Digitale Autarkie

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Digitale Autarkie

Digitale Autarkie bezeichnet die weitgehende Unabhängigkeit von zentralisierten, proprietären Technologien, Cloud-Diensten und Überwachungssystemen großer Konzerne (insbesondere Big Tech wie Google, Apple, Microsoft oder Amazon). Im Kontext des AutarkWikis steht der Begriff für die Fähigkeit von Individuen und kleinen Gemeinschaften, digitale Geräte, Software und Kommunikation selbstbestimmt und resilient zu nutzen – durch den Einsatz von Open Source, reparierbarer Hardware, dezentralen Systemen und datenschutzfreundlichen Alternativen.

Siehe: Wie funktioniert Meshtastic, Digitale Kommunikation mit Meshtastic, Volla Phone und Tablet, Alte Smartphones sinnvoll weiter verwenden, Digitale Autarkie, Autarkie

Abgrenzung zu „Digitaler Souveränität“

Der etablierte Begriff: Digitale Souveränität wird vor allem in politischen und wirtschaftlichen Debatten (z. B. von Bitkom, BMWK oder EU) verwendet und bedeutet in der Regel:

  • selbstbestimmtes Handeln im digitalen Raum,
  • steuerbare Abhängigkeiten,
  • Verfügbarkeit von Alternativen,
  • aber keine vollständige Unabhängigkeit (Autarkie wird explizit als unrealistisch und nicht erstrebenswert abgelehnt).

Digitale Autarkie geht einen Schritt weiter: Sie zielt auf maximale persönliche und technische Unabhängigkeit ab – auch wenn vollständige Autarkie in einer vernetzten Welt unmöglich ist. Es geht nicht um wirtschaftliche Abschottung, sondern um praktische Machbarkeit auf Ebene des Einzelnen: Weg von Zwang zu proprietären Ökosystemen, hin zu freier Wahl und Resilienz.

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Kernprinzipien der Digitalen Autarkie

  • De-Googling / De-Clouding: Ersatz proprietärer Dienste durch Open-Source-Alternativen (z. B. Volla Phone mit Ubuntu Touch oder Volla OS).
  • Reparierbare und offene Hardware: Geräte mit austauschbarem Akku, microSD-Slot und modularer Bauweise (z. B. Fairphone, PinePhone).
  • Dezentrale Kommunikation: Systeme wie Meshtastic für Off-Grid-Nachrichten ohne Internet oder Mobilfunk.
  • Datenschutz und Selbsthosting: Lokale Speicherung, eigene Server (z. B. Nextcloud) statt Cloud-Zwang.
  • Open Source First: Software, die man verstehen, anpassen und weiterentwickeln kann.

Warum Digitale Autarkie?

In einer Welt zunehmender Überwachung, Datenlecks, Zwangs-Updates und geopolitischer Risiken (z. B. Sanktionen gegen Cloud-Anbieter) bietet Digitale Autarkie:

  • Mehr Privatsphäre und Kontrolle über eigene Daten,
  • Resilienz in Krisen (Blackout, Netzsperren),
  • Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit und Reparierbarkeit,
  • Freiheit von Lock-in-Effekten proprietärer Systeme.

Beispiele aus dem AutarkWiki

Mobile Betriebssysteme für Datenschutz und Autarkie

Diese Übersicht listet datenschutzfreundliche und Google-freie mobile Betriebssysteme, die für mehr Digitale Autarkie geeignet sind. Die Systeme sind größtenteils Open Source und können ohne proprietäre Google-Dienste (Google Play Services) betrieben werden.

