Kalilauge aus Holzasche: Unterschied zwischen den Versionen

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== Anwendungen von Kalilauge ==
 
== Anwendungen von Kalilauge ==
 
 
Kalilauge aus Holzasche war vor der industriellen Chemie das universelle Reinigungs- und Aufschlussmittel. Je nach Konzentration unterscheidet man zwischen schwacher Pottasche-Lauge (K₂CO₃) und starker, kaustifizierter Lauge (KOH).
 
Kalilauge aus Holzasche war vor der industriellen Chemie das universelle Reinigungs- und Aufschlussmittel. Je nach Konzentration unterscheidet man zwischen schwacher Pottasche-Lauge (K₂CO₃) und starker, kaustifizierter Lauge (KOH).
 
=== Haushalt ===
 
1. '''Geschirr & Töpfe reinigen'''  <br>
 
Heiße, schwache Aschelauge löst Fett und Eingebranntes. Anwendung: Töpfe aus Gusseisen oder Emaille mit Lauge füllen, einweichen, schrubben. Nicht für Aluminium geeignet. Immer mit klarem Wasser nachspülen.
 
 
2. '''Wäsche waschen – „Lauge kochen“'''  <br>
 
Traditionelles Waschverfahren für weiße Wäsche aus Leinen, Hanf oder Baumwolle. Wäsche wurde in schwacher Lauge eingeweicht oder gekocht. Wirkt fettlösend und leicht
 
 
 
Genau, die einfache Aschelauge war der Allzweckreiniger unserer Urgroßeltern. „Seifig zwischen den Fingern“ hieß: funktioniert zum Waschen.
 
Genau, die einfache Aschelauge war der Allzweckreiniger unserer Urgroßeltern. „Seifig zwischen den Fingern“ hieß: funktioniert zum Waschen.
 
'''Was man mit der einfachen Kalilauge aus Asche noch alles gemacht hat:'''
 
  
 
'''Haushalt & Hygiene:'''<br>
 
'''Haushalt & Hygiene:'''<br>
 
1. *Geschirr & Töpfe*: Der Klassiker. Heiße Aschelauge löst Fett besser als moderne Spülis. Danach mit klarem Wasser nachspülen.<br>
 
1. *Geschirr & Töpfe*: Der Klassiker. Heiße Aschelauge löst Fett besser als moderne Spülis. Danach mit klarem Wasser nachspülen.<br>
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Heiße, schwache Aschelauge löst Fett und Eingebranntes. Anwendung: Töpfe aus Gusseisen oder Emaille mit Lauge füllen, einweichen, schrubben. Nicht für Aluminium geeignet. Immer mit klarem Wasser nachspülen.<br>
 
2. *Wäsche waschen*: Weiße Wäsche wurde in Lauge eingeweicht oder gekocht = „Lauge kochen“. Macht Fasern sauber und bleicht leicht. Nur für Leinen, Hanf, Baumwolle. Nicht für Wolle/Seide — die lösen sich auf.<br>
 
2. *Wäsche waschen*: Weiße Wäsche wurde in Lauge eingeweicht oder gekocht = „Lauge kochen“. Macht Fasern sauber und bleicht leicht. Nur für Leinen, Hanf, Baumwolle. Nicht für Wolle/Seide — die lösen sich auf.<br>
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Traditionelles Waschverfahren für weiße Wäsche aus Leinen, Hanf oder Baumwolle. Wäsche wurde in schwacher Lauge eingeweicht oder gekocht. Wirkt fettlösend und leicht<br>
 
3. *Körperpflege*: Stark verdünnt als Haarwaschmittel gegen Läuse. Macht aber die Haare stumpf, deshalb danach mit saurer Spülung = Essigwasser.<br>
 
3. *Körperpflege*: Stark verdünnt als Haarwaschmittel gegen Läuse. Macht aber die Haare stumpf, deshalb danach mit saurer Spülung = Essigwasser.<br>
 
4. *Scheuermittel*: Holzdielen, Tischplatten, Melkeimer wurden mit Lauge + Sand gescheuert.<br>
 
4. *Scheuermittel*: Holzdielen, Tischplatten, Melkeimer wurden mit Lauge + Sand gescheuert.<br>

Version vom 22. April 2026, 16:53 Uhr

Kalilauge aus Holzasche

Kalilauge ist eine wässrige Lösung von Kaliumhydroxid (KOH) und Kaliumcarbonat (K₂CO₃). Sie wurde traditionell durch Auslaugen von Holzasche mit Wasser gewonnen und ist die Grundlage für Schmierseife, Reinigungsmittel und historische Gerbverfahren.

Prinzip

Holzasche enthält 10–30 % Kaliumcarbonat, auch Pottasche genannt. In Wasser gelöst entsteht eine alkalische Lauge. Durch Reaktion mit Calciumhydroxid aus gebranntem Kalk lässt sich Pottasche in das ätzendere Kaliumhydroxid umwandeln. Für viele Autarkie-Anwendungen reicht aber die „einfache“ Lauge aus Asche + Wasser.

Herstellung: Die kalte Auslaugung

Dies ist die sicherste Methode ohne Kochen und ohne Ätzkalk.

Material

  • 1 Teil gesiebte, kalte Holzasche aus unbehandeltem Hartholz
  • 2 Teile Regenwasser oder weiches Wasser – kein Leitungswasser mit Kalk
  • 2 Eimer aus Kunststoff, Holzbohrer oder Hahn unten
  • Filtertuch, alte Leinentücher oder Stroh
  • Glasbehälter zur Lagerung
  • Gummihandschuhe, Schutzbrille

Durchführung

1. In den ersten Eimer unten Löcher bohren und mit Stroh + Tuch auslegen. Das ist der Filter. 2. Gesiebte Asche einfüllen, nicht pressen. 3. Langsam mit Regenwasser übergießen, bis die Asche gut bedeckt ist. Verhältnis 1:2 Asche zu Wasser. 4. 24–48 Stunden stehen lassen. Die Lauge tropft in den zweiten Eimer. 5. Den Vorgang mit frischem Wasser 1–2 mal wiederholen, um die Asche komplett auszulaugen. Die ersten Durchläufe ergeben die stärkste Lauge.

