Borax

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Borax-Kristall

Waschmittel

Der kleine Alchemist
basische Waschmittel
├─ Natron
├─ BoraxFarbige Flammen
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   └─ Flüssige Soda
└─ Kalilauge aus Holzasche
   └─ Seife sieden mit Kalilauge
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      └─ Glycerin

Was ist Borax?

Borax ist ein natürlich vorkommendes Mineral. Es gehört zu den sogenannten Boraten und besteht aus Natrium, Bor, Sauerstoff und Wasser.

Es sieht aus wie ein weißes Pulver und löst sich gut in Wasser.

Eigenschaften:

Eigenschaft Wert
Chemische Formel Na₂B₄O₇ · 10 H₂O
Molare Masse 381,37 g/mol
Aussehen Weißes, kristallines Pulver
pH-Wert (1% Lösung) ca. 9,5
Löslichkeit in Wasser 55,8 g/L bei 20 °C
Schmelzpunkt 743 °C (wasserfrei)

Vorkommen und Gewinnung

Borax kommt natürlich in Salzseen und Verdunstungslagerstätten vor. Historisch bedeutende Abbaugebiete liegen in Tibet, Kalifornien, der Türkei und Südamerika. Heute wird Borax hauptsächlich durch Umkristallisation aus borhaltigen Mineralien wie Kernit oder Tincal gewonnen.

Was macht Borax besonders?

Borax hat einige Eigenschaften, die es vielseitig einsetzbar machen:

  • wirkt leicht alkalisch (also basisch)
  • kann Wasser enthärten
  • wirkt reinigend und leicht desinfizierend
  • kann Schimmel und Bakterien hemmen
  • wird beim Erhitzen glasartig

Wo wird Borax verwendet?

In der Technik und im Handwerk

Das ist der wichtigste Bereich:

  • beim Schmieden (Feuerschweißen)
  • beim Löten von Metallen
  • in der Glas- und Emailleherstellung

Borax hilft dabei, Metalle sauber zu verbinden.

Verwendung als Flussmittel:
Die technisch wichtigste Anwendung von Borax ist der Einsatz als Flussmittel in der Metallverarbeitung.

Wirkungsweise als Flussmittel:
Beim Erhitzen schmilzt Borax ab ca. 350 °C und bildet eine glasartige Schmelze. Diese Schmelze erfüllt drei Funktionen:

  1. Lösen von Metalloxiden: Borax reagiert mit Oxidschichten wie Zunder auf Eisen oder Stahl und löst sie auf. Dadurch werden metallisch blanke Oberflächen freigelegt.
  2. Schutz vor Oxidation: Die zähflüssige Borax-Schmelze legt sich als gasdichte Schicht über das Werkstück und verhindert den Zutritt von Luftsauerstoff während des Erhitzens.
  3. Herabsetzen der Oberflächenspannung: Die Schmelze verbessert das Fließverhalten des Lotes bzw. das Zusammenfließen der zu verschweißenden Teile.

Feuerschweißen in der Schmiede

Beim traditionellen Feuerschweißen ist Borax das Standard-Flussmittel. Es wird als Pulver auf die auf Schweißtemperatur gebrachten Stahlteile gestreut. Borax löst den sich ständig neu bildenden Zunder und ermöglicht eine stoffschlüssige Verbindung der Werkstücke unter dem Schmiedehammer. Ohne Flussmittel würde die Oxidschicht eine Verschweißung verhindern.

Hartlöten

Beim Hartlöten von Stahl, Kupfer, Messing und Edelmetallen wird Borax oder boraxhaltige Lötpaste verwendet. Es reinigt die Lötstelle, verhindert Anlauffarben und sorgt dafür, dass das flüssige Lot die Fuge sauber benetzt und kapillar ausfüllt. Die Arbeitstemperatur liegt hier meist zwischen 600 °C und 900 °C.

Im Haushalt

Früher wurde Borax oft als eine Art „Allzweckmittel“ genutzt.

Typische Anwendungen:

  • als Zusatz im Waschmittel
  • zur Reinigung von Oberflächen
  • gegen Schimmel
  • zur Geruchsbeseitigung

Hinweis: Heute wird die Nutzung kritischer gesehen (siehe Sicherheit).

