Berliner Blau

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Geschichte und Entdeckung von Berliner Blau

Berliner Blau, chemisch Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) mit der Formel Fe₄[Fe(CN)₆]₃, ist das erste synthetische, nicht in der Natur vorkommende Pigment der Neuzeit.

Die Entdeckung erfolgte um 1704 in Berlin durch Zufall. Der Farbenmacher Johann Jacob Diesbach wollte eigentlich Karmesinrot herstellen und verwendete dabei Pottasche, die er sich vom Alchemisten Johann Konrad Dippel borgte. Diese Pottasche war mit Dippels Öl verunreinigt – einem Produkt der Pyrolyse von Tierblut und Knochen.

Als Diesbach das Gemisch mit Eisenvitriol zusammenbrachte, entstand statt Rot ein tiefes, leuchtendes Blau. Dippel analysierte den Vorgang und erkannte, dass die Stickstoffverbindungen aus dem Blut mit der Pottasche Kaliumferrocyanid bildeten, welches mit Eisen zu Berliner Blau reagierte.

Das Pigment wurde schnell populär, da es billiger und lichtechter war als Ultramarin, das damals mehr als Gold kostete. Es fand Verwendung in der Malerei, für preußische Militäruniformen und später in der Cyanotypie.

Heim- bzw. Schulexperiment

Berliner Blau lässt sich im Schullabor einfach nachstellen. Der historische Weg über Tierblut wird heute nicht mehr verwendet.

Benötigte Chemikalien

  • Kaliumhexacyanoferrat(II) K₄[Fe(CN)₆] – auch gelbes Blutlaugensalz genannt
  • Eisen(III)-chlorid FeCl₃ oder Eisen(III)-sulfat Fe₂(SO₄)₃
  • Destilliertes Wasser

Durchführung

Die wässrigen Lösungen von Kaliumhexacyanoferrat(II) und Eisen(III)-salz werden zusammengegeben. Es fällt sofort ein tiefblauer Niederschlag aus:

3 K₄[Fe(CN)₆] + 4 FeCl₃ → Fe₄[Fe(CN)₆]₃↓ + 12 KCl

Das gebildete Fe₄[Fe(CN)₆]₃ ist der tiefblaue Niederschlag Berliner Blau.

Hinweis: Kaliumhexacyanoferrat(II) ist selbst ungiftig, da das Cyanid fest im Komplex gebunden ist. Bei Erhitzen mit Säure kann jedoch Blausäure HCN freigesetzt werden. Das Experiment sollte nur mit Schutzbrille und Handschuhen durchgeführt werden. Der Niederschlag gehört in den Sondermüll.

Beobachtung

Es entsteht ein intensiv blauer, unlöslicher Niederschlag. Die Farbe ist lichtecht und deckend.

Verwendung in der damaligen Medizin

Pigmente spielten in der vor-modernen Medizin eine doppelte Rolle als Farbstoff und Heilmittel.

Berliner Blau selbst wurde ab dem 18. Jahrhundert als Antidot bei Schwermetallvergiftungen eingesetzt. Es bindet Thallium- und Cäsiumionen im Darm, sodass diese ausgeschieden werden können. Unter dem Namen „Prussian Blue“ ist es bis heute in der Notfallmedizin zugelassen.

Andere Pigmente waren ebenfalls weit verbreitet:

  • Zinnober (Quecksilbersulfid): Äußerlich gegen Hautkrankheiten und Syphilis. Hochgiftig, heute obsolet.
  • Ocker (Eisenoxid): Als Wundpulver und Blutstiller, wirkt austrocknend und leicht desinfizierend.
  • Malachit (Kupfercarbonat): In Ägypten als Augensalbe gegen Infektionen verwendet.
  • Bleiweiß: Als Salbe gegen Hautausschlag, verursachte jedoch häufig Bleivergiftungen.
  • Lapislazuli: Gemahlen als Mittel gegen Melancholie und Gelbsucht verschrieben, hauptsächlich aufgrund des Placebo-Effekts.

Die Grenze zwischen Pigment, Kosmetik und Arzneimittel war bis ins 18. Jahrhundert fließend. Erst mit der Entwicklung der modernen Chemie wurden die wirksamen Bestandteile isoliert und gezielt eingesetzt.