmittel“ für wertvolle Textilien.

Literatur

  • Bühring, Ursel: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Haug Verlag 2009
  • Schweppe, Helmut: Handbuch der Naturfarbstoffe und Naturfärbungen, ecomed 1993

Bildquelle

https://de.wikipedia.org