Natron

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Kaisernatron

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Natron

Natron (Natriumhydrogencarbonat, NaHCO₃), auch bekannt als Natriumhydrogenkarbonat, Backsoda, Speisesoda oder Baking Soda, ist ein feines, weißes Salz der Kohlensäure. Es ist ein vielseitig einsetzbares Hausmittel und wird in Küche, Haushalt und Körperpflege verwendet.

Eigenschaften

Natron ist ein schwach basisches Salz. In Verbindung mit Säuren oder beim Erhitzen zersetzt es sich unter Freisetzung von Kohlenstoffdioxid (CO₂). Diese Reaktion ist die Grundlage für viele seiner Anwendungen. In Wasser gelöst reagiert es leicht alkalisch mit einem pH-Wert von etwa 8,5. Zudem wirkt es mild abrasiv und geruchsneutralisierend.

Historische Verwendung

Die Nutzung von Natron ist seit der Antike belegt. Im Alten Ägypten wurde natürlich vorkommendes Natron, das als Trona bezeichnet wurde, aus ausgetrockneten Salzseen gewonnen. Es war ein wichtiger Bestandteil des Mumifizierungsprozesses, da es dem Körper Wasser entzog. Weiterhin nutzten die Ägypter es zur Herstellung von Glas, zur Körperreinigung und als Zusatz in der Medizin.

Der Name "Natron" leitet sich vom ägyptischen netjerj und dem griechischen nitron ab. Der Begriff gelangte über das Arabische natrun in die europäischen Sprachen. Plinius der Ältere beschrieb die Gewinnung und Verwendung bereits im 1. Jahrhundert in seiner Naturalis historia.

Im 18. Jahrhundert gelang die synthetische Herstellung im großen Maßstab durch das Leblanc-Verfahren, später durch das Solvay-Verfahren. Damit wurde Natron für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und fand Einzug in jeden Haushalt.

Name und Markengeschichte „Kaisernatron“

Die Bezeichnung „Kaisernatron“ ist kein chemischer Fachbegriff, sondern ein Markenname. Er wurde 1901 von der Firma Holste aus Bielefeld eingeführt, die heute zur Dr. August Oetker KG gehört.

Zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs war es üblich, Produkten durch Bezüge zur Monarchie eine besondere Qualität zuzuschreiben. Der Name „Kaiser-Natron“ und das Porträt von Kaiser Wilhelm I. auf der Verpackung sollten Reinheit und deutsche Wertarbeit signalisieren. Nach dem Ende der Monarchie 1918 wurde der etablierte Markenname als „Kaisernatron“ in einem Wort beibehalten.

Chemisch besteht zwischen Kaisernatron und anderen Handelsmarken für Natron kein Unterschied. Es handelt sich in allen Fällen um reines Natriumhydrogencarbonat.

Anwendungen im Haushalt

Bereich Anwendung Wirkungsweise
Küche Backtriebmittel In Verbindung mit Säure (z. B. Essig, Zitronensaft, Joghurt) entsteht CO₂, das Teige lockert.
Reinigung Scheuerpulver Die feinen Kristalle wirken mild abrasiv und entfernen Beläge ohne Oberflächen zu zerkratzen.
Wäsche Wasserenthärter Bindet Kalk im Wasser und erhöht so die Waschkraft von Seifen und Waschmitteln.
Geruchsbindung Geruchsneutralisator Neutralisiert Säuren, die für viele unangenehme Gerüche verantwortlich sind, anstatt sie zu überdecken.
Abfluss Rohrreiniger Die Reaktion von Natron mit Essig erzeugt Schaum und Wärme, die leichte Verstopfungen aus Fett und Haaren lösen können.

Anwendungen in der Körperpflege

Natron wird traditionell auch in der Körperpflege eingesetzt. Aufgrund seiner abrasiven und säureneutralisierenden Eigenschaften kann es zum Aufhellen von Zahnverfärbungen genutzt werden. Zahnärzte empfehlen jedoch, dies nur gelegentlich zu tun, da die abrasive Wirkung bei häufiger Anwendung den Zahnschmelz schädigen kann. Zudem enthält Natron kein Fluorid, das für die Remineralisierung und den Kariesschutz notwendig ist.

Als Deo-Ersatz wird eine kleine Menge Natronpulver in den Achselhöhlen aufgetragen. Es neutralisiert die Buttersäure, die durch bakterielle Zersetzung von Schweiß entsteht und für den Schweißgeruch verantwortlich ist.

Abgrenzung zu Soda

Natron (Natriumhydrogencarbonat) ist nicht zu verwechseln mit Waschsoda (Natriumcarbonat, Na₂CO₃). Soda ist wesentlich stärker basisch und wird primär als Reinigungs- und Waschmittel eingesetzt. Es ist nicht für den Verzehr oder die Körperpflege geeignet.

Sicherheitshinweise

Natron gilt als ungiftig. Der direkte Kontakt mit Augen kann Reizungen verursachen. Die innerliche Anwendung größerer Mengen kann den Säure-Basen-Haushalt stören. Oberflächen aus Aluminium und Naturstein wie Marmor sollten nicht mit Natron behandelt werden, da es zu Verfärbungen oder Mattierung führen kann.

Literatur

  • Lück, Erich: Von Abalone bis Zuckerwurz: Exotisches und Heimisches für Genießer, Springer 2000
  • Plinius der Ältere: Naturalis historia, Buch XXXI
  • Dr. Oetker Firmenarchiv: 100 Jahre Kaisernatron, Bielefeld 2001