Wichtig: Nur Asche aus naturbelassenem Holz. Asche aus Spanplatten, lackiertem oder imprägniertem Holz ergibt giftige Lauge.

Prüfung der Konzentration der Lauge

Vor 1800 gab es keine pH-Streifen. Man nutzte zwei einfache, aber zuverlässige Tests:

1. Fingerprobe: Ein Tropfen Lauge zwischen Daumen und Zeigefinger fühlt sich sofort „seifig-schmierig“ an. Das ist die beginnende Verseifung der Hautfette. Nicht lange einwirken lassen, danach gut mit Wasser abspülen. Vorsicht: Bei starker Lauge brennt es nach wenigen Sekunden.

2. Ei-Test: Ein frisches rohes Ei vorsichtig in die Lauge legen. Schwimmt das Ei und schaut eine Fläche etwa von der Größe eines 1-Euro-Stücks aus der Lauge, ist die Konzentration stark genug für Seife. Sinkt das Ei auf den Boden, ist die Lauge zu schwach. Steht es senkrecht im Glas oder schwimmt nur knapp, ist sie mittelstark und gut für Reiniger geeignet.

Eine starke Lauge für Seife hat etwa pH 13–14 und 15–25 % KOH/K₂CO₃.

Anwendungen von Kalilauge

Kalilauge aus Holzasche war vor der industriellen Chemie das universelle Reinigungs- und Aufschlussmittel. Je nach Konzentration unterscheidet man zwischen schwacher Pottasche-Lauge (K₂CO₃) und starker, kaustifizierter Lauge (KOH). Genau, die einfache Aschelauge war der Allzweckreiniger unserer Urgroßeltern. „Seifig zwischen den Fingern“ hieß: funktioniert zum Waschen.

Haushalt & Hygiene:
1. *Geschirr & Töpfe*: Der Klassiker. Heiße Aschelauge löst Fett besser als moderne Spülis. Danach mit klarem Wasser nachspülen.
Heiße, schwache Aschelauge löst Fett und Eingebranntes. Anwendung: Töpfe aus Gusseisen oder Emaille mit Lauge füllen, einweichen, schrubben. Nicht für Aluminium geeignet. Immer mit klarem Wasser nachspülen.
2. *Wäsche waschen*: Weiße Wäsche wurde in Lauge eingeweicht oder gekocht = „Lauge kochen“. Macht Fasern sauber und bleicht leicht. Nur für Leinen, Hanf, Baumwolle. Nicht für Wolle/Seide — die lösen sich auf.
Traditionelles Waschverfahren für weiße Wäsche aus Leinen, Hanf oder Baumwolle. Wäsche wurde in schwacher Lauge eingeweicht oder gekocht. Wirkt fettlösend und leicht
3. *Körperpflege*: Stark verdünnt als Haarwaschmittel gegen Läuse. Macht aber die Haare stumpf, deshalb danach mit saurer Spülung = Essigwasser.
4. *Scheuermittel*: Holzdielen, Tischplatten, Melkeimer wurden mit Lauge + Sand gescheuert.

Haus, Hof & Werkstatt:
5. *Holzbau*: Frisches Eichen- oder Lärchenholz wird mit Lauge gelaugt. Zieht Gerbsäure raus, Holz vergilbt nicht, wird heller und nimmt Lasuren besser an. Heute noch bei Dielenböden gemacht.
6. *Stalldesinfektion*: Wände und Krippen mit Lauge kalken gegen Keime, Parasiten, Pilz. Ätzend genug um Bakterien zu killen.
7. *Käseherstellung*: Formen und Tücher in Lauge auskochen zum Entkeimen.
8. *Felle enthaaren*: Erster Schritt beim Gerben. Felle 2–3 Tage in Lauge = „Äscher“. Lockert die Haare, die lassen sich dann abschaben.

Garten & Landwirtschaft:
9. *Baumanstrich*: Stämme im Winter mit verdünnter Lauge streichen. Gegen Frostschäden, Moose, Flechten, Eier von Schädlingen.
10. *Sämereien beizen*: Alte Methode: Saatgut kurz in dünne Lauge tauchen gegen Pilzsporen. Danach sofort abspülen und trocknen.
11. *Laugengebäck*: Mit 3–4%iger Lauge bestrichen bekommen Brezeln ihre Farbe und den typischen Geschmack. Mit selbstgemachter Lauge aber riskant, weil Stärke schwankt.

Handwerk:
12. *Bleichen*: Leinen, Stroh für Hüte, Federn wurden in Lauge gebleicht.
13. *Glas herstellen*: Pottasche + Sand + Kalk = Glas. Die Lauge war der Kalium-Lieferant.
14. *Farben aufschließen*: Naturfarben wie Indigo brauchen alkalisches Bad um zu lösen.

Wichtiger Unterschied:
- *Schwache Aschelauge* = K₂CO₃, pH ∼11-12 → Waschen, Reinigen, Garten
- *Starke, kaustifizierte Lauge* = KOH, pH ∼14 → Seife sieden, Äscher, Abflussfrei

Für Geschirr und Wäsche reicht die einfache Lauge aus dem Eimer. Für Seife brauchst du die starke.