Reinigungskraft von Borax

Borax besitzt viele chemische Eigenschaften, die die reinigende und bleichende Kraft bewirken. Diese chemischen Eigenschaften wirken besonders gut in Verbindung mit heißem Wasser. Der pH Wert von Borax liegt bei circa 9,5. Das bewirkt bei der Zugabe von Wasser ein basische Lösung, die die Wirksamkeit von Bleiche und Reinigungsmitteln verstärkt. Borax bewirkt weiterhin das Abtöten ungewollter Bakterien und Erreger, daher stammen die desinfizierenden Eigenschaften.

Anwendungsgebiete:

Anwendung Dosierung Hinweise
Wäsche 1 EL pro Waschgang zum Waschmittel Wirkt als Wasserenthärter und Waschkraftverstärker. Unterstützt bei vergilbter Wäsche.
Allzweckreiniger 1 TL auf 500 ml warme Seifenlauge Für abwaschbare Oberflächen. Nicht auf Aluminium oder Marmor anwenden.
Schimmelentfernung Paste aus 1 Teil Borax, 1 Teil Wasser Auf Fugen auftragen, 60 Minuten einwirken lassen, abbürsten und nachspülen.
WC-Reiniger 2 EL über Nacht einwirken lassen Löst Urinstein und Ablagerungen.

Schädlingsbekämpfung

Borax wirkt als Fraß- und Kontaktgift gegen krabbelnde Insekten wie Ameisen, Kakerlaken und Silberfische.

Wirkweise: Die Kristalle beschädigen die äußere Wachsschicht des Chitinpanzers, wodurch die Tiere austrocknen. Aufgenommenes Bor stört zudem den Energiestoffwechsel der Insekten.

Anwendung als Köder:

  • Gegen Ameisen: Borax mit Puderzucker im Verhältnis 1:1 mischen. Die Mischung in flachen Schalen an Ameisenstraßen auslegen.
  • Gegen Kakerlaken: Borax pur oder mit etwas Mehl vermischt in Ritzen, hinter Leisten und unter Geräten ausstreuen.

Die Wirkung tritt verzögert nach einigen Tagen ein, da die Insekten den Köder ins Nest tragen und dort verteilen.

Für Experimente und Hobby

  • Herstellung von Slime (Spielschleim)
  • Kristalle züchten (beliebt in der Schule)
  • Blumen trocknen

Neben den vielen, sehr nützlichen Qualitäten von Borax als natürliches Putzmittel, kann man damit auch etwas Spaß haben. Borax ist unter anderem ein wichtiger Bestandteil bei der Herstellung von Slime, dem beliebten Spiel-Schleim von Kindern.

Schleim-Herstellung:
Borax wird als Vernetzer für die Herstellung von Spielschleim auf Basis von Polyvinylalkohol (PVA) verwendet.

Grundrezept:

  1. Borax-Lösung: 1 Teelöffel Borax in 250 ml warmem Wasser vollständig auflösen.
  2. Kleber-Lösung: 100 ml PVA-Bastelkleber mit 100 ml warmem Wasser und ggf. Lebensmittelfarbe mischen.
  3. Vermischen: Die Borax-Lösung esslöffelweise zur Kleber-Lösung geben und rühren, bis die Masse eindickt und sich von der Schüsselwand löst.
  4. Kneten: Die Masse mit der Hand kneten, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Chemischer Hintergrund: Borat-Ionen aus der Borax-Lösung bilden Brückenbindungen zwischen den Polymerketten des PVA-Klebers. Dadurch entsteht eine vernetzte, nicht-newtonsche Flüssigkeit.

Hinweis: Der Schleim ist nicht zum Verzehr geeignet. Bei Hautkontakt auf Reizungen achten.

Blumen trocknen mit Borax:
Etwas ungewöhnlich, aber effektiv. Präservieren Sie Ihre Trockenblumen ganz einfach. So geht´s: Blumen schneiden und vorbereiten; in eine kleine Schachtel etwas Borax streuen, circa 2 Blumen darauf legen und weiteres Borax drauf streuen; die Schachtel möglichst fest verschlossen eine Woche Ruhen lassen; klopfen Sie dann das Borax vorsichtig von den Blumen wieder zurück in die Schachtel; das Borax in der Schachtel kann für weitere Blumen verwendet werden.

Ist Borax gefährlich?

Ja – und das ist wichtig!

Borax ist in der EU als gesundheitsschädlich eingestuft.