Betriebssystem Basis Google-Dienste Entwickler/Community Unterstützte Geräte (Beispiele) Besonderheiten Aktueller Status (Stand 2026)
GrapheneOS Android (AOSP) Keine (komplett entfernt) GrapheneOS-Team Google Pixel (offiziell), einige andere inoffiziell Höchste Sicherheits- und Privacy-Standards, Verified Boot, gehärteter Allocator, Titan M-Chip-Nutzung Sehr aktiv, regelmäßige Updates, empfohlen für maximale Sicherheit
CalyxOS Android (AOSP) Keine standardmäßig, microG optional Calyx Institute Google Pixel, Fairphone, Xiaomi (ausgewählte) Inkl. microG für App-Kompatibilität, Firewall (DroidWall), verschlüsselte Backups Aktiv, benutzerfreundlicher als GrapheneOS
/e/OS Android (AOSP) Keine, microG vorinstalliert e Foundation (Murena) Fairphone, Google Pixel, Samsung Galaxy (ca. 250 Modelle) Einfache Bedienung, eigener App-Store, Cloud-Dienste (Murena) Aktiv, stark wachsend, kommerzielle Unterstützung
LineageOS Android (AOSP) Keine standardmäßig, microG nachinstallierbar LineageOS-Community Über 200 Geräte (Samsung, Xiaomi, OnePlus, etc.) Größte Geräteauswahl, lange Update-Unterstützung für ältere Geräte Sehr aktiv, größte Community
Volla OS Android (AOSP) Keine, microG optional Hallo Welt Systeme GmbH Volla Phone/Tablets, Gigaset GS5 Optimiert für Volla-Hardware, einfache Oberfläche, Spring-Design Aktiv, speziell für Volla-Geräte
Ubuntu Touch Linux (Ubuntu) Keine UBports-Community Volla Phone, Fairphone, PinePhone, Google Pixel 3a, ältere OnePlus Vollständiges Linux-OS, Convergence (Desktop-Modus), Waydroid für Android-Apps Aktiv, OTA-Updates, Lomiri-Oberfläche
postmarketOS Linux (verschiedene Distros) Keine postmarketOS-Community PinePhone, Fairphone, ältere Android-Geräte Echte Linux-Distributionen (Alpine, Plasma Mobile, Phosh, sxmo) Aktiv, sehr experimentell, lange Laufzeiten
DivestOS Android (AOSP) Keine, Mull-Fennec-Browser integriert DivestOS-Team Viele Geräte (basierend auf LineageOS) Fokus auf Entfernen proprietärer Blobs, Sicherheits-Patches Aktiv, sehr privacy-orientiert
iodéOS Android (AOSP) Keine, microG optional iodé Fairphone, Google Pixel, OnePlus Integrierter Ad- und Tracker-Blocker, Datennutzungs-Übersicht Aktiv, französisches Projekt

Hinweise zur Auswahl

  • Für maximale Sicherheit: GrapheneOS (nur auf Pixel-Geräten)
  • Für breite Geräteunterstützung: LineageOS oder /e/OS
  • Für echtes Linux-Erlebnis: Ubuntu Touch oder postmarketOS (PinePhone/Pro)
  • Für Volla Phone-Nutzer: Volla OS oder Ubuntu Touch

Alternative Betriebssysteme für PCs

Diese Übersicht listet datenschutzfreundliche, stabile und weit verbreitete Alternativen zu Windows und macOS. Der Fokus liegt auf Systemen, die Digitale Autarkie fördern: Open Source, keine Telemetrie, volle Kontrolle und einfache Installation.

Betriebssystem Basis Empfohlen für Schwierigkeitsgrad Besonderheiten Aktueller Status (Stand 2026)
Linux Mint Ubuntu (Debian) Einsteiger, Windows-Umsteiger Sehr einfach Cinnamon-Oberfläche (windows-ähnlich), Multimedia-Codecs vorinstalliert, stabil Sehr aktiv, LTS-Versionen
Ubuntu Debian Allrounder, Desktop & Server Einfach Große Community, Snap-Pakete, offizielle Flavours (Kubuntu, Xubuntu etc.) Sehr aktiv, LTS alle 2 Jahre
Fedora Workstation Unabhängig (Red Hat) Moderne Hardware, Entwickler Mittel Neueste Software, Wayland standard, GNOME Sehr aktiv, 6-monatiger Release-Zyklus
Debian Unabhängig Stabile Systeme, Server Mittel Extrem stabil, konservative Updates, riesiges Paketarchiv Sehr aktiv, „Stable“ für Produktion
Arch Linux Unabhängig Fortgeschrittene, Custom-Systeme Schwer Rolling Release, AUR (Community-Pakete), pacman Sehr aktiv, Wiki als Goldstandard
Manjaro Arch-basiert Arch-Einsteiger Mittel Rolling Release, benutzerfreundliche Installer, Hardware-Erkennung Aktiv, stabile und testing Branches
openSUSE Tumbleweed Unabhängig Moderne Software, KDE-Fans Mittel Rolling Release, YaST-Konfigurationstool, Btrfs+Snapper Aktiv, Leap für LTS
Zorin OS Ubuntu Windows-Umsteiger Sehr einfach Windows-ähnliches Layout, vorinstallierte Alternativen (Wine, PlayOnLinux) Aktiv, Pro-Version mit Extra-Layouts
Pop!_OS Ubuntu Gamer, NVIDIA-Nutzer, Entwickler Einfach System76-eigenes COSMIC-Desktop (ab 2025), hervorragende NVIDIA-Treiber Sehr aktiv, ISO mit Recovery-Partition
Elementary OS Ubuntu Design-Liebhaber, macOS-Umsteiger Einfach Pantheon-Desktop, AppCenter, elegantes Design Aktiv, pay-what-you-want
Tails Debian Maximale Privatsphäre Mittel Live-System (USB), Tor standard, amnesisch Aktiv, für sensible Arbeiten
Qubes OS Fedora/Xen Sicherheit & Isolation Schwer Virtualisierung für Compartmentalisierung, Whonix-Integration Aktiv, für Paranoide & Journalisten

