Seife sieden mit Kalilauge: Unterschied zwischen den Versionen

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== Seife sieden mit Kalilauge ==
 
== Seife sieden mit Kalilauge ==
  

Aktuelle Version vom 22. April 2026, 17:28 Uhr

Kernseife-Deko.png

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Der kleine Alchemist
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Seife sieden mit Kalilauge

Seifensieden ist die chemische Reaktion von Fett mit einer starken Lauge. Mit Kalilauge aus Holzasche entsteht traditionell Schmierseife – eine weiche bis flüssige Seife. Durch Aussalzen lässt sich daraus feste Kernseife gewinnen.

Was geschieht bei der Verseifung

Fette und Öle sind chemisch Triglyceride: Glycerin, an das drei Fettsäuren gebunden sind. Kalilauge (KOH) spaltet diese Verbindung auf:

Fett + Kalilauge → Kaliumsalze der Fettsäuren + Glycerin

Die Kaliumsalze der Fettsäuren sind die eigentliche Seife. Das Glycerin bleibt in der Schmierseife enthalten und wirkt rückfettend.

Warum Seife Schmutz löst: Seifenmoleküle haben zwei Enden: 1. Ein wasserliebendes, salzartiges Ende = hydrophil. Das bindet sich an Wasser. 2. Ein wasserabweisendes, fettartiges Ende = lipophil. Das bindet sich an Fett und Schmutz.

Im Wasser bilden Seifenmoleküle winzige Kügelchen, Mizellen. Die fettliebenden Enden zeigen nach innen und schließen den Schmutz ein. Die wasserliebenden Enden zeigen nach außen. So wird Fett wasserlöslich und lässt sich abspülen. Gleichzeitig setzt Seife die Oberflächenspannung des Wassers herab – es „benetzt“ besser und dringt in Gewebe und Poren ein.

Warum die Verseifung weitergeht: Beim Anrühren reagiert nicht alles Fett sofort. In der frischen Seife ist noch freie Lauge. Erst während der Reifezeit von 4–6 Wochen reagiert die restliche Lauge mit den Fettresten. Deshalb ist frische Seife ätzend und muss reifen.

Unterschied: Schmierseife vs. Kernseife

Lauge Produkt Konsistenz Glycerin
Kalilauge (KOH) Schmierseife Weich, paste- bis flüssig Bleibt in der Seife
Natronlauge (NaOH) Kernseife Hart, fest Bleibt in der Seife
Kalilauge + Aussalzen mit NaCl Kernseife Hart, fest Wird mit Lauge ausgewaschen

Schmierseife aus Kalilauge war historisch üblich, weil Pottasche leichter verfügbar war als Soda. Für feste Seife wurde die Schmierseife mit Kochsalz „ausgesalzen“. Das Salz entzieht der Seife das Wasser und trennt sie von Lauge und Glycerin. Übrig bleibt feste Kernseife.

Rezept: Einfache Schmierseife im Heißverfahren

Warnung:
Seife sieden ist Chemie mit ätzender Lauge. Schutzbrille, Handschuhe und lange Kleidung sind Pflicht. Kinder und Haustiere fernhalten. Nur im Freien oder bei guter Belüftung arbeiten. Nie Aluminiumgefäße verwenden!

Material

  • 500 g Fett: Schweineschmalz, Rindertalg oder Olivenöl. Für den Anfang: 300 g Olivenöl + 200 g Kokosfett
  • 130 g starke Kalilauge aus Holzasche, geprüft mit Ei-Test. Muss das Ei tragen.
  • 150 ml Wasser zum Verdünnen, falls Lauge zu stark
  • Edelstahltopf, Holz- oder Edelstahllöffel, Stabmixer aus Edelstahl
  • pH-Streifen oder Rotkohlindikator zum Prüfen
  • Formen: Gläser, Holzschachtel mit Backpapier

Durchführung

1. Sicherheitscheck: Schutzbrille und Handschuhe an. Essig zum Neutralisieren bereitstellen.
2. Fett schmelzen: Fett im Edelstahltopf auf ca. 50°C erwärmen. Nicht über 70°C.
3. Lauge prüfen: Kalilauge muss handwarm sein. Ei-Test: Schwimmt das Ei und schaut 1-Euro-Stück groß heraus, passt die Stärke. Ist sie zu stark, mit wenig Wasser verdünnen.
4. Verrühren: Lauge langsam unter Rühren zum flüssigen Fett gießen. Nie umgekehrt – Spritzgefahr.
5. Pürieren: Mit Stabmixer rühren bis die Masse andickt wie Pudding. Das nennt man „Abzeichnen“. Dauert 2–10 Min.
6. Verseifen: Topf auf kleiner Flamme unter Rühren 60–90 Min köcheln lassen. Die Masse wird glasig und zäh. Nicht anbrennen lassen.
7. Prüfen: Drei Methoden:

  • pH-Test: Kleine Probe in dest. Wasser lösen. pH 9–10 ist fertig, pH >11 ist noch ätzend.
  • Schäumtest: Erbsengroße Probe zwischen nassen Fingern verreiben. Schäumt es ohne Brennen, ist die Seife gut.
  • Zungentest nur für Erfahrene: Prickelnd wie Batterie = noch ätzend. Neutral = fertig.

8. Abfüllen: Heiße Seife zügig in Gläser, Tiegel oder mit Backpapier ausgelegte Holzformen füllen. Ergibt ca. 800 g Schmierseife.
9. Reifen: Offen, staubgeschützt mindestens 4 Wochen stehen lassen. Die Verseifung läuft weiter, freie Lauge reagiert mit Fettresten, pH sinkt von 11 auf 9–10, Seife wird milder.

Aussalzen zu fester Kernseife

1. Fertige heiße Schmierseife mit der gleichen Menge heißem Wasser verdünnen und aufkochen bis alles flüssig ist.
2. Gesättigte Kochsalzlösung zugeben: 35 g Salz auf 100 ml Wasser auflösen. So viel zugeben bis sich die Seife abscheidet. Die feste Kernseife schwimmt als Klumpen oben, unten bleibt die salzige Unterlauge mit Glycerin.
3. Kern mit Schaumlöffel abschöpfen, in Formen pressen, 1–2 Tage trocknen lassen. Die Unterlauge kann verdünnt als Waschmittel oder Dünger genutzt werden.

Fehler & Risiken

  • Seife bleibt ätzend: Zu viel Lauge oder zu kurze Reifezeit. Lösung: 2–4 Wochen länger reifen lassen oder mit 10 % mehr Fett neu sieden und vermischen.
  • Seife wird nicht fest: Zu wenig Lauge, zu viel Wasser oder falsches Fett. Reine Olivenölseife bleibt immer weich. Kokosfett oder Talg macht fest.
  • Trennen/Phasen: Wenn sich Fett und Lauge trennen, war die Temperatur zu niedrig oder zu wenig gerührt. Nochmal auf 50°C erwärmen und stark mixen bis zum Abzeichnen.
  • Seife schäumt nicht: Zu wenig Kokosfett oder zu kurze Verseifungszeit. Reine Talgseife schäumt schlecht, reinigt aber gut.