Das bedeutet:

  • kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
  • kann dem ungeborenen Kind schaden
  • kann Haut und Atemwege reizen

Worauf sollte man achten?

Wenn man Borax verwendet:

  • Staub nicht einatmen
  • Hautkontakt möglichst vermeiden
  • Handschuhe tragen
  • von Kindern fernhalten
  • nicht in der Nähe von Lebensmitteln verwenden

Daher ist Borax heute im Haushalt deutlich weniger verbreitet als früher.

Darf man Borax essen?

Nein!

  • In der EU ist Borax als Lebensmittelzusatz verboten
  • Früher wurde es z. B. in Kaviar verwendet
  • In manchen Ländern wird es noch eingesetzt – das gilt aber als problematisch

Kurz gesagt

Borax ist:

  • ein vielseitiges, natürliches Mineral
  • technisch sehr nützlich
  • im Haushalt nur eingeschränkt sinnvoll
  • nicht ungefährlich

Häufige Mythen über Borax

„Borax ist völlig harmlos, weil es natürlich ist“ Falsch. Auch natürliche Stoffe können gesundheitsschädlich sein. Borax ist in der EU als gesundheitsschädlich eingestuft und sollte mit Vorsicht verwendet werden.

„Borax ist ein Wundermittel für den Haushalt“ Teilweise übertrieben. Borax kann reinigen und desinfizierend wirken, ist aber kein Allheilmittel und wurde früher deutlich unkritischer eingesetzt als heute.

„Borax kann bedenkenlos im Haushalt verwendet werden“ Nicht ganz. Bei falscher Anwendung (z. B. Einatmen von Staub oder Kontakt mit Lebensmitteln) kann es gesundheitliche Probleme verursachen.

„Borax ist als Nahrungsergänzung geeignet“ Falsch. In der EU ist Borax als Lebensmittelzusatz verboten. Eine Einnahme kann gesundheitsschädlich sein.

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Was man mit Borax nicht machen sollte

  • Nicht einnehmen – Borax ist kein Nahrungsergänzungsmittel.
  • Nicht in der Nähe von Lebensmitteln verwenden – Rückstände können aufgenommen werden.
  • Nicht ohne Schutz verwenden – Staub kann Atemwege reizen, daher möglichst Handschuhe und ggf. Schutzmaske nutzen.
  • Nicht für Kinder zugänglich aufbewahren – besonders wichtig bei Pulverform.
  • Nicht unkritisch bei Tieren einsetzen – kann bei falscher Anwendung schädlich sein.
  • Nicht mit Säuren mischen – verändert die chemische Wirkung und bringt keinen Vorteil.

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Kurz gesagt: Borax ist nützlich – aber kein ungefährliches „Wundermittel“. Ein bewusster und vorsichtiger Umgang ist wichtig.

Lagerung

Kühl, trocken und in einem gut verschlossenen Behälter lagern. Borax zieht Luftfeuchtigkeit an und kann verklumpen. Von Lebensmitteln getrennt aufbewahren.

Kurioses und Sonstiges

  • Mumifizierung: Im alten Ägypten wurde Borax zusammen mit Natron zur Konservierung von Leichen verwendet.
  • Lebensmittelzusatz: Borax war bis in die 1990er Jahre als Konservierungsmittel E285 in Kaviar zugelassen. Heute ist die Verwendung in Lebensmitteln in der EU verboten.
  • Pyrotechnik: Borax färbt eine Flamme intensiv grün und wird in der Pyrotechnik für Grüneffekte genutzt.
  • Kristallzucht: Aus einer übersättigten, heißen Borax-Lösung können über Nacht große Kristalle gezüchtet werden. Dies ist ein gängiges Schulexperiment.
  • Filmindustrie: In Western-Filmen wird Borax-Pulver oft als optischer Ersatz für Goldstaub verwendet.
  • 20 Mule Team: Eine historische US-Marke, benannt nach den Gespannen aus 20 Maultieren, die im 19. Jahrhundert Borax aus dem Death Valley transportierten.
  • Nukleartechnik: Aufgrund seines hohen Neutronen-Einfangquerschnitts wird Bor in Notfallsystemen von Kernreaktoren eingesetzt.
  • Etymologie: Der Name "Borax" leitet sich vom arabischen "buraq" (weiß glänzend) ab. Die Bezeichnung "Tinkal" stammt aus dem Tibetischen.