Hinweise zur Auswahl

  • Einsteiger & Windows-Umsteiger: Linux Mint, Zorin OS oder Pop!_OS
  • Maximale Stabilität: Debian oder Ubuntu LTS
  • Neueste Software: Fedora, Manjaro oder Tumbleweed
  • Höchste Sicherheit/Privatsphäre: Tails oder Qubes OS
  • Gaming: Pop!_OS oder Manjaro (mit Steam/Proton)

Alternative Betriebssysteme für Apple-Hardware und andere Plattformen

Während die meisten Alternativen zu Windows auf klassischen x86/AMD64-PCs laufen, gibt es auch Möglichkeiten, Digitale Autarkie auf Apple-Hardware (Macs mit Intel oder Apple Silicon) sowie auf exotischeren Plattformen wie ARM-Boards (Raspberry Pi, Pineboards) oder sogar RISC-V umzusetzen.

Plattform Betriebssystem Basis Schwierigkeitsgrad Besonderheiten Aktueller Status (Stand 2026)
Apple Mac (Intel) [Asahi Linux Arch Linux ARM / Fedora Mittel bis schwer Vollständige Unterstützung für GPU, Audio, Touchbar, Thunderbolt Sehr aktiv, Fedora Asahi Remix als offizieller Spin
Apple Mac (Apple Silicon M1/M2/M3/M4) Asahi Linux Arch Linux ARM / Fedora Mittel Native ARM-Unterstützung, GPU-Beschleunigung (seit 2024 vollständig), 16k-Pages, exzellente Batterielaufzeit Sehr aktiv, beste Linux-Option für moderne Macs
Apple Mac (Intel & Silicon) macOS (pur) mit Privacy-Tools Original Einfach OPN (Open Privacy Now), Macs ohne Telemetrie-Tools, Little Snitch, LuLu Firewall Machbar, aber bleibt proprietär
Apple Mac (Intel) Linux-Distributionen (Ubuntu, Debian, Mint) Standard x86 Einfach bis mittel Läuft problemlos auf älteren Intel-Macs Gut unterstützt, aber verliert an Relevanz
Raspberry Pi & andere ARM-SBCs Raspberry Pi OS Debian Sehr einfach Optimiert für Pi-Hardware, 64-Bit standard Sehr aktiv
Raspberry Pi & andere ARM-SBCs Ubuntu Server/Desktop Debian Einfach Offizielle Images für Pi 4/5, Zero 2 W Sehr aktiv, LTS
Raspberry Pi & andere ARM-SBCs Armbian Debian/Ubuntu Mittel Unterstützt hunderte ARM-Boards (Orange Pi, Rock Pi, Pine64 etc.) Sehr aktiv, Community-Projekt
PinePhone / PineTab / Quartz64 postmarketOS / Manjaro ARM / Ubuntu Touch Verschiedene Linux-Distros Mittel bis schwer Echte Mobile-Linux-Umgebungen auf ARM-Hardware Aktiv, ideal für Experimentierfreudige
RISC-V-Boards (z. B. Milk-V, VisionFive) [Debian RISC-V / Fedora RISC-V Debian/Fedora Schwer Zukunftstechnologie, noch experimentell, aber wachsende Unterstützung Aktiv, aber langsam
Alte Hardware / Legacy-Systeme AntiX / MX Linux / Puppy Linux Debian Einfach Läuft auf sehr alter Hardware (256 MB RAM), ressourcenschonend Sehr aktiv, perfekt für Wiederbelebung alter Geräte

Hinweise zur Auswahl

  • Moderne Macs (M1–M4): Asahi Linux (Fedora Asahi Remix) ist aktuell die beste und aktivste Option – fast alles funktioniert, inklusive GPU und Energieverwaltung.
  • Ältere Intel-Macs: Klassische Linux-Distributionen laufen problemlos, Asahi ist aber auch hier möglich.
  • ARM-Boards (Raspberry Pi etc.): Ideal für Selbsthosting, NAS, Medienserver oder Experimente – extrem energieeffizient.
  • Wer bei macOS bleiben will: Mit Tools wie Little Snitch, OPN und Deaktivierung von Telemetrie kann man macOS deutlich datensparsam machen – bleibt aber proprietär.
CC BY-SA 4.0